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Mit dem Mercedes 35 PS fing die Erfolgsgeschichte im Jahr 1901 von Benz und Daimler an. Mit dem Mercedes-Benz Vision One-Eleven präsentiert der Autohersteller jetzt eine hypermoderne, rasante Sportwagenstudie mit vollelektrischem Antrieb
Mercedes benzMit dem Mercedes 35 PS fing die Erfolgsgeschichte im Jahr 1901 von Benz und Daimler an. Mit dem Mercedes-Benz Vision One-Eleven präsentiert der Autohersteller jetzt eine hypermoderne, rasante Sportwagenstudie mit vollelektrischem Antrieb

Es waren einmal drei Unternehmen – Mercedes, Benz und Daimler ...

Wie ein Stern über Deutschland aufging

Glanz, Fusion und die Überlebensfrage eines einst strahlenden Weltkonzerns, der nach 100 Jahren um seine Zukunft ringt

Dr. Manuel Ruoff und Jens Eichler
30.06.2026

Es gibt Symbole, die stehen für mehr als nur ein Produkt. Sie verkörpern den Geist einer ganzen Nation, ihren Fleiß, ihren Erfindergeist und ihren Aufstieg zur führenden Industriemacht der Moderne. Der dreizackige Stern auf der Kühlerhaube ist so eins. Wer heute an Mercedes-Benz denkt, sieht einen monolithischen Weltkonzern. Doch hinter diesem Monument deutscher Ingenieurskunst verbirgt sich eine faszinierende Geschichte, die von tiefster Rivalität, visionärem Wagemut und der harten Realität wirtschaftlicher Krisen erzählt. Eine dramatische Erfolgsgeschichte, wie sie wohl nur eine Nation wie Deutschland schreiben kann, wo wahre Ingenieurskunst wahrlich zuhause ist.

Es ist eine Chronik, die im späten 19. Jahrhundert mit zwei genialen Tüftlern begann, die sich kurioserweise Zeit ihres Lebens nie persönlich begegnen sollten. Und es ist eine Story, die uns direkt in die Gegenwart führt – in eine Ära, in der das Fundament der deutschen Automobilindustrie durch grünes Politversagen und eine weltfremde Ideologie so heftig ins Wanken gerät wie selten zuvor.

Zwei Genies, zwei Wege, aber nur eine Revolution

Die Geburtsstunde des Automobils schlug im Südwesten des deutschen Kaiserreichs fast zeitgleich – aber an zwei verschiedenen Orten. Es war eine Epoche des unerschütterlichen Fortschrittsglaubens, getragen vom bürgerlichen Fleiß und dem Willen, die Grenzen des physikalisch Machbaren zu verschieben.

In Mannheim saß Carl Benz. Ein Mann von melancholischer Natur, getrieben von einer großen Vision: der Erschaffung eines „pferdelosen Wagens“. Während andere versuchten, Kutschen mit Motoren auszustatten, dachte Benz das Fahrzeug völlig neu – als holistische Einheit von Fahrgestell und Antrieb. Am 29. Januar 1886 veränderte er mit dem Reichspatent Nr. 37435 für seinen dreirädrigen Patent-Motorwagen die Welt.

Nur knapp 100 Kilometer entfernt, in Cannstatt bei Stuttgart, arbeitete Gottlieb Daimler gemeinsam mit seinem genialen Chefkonstrukteur Wilhelm Maybach. Daimlers Ansatz war ein völlig anderer: Er wollte nicht das Auto erfinden, sondern den universellen, leichten und schnellen Verbrennungsmotor – die „Standuhr“, wie der erste Prototyp wegen seiner Form genannt wurde. Sein Credo war kompromisslos und definierte später den Anspruch des Weltkonzerns: „Das Beste oder nichts.“ Daimler montierte seinen Motor in Reitwagen, Kutschen und Boote. Er wollte die Welt zu Lande, zu Wasser und in der Luft motorisieren – daher auch der spätere Dreizackstern.

Jahrzehntelang agierten die Firmen Benz & Cie. und die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) als erbitterte Konkurrenten auf einem rasant wachsenden Markt. Sie belauerten sich, übertrafen sich bei Zuverlässigkeitsfahrten und stritten vor Gericht um Patente. Beide Marken bauten unabhängig voneinander das Fundament für den weltweiten Ruf echter deutscher Wertarbeit.

