17.07.2026

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1932 errichtet: Die ehemalige Kirche der Altlutheraner in Hackenwalde
Bild: Seegert1932 errichtet: Die ehemalige Kirche der Altlutheraner in Hackenwalde

Ein Dorf und seine Geschichte

Viel Ärger mit dem Holzverkauf

Ein Besuch in Hackenwalde – Friedrich der Große hatte ein Auge auf die Kolonisten geworfen

Torsten Seegert
17.07.2026

Nachdem wir Pommern von Gartz über Greifenhagen, Pyritz und Kolbatz bereist haben, wenden wir uns weiter nach Norden: Über die Schnellstraße S3 geht es in Richtung Swinemünde. Unser Ziel ist, nach dem Überqueren des Flusses Ihna, allerdings die westlich von Gollnow gelegene Gollnower Heide im Kreis Naugard. Entlang der Straße 111 geht es über Grünhorst in Richtung Stepenitz. So erreichen wir Hackenwalde.

Heute durchquert die Straße 111 das Dorf, das einst in der Heide lag, mittig – von Süden nach Norden. Dabei quert sie das Hauptdorf mit seinen drei großen Straßen, die von Westen nach Osten verlaufen: mittig die Dorfstraße, südlich der sogenannte Langenhals und nördlich davon die auch als Oberreihe bezeichnete Kolonistenreihe. Sie wurde 1747 mit Doppelhöfen angelegt und erinnert an die Zeit von Rodung und Dorfgründung.

Ende 1746 erhielt Gollnow von Friedrich II. eine Königliche Kabinettsorder, die Oderbrüche urbar zu machen und diese nach dem Dreißigjährigen Krieg zu besiedeln. Dem folgte Gollnow nach einer Vermessung im Januar 1747, indem das städtische Bruch in der Heide, die sogenannte „Buzebinde an der Kappe“, an die Kolonisten aus dem Netzebruch zur Rodung der masttragenden Eichen übergeben wurde.

Unerwünschte Kolonisten

Rodung und der sich anschließende Holzverkauf durch die Kolonisten sorgten allerdings bereits 1751 für eine weitere Königliche Order. Es bestand seitens Friedrichs II. die Sorge, dass sich die Siedler nach dem Verstreichen der abgabenfreien Jahre nicht in Hackenwalde halten würden. Daher sollte ihr Augenmerk auf die Kultivierung des Landes gelegt werden, nicht auf den Holzverkauf. Zu dieser Zeit siedelten bereits über 70 Kolonisten in Hackenwalde.

Doch aller Anfang blieb schwer. Hatten schon 1746 Viertelmänner, die Stadt Gollnow und zwei Dörfer gegen die Anlegung des Kolonistendorfes gestimmt, so ergaben sich auch nach der Rodung und Anlegung von Feldern – die besten Äcker befanden sich nördlich der Kolonistenreihe – ganz alltägliche Probleme: Wo sollte man Getreide mahlen? Wie die Pferde
beschlagen?

Auch die Schulzenwahlen bewegten die Gemüter. Es gab Rücktritte vom Amt und umstrittene Kandidaturen. 1814 wurde sogar ein Schulze, Görs, abgesetzt. Er habe das Amt nicht nach Vorschrift verwaltet, sich in Gollnow in eine Schlägerei eingelassen und dem Ansehen des Dorfes geschadet. 1815 wurde er jedoch durch ein Gericht rehabilitiert und bis 1820 wieder eingesetzt.

Im darauffolgenden Jahr sollte es zu einem Holzkonflikt mit Gollnow kommen. Es ging um Raff- und Leseholz. Dessen Entnahme aus der Gollnower Heide stand den Kolonisten gegen den jährlichen Brennzins von einem Taler frei. Allerdings wurde ein Teil der Kolonistenhöfe geteilt. So teilten sich auch ihre Bewohner den Brennzins, was Gollnow missfiel. Der Holzstreit sollte sich in den Akten noch bis in das Jahr 1841 hinziehen.

Erst 1842 kam es dann zu einem Vertragsschluss zwischen den Kolonisten Hackenwaldes und der Stadt Gollnow. 1847 trat sogar eine Holzordnung in Kraft. Für den Schutz des Holzes wurde nun eine Kommission eingesetzt; das nächtliche Holzschlagen wurde bestraft. So endete der Streit um das Holz der Heide.

