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Die israelische Historikerin Yfaat Weiss hat eine erhellende Studie zur Geschichte der israelischen Exklave des Areals nahe dem Ölberg vorgelegt
Auf dem Skopusberg, oberhalb des Ölbergs, befand sich zwischen 1948 und 1967 eine israelische Exklave mitten in Jordanien, umzingelt von Palästinensern. Von den verschiedenen Versuchen des Miteinander-Auskommens, aber auch vom Scheitern, berichtet Yfaat Weiss in ihrem Buch „Verfehlte Mission“.
Im November 1947 beschloss die Generalversammlung der UN den Teilungsplan für das britische Mandatsgebiet Palästina. Die Vertreter Palästinas lehnten diesen ab, und der israelisch-arabische Krieg von 1948 machte auch den Einheitsplan für Jerusalem zunichte. Die Stadt wurde zwischen Ost und West aufgeteilt, mit einer kleinen, kaum bekannten israelischen Exklave um den Skopusberg. In dieser befanden sich die 1925 gegründete hebräische Universität, das 1910 von Kaiser Wilhelm II. gestiftete Auguste Viktoria Hospiz und das arabisch-palästinensische Dorf Issawiya. 1948 kam es zu einem Überfall arabischer Terroristen auf das Hadassah Krankenhaus der Universität, bei dem 79 Israelis starben.
Kaum ein anderer Ort im Nahen Osten spiegelt die Bruchlinien des 20. Jahrhunderts so scharf wie der Skopusberg. Zwischen 1948 und 1967 war er eine entmilitarisierte Insel Israels – umgeben von jordanischem Territorium, überwacht von den Vereinten Nationen. Diese kaum bekannte Geschichte rückt die israelische Historikerin Weiss in den Mittelpunkt ihrer Studie. Mit akribischer Recherche und erzählerischer Präzision zeichnet sie die gescheiterte Friedensarbeit der UN im zerrissenen Jerusalem nach.
Auf dem Skopusberg wird auch sichtbar, wie eng die Konflikte jener Zeit mit den heutigen Realitäten verknüpft sind – und wie tief die Wurzeln der Gewalt reichen, die Jerusalem bis heute prägt. Der einstigen deutschen Exklave mit Kirche auf dem Skopus Berg, der „Auguste-Viktoria-Stiftung“ widmet die Autorin unter der Überschrift „Ein Symbol des deutschen evangelischen Christentums im Nahen Osten“ ein eigenes Kapitel.
Das Krankenhaus wurde 1966 mit deutscher Hilfe von Jordanien neu ausgerichtet und spezialisierte sich auf Krebs- und HNO-Patienten. Im Gelände der Stiftung besteht neben dem Krankenhaus das Evangelische Pilger- und Begegnungszentrum der Himmelfahrtskirche. Auch das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes hat dort seit 1982 seinen Sitz. Weiss lehrt Neuere und Jüdische Geschichte in Jerusalem und Leipzig, wo sie das Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, leitet.
Yfaat Weiss: „Verfehlte Mission. Das geteilte Jerusalem und die Vereinten Nationen“, Suhrkamp Verlag, Berlin 2025, gebunden,
474 Seiten, 34 Euro