Ein junges Mädchen wurde Legende

Doch woher stammt nun der Name Mercedes? Er ist weder auf Daimler noch auf Benz zurückzuführen, sondern das Ergebnis eines klugen diplomatischen und geschäftlichen Schachzugs, der die DMG um die Jahrhundertwende vor dem Ruin bewahrte. Der österreichische Geschäftsmann und Großbürger Emil Jellinek war ein Enthusiast des neuen Automobilsports und ein visionärer Händler. Er orderte ab 1897 Fahrzeuge bei der DMG und forderte immer schnellere, leistungsstärkere Modelle für die Rennwochen im schon damals mondänen Nizza. Jellinek trat bei diesen Rennen unter einem Pseudonym an: dem Vornamen seiner geliebten Tochter Mercédès.

Im Jahr 1900 schloss Jellinek mit der DMG ein exklusives Abkommen über den Vertrieb von Fahrzeugen und Motoren ab. Die Bedingung: Ein neuer, von Wilhelm Maybach entwickelter Hochleistungswagen sollte den Namen „Mercedes“ tragen. Der Mercedes 35 PS von 1901 schlug dann auch ein wie eine Bombe. Er brach mit dem Design der alten, hochbeinigen Kutschen: niedriger Schwerpunkt, langer Radstand, Stahlrahmen, Bienenwabenkühler und ein leichter, kraftvoller Vierzylindermotor. Der Erfolg war so groß, dass die DMG 1902 „Mercedes“ als gesetzlich geschützte Marke eintragen ließ. Aus dem Namen einer Tochter des Adels wurde das Synonym für automobilen Luxus und technologische Überlegenheit.

Fusion 1926: Geboren aus der Krise

Dass Daimler und Benz jemals zusammenfinden würden, schien lange Zeit undenkbar. Aber der Erste Weltkrieg und die darauffolgenden Jahre der Hyperinflation änderten die Spielregeln der globalen Wirtschaft radikal. In den frühen 1920er Jahren stand die deutsche Industrie am Abgrund. Ausländische Hersteller, allen voran Henry Ford in den USA mit seiner effizienten Fließbandfertigung, drängten auf den europäischen Markt und produzierten Autos zu Preisen, von denen deutsche Manufakturen nur träumen konnten. Der ruinöse Wettbewerb zwischen DMG und Benz & Cie. schwächte beide Unternehmen in einer Zeit, in der das Überleben auf dem Spiel stand.

Unter dem Druck der Banken und angeführt von klugen Köpfen wie dem Finanzier Deutsche Bank und dem späteren DMG-Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Kissel, setzten sich die Rivalen an einen Tisch. Was als Interessengemeinschaft im Jahr 1924 begann, mündete am 28. Juni 1926 in der historischen Fusion zur Daimler-Benz AG. Es war eine Vernunftehe auf absolut hohem Niveau, bei der die Markenidentitäten kunstvoll miteinander verschmolzen wurden:

- Aus dem Daimler-Dreizackstern und dem Benz-Lorbeerkranz entstand das neue, unverkennbare Markenzeichen.
- Die Fahrzeuge trugen fortan den Namen, der bis heute Weltruhm genießt: Mercedes-Benz.

Durch die Bündelung der Kräfte, die Vereinheitlichung der Produktion und die Aufteilung der Segmente (Benz war stark im Nutzfahrzeugbau, Daimler bei den luxuriösen Pkw) gelang es dem fusionierten Konzern, die Weltwirtschaftskrise zu überstehen und sich als führendster Premiumhersteller der Welt zu etablieren.

In den Jahrzehnten des Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Daimler-Benz zum unbestrittenen Flaggschiff der deutschen Industrie heran. Die S-Klasse wurde zum Dienstwagen von Staatsmännern und Wirtschaftsführern weltweit, der „Strich-Acht“ und der „W 123“ legten den Grundstein für den Ruf unzerstörbarer Solidität.

Der Weg zum Weltkonzern

Doch die schiere Größe brachte auch Hybris mit sich. Ende der 1980er-Jahre versuchte der damalige Chef Edzard Reuter, Daimler-Benz in einen „integrierten Technologiekonzern“ zu verwandeln – mit Zukäufen im Luft- und Raumfahrtbereich (DASA, Dornier), die astronomische Summen verschlangen und letztlich jämmerlich scheiterten.

Noch schwerer war die Ära von Jürgen Schrempp, der 1998 die „Hochzeit im Himmel“ ausrief: die Fusion mit dem US-Hersteller Chrysler zur DaimlerChrysler AG. Die Idee einer globalen „Welt-AG“ kollidierte jedoch frontal mit der Realität unterschiedlicher Unternehmenskulturen und Qualitätsansprüche. Anstatt Synergien verbrannte das Abenteuer Milliarden und beschädigte den Ruf der Kernmarke Mercedes-Benz – vor allem in Hinsicht auf die legendäre Qualität.