Auch die Entwicklung des christlichen Glaubens des Kolonistendorfes ist eine Erwähnung wert, denn auch hier wurde die ersten hundert Jahre tüchtig ums Geld gestritten. Pastoren beklagten, dass die Hackenwalder ihr Geld nicht entrichten wollten – erst 1849 schließlich waren sie bereit, 18 Taler Jahresgeld zu zahlen, doch mit der Bedingung, dass die Altlutheraner davon befreit werden sollten.

Am 18. April 1839 wurde dann der Grundstein der Kirche in Hackenwalde-Jenseits gelegt. Dies war der Teil des Dorfes, der nördlich der Kolonistenreihe entstanden war. Feldsteine und Mauersand wurden von der Stadt Gollnow geliefert. Obgleich die Gemeinde sich mit 60 Talern von den Spanndiensten freikaufen wollte, erging an die Separatisten der Bescheid, dass diese zu leisten seien. So wurde die Kirche am 22. Dezember 1839 eingeweiht.

Bereits seit 1824 gab es aber auch andere Zusammenkünfte, nämlich die der Altlutheraner. Sie versammelten sich in privatem Rahmen – als Teil der Erweckungsbewegung. Das erzeugte den Argwohn der Regierung und wurde mit fünf Talern Strafe wegen der Abhaltung von Betstunden belegt. Es folgten Erlaubnisse für Erbauungsstunden, dann aber ab 1839 sogar Geld- und Gefängnisstrafen.

Die heute noch stehende Kirche der Altlutheraner im Hauptdorf Hackenwalde ist um 1932 errichtet worden und trotzt allen Widrigkeiten. In dem Ortsteil Hackenwalde-Jenseits befanden sich später, außer den Häusern der Siedler, die große, aus Feldsteinen errichtete Landeskirche, der Gasthof von Bernhard Liesener sowie eine Schule. Vieles davon ist längst nur noch Teil von Beschreibungen. Diese Kirche wurde nach dem Krieg abgetragen und der Friedhof ist kaum noch wiederzuerkennen.

Doch zurück zum Hauptdorf. Hier gab es vor 1945 noch die Bäckereien Schulz, Lass, Berndt, Baum und Schmidt sowie die Gastwirtschaften Ziese und Völker. Außerdem gab es die Materialwarenhandlung von Hermann Gaede, die motorbetriebene Holländermühle von Bernhard Lass und die Windmühle von Wilhelm Schulz. Gegenüber der Bäckerei Schmidt liegen die heute umgebaute Schule und die frühere altlutherische Kirche.

Hoffmeister rettete die Dorfchronik

Heute lässt sich die Geschichte dieses Dorfes kaum noch nachvollziehen. Viele Häuser wurden abgetragen, die Friedhöfe zerstört und der einstige Charakter des Kolonistendorfes Hackenwalde, das an der Stelle des im Dreißigjährigen Krieg untergegangenen Dorfes Schmiedeberg errichtet worden war, ist untergegangen.

Dank der Initiative Alex Hoffmeisters, Gemeindevorsteher von 1924 bis 1945, entstand 1927 eine Chronik, die auch die Grundlage für diese Dorfgeschichte bildet. Da in der Gemeindeverwaltung Unterlagen zur Ortsgeschichte Hackenwaldes fehlten, folgte Hoffmeister dem Anraten des Landrates von Gossler und ließ Unterlagen im Preußischen Staatsarchiv in der Karkutschenstraße 13 in Stettin abschreiben.

Hoffmeister sicherte die Chronik und nahm sie mit, als die Hackenwalder sich am 5. März 1945 auf den Treck begaben. Bei Fürstenflagge wollten sie die Oder überqueren. Doch bereits zwei Kilometer von Hackenwalde entfernt, im Zinsbruch, standen alle Räder still. So blieb nur der Weg in Richtung Gollnow. Vorbei an der bereits vor Gollnow tobenden Front führte Hoffmeister die Gespanne des Trecks über Stettin Richtung Westen. So endete auch die Geschichte der Nachfahren der Kolonisten in Hackenwalde.


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