24.02.2026

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Solarpaneele auf 50 Hektar Wüste für rund 7.000 Megawatt „grünen“ Strom
Bild: Hyphen Hydrogen EnergySolarpaneele auf 50 Hektar Wüste für rund 7.000 Megawatt „grünen“ Strom

Nächste grüne Märchenblase platzt

Projekt „grüner Wasserstoff“ in Namibia gescheitert

Wahnsinn: Um das ehrgeizige Megaprojekt umzusetzen, müssten schwerste Umweltschäden und die Zerstörung der Natur in Kauf genommen werden

Dagmar Jestrzemski
24.02.2026

Der anhaltende Protest gegen das Wasserstoff-Projekt „Hyphen“ in Namibia hat das daran beteiligte brandenburgische Energieunternehmen Enertrag SE nun auch in Deutschland erreicht. Am 10. Oktober wurden die Mitarbeiter des Berliner Büros von Enertrag durch eine Protestaktion gegen das in Namibia hoch umstrittene Vorhaben überrascht. Vor dem Bürogebäude in der Friedrichstraße versammelten sich 15 Aktivisten der Organisation attac. Über der Eingangstür hatten sie ein weißes Banner mit der Aufschrift „‚Green Hydrogen': Colonialism 2.0?“ angebracht.

Unter den Demonstranten war Paul Thomas, 37 Jahre alt, ein Angehöriger des indigenen Volks der Nama. Als Sprecher der „Nama Traditional Leaders Association“ organisiert er den lokalen Widerstand gegen das größte von etwa fünf Projekten zur Herstellung von „grünem–“ Wasserstoff in Namibia, die seit einigen Jahren entwickelt werden.

Bei dem Projekt „Hyphen Hydrogen Energy“ hält ein Joint Venture aus Enertrag und dem britischen Partner Nicholas Holdings Ltd. die Mehrheitsbeteiligung. Weiterer Anteilseigner ist mit 24 Prozent die Regierung Namibias über eine Finanzierungsgesellschaft. Im Tsau//Khaeb-Sperrgebiet-Nationalpark im Süden des Landes soll auf 2.000, später 4.000 Quadratkilometern mit Hilfe von Wind- und Solarstrom „grüner Wasserstoff“ erzeugt werden. Hyphen will nach eigenen Angaben 700 Windräder und auf 50 Hektar Wüstenfläche Solarpaneele aufstellen, um rund 7.000 Megawatt „grünen“ Strom bereitzustellen.

Für die Wasserstoffindustrie müssten Elektrolyseure, Pipelines, eine Meerwasserentsalzungsanlage sowie eine Ammoniakfabrik gebaut und Stromleitungen gelegt werden. Der mit dem „Ökostrom“ erzeugte Wasserstoff müsste dann für den Schiffstransport durch Umwandlung in Ammoniak verflüssigt werden. Zu diesem Zweck ist geplant, den Hafen der nahegelegenen Kleinstadt Lüderitz massiv auszubauen, wodurch Shark Island bedroht wäre, der Gedenkort an das erste Konzentrationslager unter deutscher Kolonialherrschaft von 1884 bis 1915. Seit Vertragsabschluss 2022 regt sich in Nambia Widerstand gegen das Mammutprojekt aus, wie es heißt, historischen, ökologischen, demokratiepolitischen und sozialen Gründen. Das Gebiet war ursprünglich Siedlungsland der Nama und ist bis heute ein einzigartiges Naturschutzgebiet.

Ferner wird argumentiert, dass die Verhandlungen über das Projekt unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Beteiligung der Bevölkerung stattfanden. Bedenken hinsichtlich weitreichender Umweltauswirkungen würden bislang ignoriert. Eine Risikoanalyse existiere nicht.

Zu wenig Nachfrage
Unterdessen kam die Weiterentwicklung des zehn Milliarden US-Dollar teuren Projekts kaum voran. Private Investoren hielten sich fern. Im September kündigte der Essener Energiekonzern RWE seine Mitwirkung auf. RWE hatte ursprünglich zugesagt, ab 2027 bis zu 350.000 Tonnen des Wasserstoffderivats Ammoniak von Hyphen abzukaufen und nach Deutschland zu importieren. Die Rede war von einer langfristigen Abnahme der Jahresproduktion von zwei Millionen Tonnen.

Doch die Realisierung des allzu groß angelegten Vorhabens zog sich hin und wurde immer unwahrscheinlicher. Hinzu kommt, dass sich die Nachfrage nach Wasserstoff in Europa langsamer als erwartet entwickelt, wie ein RWE-Sprecher erklärte. Man habe die Erkenntnis gewonnen, dass es sich auf absehbare Zeit nicht lohne, weitere Wasserstoffprojekte zu verfolgen.

Unter enormen Druck geraten
Dabei hatte Hyphen noch im Juli letzten Jahres einen Vertragspartner mit ins Boot geholt. Nach einem in Namibia veröffentlichten Bericht des „Economist“ erhielt die „China National Chemical Engineering Corporation“ (CNCEC) mit ihrer Tochtergesellschaft „China National Chemical Engineering & Construction Corporation Seven“ (CC7) den Zuschlag für die Beschaffung der chemischen Komponenten sowie zum Bau der Produktionsanlagen für die Herstellung von Ammoniak aus Wasserstoff. Bei der Vereinbarung könnte es sich um einen von mehreren, bereits zuvor getätigten Vertragsabschlüssen für die einzelnen Infrastruktur-Komponenten des Projekts handeln. Näheres ist jedoch nicht bekannt.

Doch mit dem Absprung von RWE ist das Konsortium zweifellos enorm unter Druck geraten. Umso wirksamer könnten jetzt die Hebel der innerstaatlichen Gegner vor Ort angesetzt werden, um die Aufgabe der Industrialisierungspläne für diese unberührte Naturlandschaft zu erzwingen. Auf Nachfrage des Portals „top agrar“ online behauptete Enertrag gleichwohl, das Projekt sei weiter am Laufen. Man befinde sich im ESIA-Prozess (Environmental and Social Impact Assessment).


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