Erst mit der schmerzhaften Trennung von Chrysler im Jahr 2007 und der späteren historischen Aufspaltung unter Ola Källenius im Jahr 2021 kehrte der Konzern zu seinen Wurzeln zurück. Die Lkw-Sparte wurde als Daimler Truck ausgegliedert, während sich die Mercedes-Benz Group AG radikal auf das margenstarke Luxussegment bei Pkw und Vans fokussierte. Eine Strategie, die lange Zeit als genialer Befreiungsschlag gefeiert wurde – bis die harte Realität der gnadenlosen Gegenwart einsetzte.

Krise mit Ansage

Betrachtet man die deutsche Automobilindustrie der Gegenwart, so zeigt sich ein tief besorgniserregendes Bild. Die stolzen Flaggschiffe der deutschen Wirtschaft – Volkswagen, BMW und eben auch Mercedes-Benz – kämpfen mit drastischen Gewinneinbrüchen, schwindenden Margen und einem massiven Bedeutungsverlust auf den globalen Märkten, weil die Konzerne und ihre gestriegelten Manager sich vor einer marktfeindlichen Politik bückten und Kundenwünsche unberücksichtigt ließen. Kein Unternehmen kann es sich leisten am Markt vorsätzlich vorbeizuarbeiten. Weitere Gründe für diese historische Durststrecke sind vielschichtig und eine Warnung für jeden Verfechter einer starken heimischen Industrie:

1. Die China-Abhängigkeit: Über Jahre hinweg war China die Cashcow der deutschen Autobauer. Doch Peking hat sich vom Abnehmer zum gefährlichsten Konkurrenten gewandelt. Heimische Marken wie BYD oder Geely dominieren den dortigen Markt mit hochmodernen, günstigen E-Fahrzeugen und modernster Softwarearchitektur. Mercedes-Benz verliert in China dramatisch an Boden – insbesondere im margenträchtigen Obersegment.

2. Die verordnete Transformation: Der von der Politik forcierte, radikale Schwenk hin zur reinen Elektromobilität hat die traditionellen Stärken der deutschen Ingenieure entwertet. Im Bereich des klassischen Verbrennungsmotors war Deutschland uneinholbar; bei Batteriezellen und Halbleitern hingegen diktiert Asien die Preise und Lieferketten.

3. Standortnachteil Deutschland: Hohe Energiepreise, eine erdrückende Bürokratie und mangelnde Flexibilität belasten die heimischen Werke. Während ausländische Konkurrenten agil und zu niedrigeren Kosten produzieren, schleppt die deutsche Industrie enorme Strukturkosten mit sich herum.

Gibt es eine Zukunft mit Stern?

Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius hat die ursprüngliche Devise „Electric only“ (nur noch elektrisch) angesichts der schwächelnden Kundennachfrage nach E-Autos klammheimlich einkassieren müssen. Die neue Realität heißt „Taktische Flexibilität“. Der Konzern investiert wieder verstärkt in die Weiterentwicklung seiner hocheffizienten Verbrennungs- und Hybridmotoren, um die anspruchsvolle und von Qualität verwöhnte Kundschaft weltweit nicht zu verlieren.

Gleichzeitig hält das Management an der Premium- und Luxusstrategie fest. Die Logik dahinter: Wenn man weniger Autos verkauft, müssen die verkauften Einheiten deutlich teurer und profitabler sein. Zugleich ein riskanter Grat zwischen Exklusivität und dem Verlust von Marktanteilen im traditionellen bürgerlichen Mittelsegment.

Für eine konservative Betrachtung zeigt sich in der Geschichte von Mercedes, Benz und Daimler eine zeitlose Wahrheit: Substanz bewährt sich in der Krise, aber sie darf nicht durch ideologische Experimente aufs Spiel gesetzt werden.

Die Gründerzeit des Automobils war geprägt von unternehmerischer Freiheit, technologischem Realismus und dem Stolz auf das handwerklich und technisch Machbare. Die Fusion von 1926 war die Antwort pragmatischer Wirtschaftslenker auf eine globale Krise, um den Kern der deutschen Industrie vor dem Untergang zu bewahren.

Heute steht Mercedes-Benz erneut an einem solchen historischen Wendepunkt. Der Konzern wird diese Phase nur dann erfolgreich überstehen, wenn er sich auf seine eigenen Maximen besinnt, die ihn großgemacht haben: kompromisslose Qualität, technologische Technologieoffenheit statt ideologischer Verengung und die unermüdliche Pflege des Markenversprechens, das Gottlieb Daimler einst formulierte. Der Stern darf kein Lifestyle-Produkt einer abgehobenen Epoche werden; er muss das bleiben, was er immer war – das stolze Siegel deutscher Ingenieurskunst auf den Straßen der Welt.


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