27.02.2026

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KI in der Literatur

Wenn Maschinen Romane schreiben

Alternative Intelligenz auf dem Vormarsch – Chancen und Gefahren für die Verlagsbranche

Manuela Rosenthal-Kappi
27.02.2026

Wie es wohl Johanna Forster, der Heldin der Roman-Trilogie „Danzig“ von Hilke Sellnick, ergangen sein mag, nachdem sie ihren feurigen Stiefsohn Pawel geheiratet hat und die beiden bald eine Familie sind? Kann ihre kleine Werft sich gegen die Konkurrenz behaupten? – In naher Zukunft könnte man die Romanhelden dank Künstlicher Intelligenz selbst fragen.

Ein entsprechendes Experiment gibt es bereits. Das Start-up-Unternehmen Unwritten GmbH testet seine Idee, Bücher „begehbar“ zu machen, anhand Theresa Hannigs Roman „Pantopia“. Wer es einmal selbst ausprobieren möchte, kann sich auf der Homepage von Unwritten mit der KI-Romanfigur Einbug unterhalten, ihr Fragen stellen, die innerhalb von Sekunden eloquent beantwortet werden. Anhand der Nutzerfragen gewinnt das Unternehmen Erkenntnisse darüber, was die Leser interessiert, wo es Verständnisprobleme oder emotionale Anknüpfungspunkte gibt. Dieses Wissen ließe sich künftig für Romanfortsetzungen oder Serien nutzen.

Kunden und Handel zweifeln
In der Verlagsbranche wird diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen betrachtet. Einerseits bietet „Unwritten“ Verlagen und Autoren eine Art Baukasten für ihre Arbeit, andererseits sind noch viele juristische Fragen, etwa nach Rechten, Haftung und Kontrolle, offen. Darüber hinaus gibt es Zweifel an der Qualität KI-generierter Literatur.

Während in der Wissenschaft wie auch bei Übersetzungen von Fachliteratur KI bereits routinemäßig zum Einsatz kommt, sieht das bei hochwertiger Literatur anders aus. Diese bleibe weiterhin Sache natürlicher Intelligenz, so das Experten-Fazit. Der Grund liegt auf der Hand: Eine KI orientiert sich an aus dem Netz gesammelten Informationen, sie ist seelenlos und verfügt über keine persönlichen Erfahrungen, sodass KI-generierte Erzählungen oft klischeehaft und unlogisch erscheinen. Denn die Sprache, in der ein Autor sich ausdrückt, die einen eigenen Stil hat, Persönlichkeit besitzt, macht Literatur aus.

Schon längst überfluten mit KI geschriebene Romane oder E-Books den Markt. Weil beim Online-Händler Amazon monatlich zwischen 10.000 und 40.ooo solcher KI-generierter Titel hochgeladen werden, deren Qualität oft minderwertig ist, hat die Plattform Einschränkungen eingeführt. Selbstverleger dürfen pro Tag nur noch drei Titel hochladen.

Obwohl viele Kunden frustriert sind – da es keine Kennzeichnungspflicht gibt, sind KI-Bücher nicht unbedingt von echten zu unterscheiden – verkaufen KI-Romane sich gut. In der Verlagsbranche ist die Sorge daher groß, dass gehobene Literatur durch KI-generierte Massenware an Wert verliert. Auch die Erstellung von Marktprognosen mittels KI könnte zu einer „Mainstreamisierung“ des Buchmarkts führen. Chancen für Außenseiter gebe es dann nicht mehr, so die Befürchtungen. Dass der Einsatz von KI gute Chancen bietet, ist in der Verlagsbranche unumstritten. Jedoch wünscht man sich einen besser kontrollierten Einsatz.


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