13.10.2026

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Daniela Wiemer/Wolfgang Rothe (Hg.): „Walter Stoeckel: Zusammengeschraapte Peerds-Äppel. Ostpreußische Erinnerungen aus dem 19. Jahrhundert u. Gegenwartsgedanken aus dem 20. Jahrhundert von einem ,Amateur-Hippologen‘ 1955–1959“, Bezug über E-Mail: d.wieme
Daniela Wiemer/Wolfgang Rothe (Hg.): „Walter Stoeckel: Zusammengeschraapte Peerds-Äppel. Ostpreußische Erinnerungen aus dem 19. Jahrhundert u. Gegenwartsgedanken aus dem 20. Jahrhundert von einem ,Amateur-Hippologen‘ 1955–1959“, Bezug über E-Mail: d.wieme

Erinnerungen eines Experten

Entwicklungen in der ostpreußischen Pferdezucht

Ein einfühlsamer und locker geschriebener Einblick, wie sich der Einsatz der Tiere vom Einsatz in der Landwirtschaft bis hin zum Pferdesport wandelte

Dr. Christoph Hinkelmann
19.09.2026

Erinnerungen aus längst vergangener Zeit: Was mögen sie uns Heutigen noch zu sagen haben? Zugegeben, der erste Gedanke bei dem Titel „Zusammengeschraapte Peerds-Äppel. Ostpreußische Erinnerungen ...“ mag vermitteln, dass hier Informationen aus einem ganz bestimmten Bereich des Pferdewesens, der eng mit der ostpreußischen Pferdezucht in Verbindung steht, zu lesen sind.

Doch dies ist nur der Einstieg: Der Autor, Prof. Dr. Walter Stoeckel (1871–1961), ein seinerzeit weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannter Gynäkologe, der der Frauenheilkunde und der Geburtshilfe wichtige Forschungsimpulse gab, legte zum Ende seines Lebens eine Darstellung seiner Einblicke und Erinnerungen aus acht Jahrzehnten über einige Aspekte der deutschen Pferdezucht vor. In Ostpreußen als Sohn von Carl Moritz Stoeckel – Landwirt, Pferdezüchter und Ökonomierat, Mitbegründer des Ostpreußischen Stutbuchs für Warmblut Trakehner Abstammung – geboren und aufgewachsen, war das Pferdewesen seine lebenslange Passion, doch beruflich widmete er sich der Veterinär- und später der Humanmedizin.

Stoeckels „Pferdeäpfel“ sind ein Kaleidoskop eigener Erinnerungen aus einer Zeit, in der sich die Pferdezucht in Deutschland von ihren vormals wesentlichen Einsatzfeldern wie Transport, Landwirtschaft oder Kavallerie löste und sich immer stärker dem Pferdesport zuwandte. Voraussetzung dafür war eine sehr gerichtete Zuchtauswahl, in der erwünschte Eigenschaften gezielt und deutlich stärker gefördert, die jungen Pferde aber auch sehr viel stärker auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft wurden als jemals zuvor.

Seine Erinnerungen sind so locker, einfühlsam und spannend formuliert, dass es Spaß macht, sie zu lesen, und man Schwierigkeiten bekommt, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Dabei geht es keineswegs nur um Stationen und Personen von Einfluss auf die Pferdezucht. Es finden sich überall Verbindungen zur deutschen Zeitgeschichte und Politik, und nicht nur dem historisch und an Ostpreußen interessierten Leser offenbaren sich zahlreiche informative Aspekte. Seine Erinnerungen sind in drei Kapitel unterteilt: Teil 1: Ostpreußen und seine Edelzucht, Teil 2: Was ist aus der ostpreußischen Edelzucht geworden?, Teil 3: Vollblutgedanken.

Stoeckel, mit einem hervorragenden Gedächtnis für Begegnungen gesegnet, hat seine Erinnerungen erst nach seiner Emeritierung 1951 zusammengetragen und in den Jahren von 1955 bis 1959 zu Papier gebracht. Dabei konnte er – nach dem Verlust Ostpreußens und der Gründung zweier deutscher Staaten – zahlreiche aktuelle Daten und Entwicklungen ebenso in die Schilderung einfließen lassen wie historische Rückblicke. Sein Bericht ist durch eine große Fülle zeitgenössischer Fotos ergänzt und aufgelockert. Zahlreiche zu den Ereignissen publizierte Darstellungen ergänzen seine Aufzeichnungen. Besonders hilfreich erweisen sich Fußnoten auf fast jeder Seite, die die genannten Personen und Ereignisse vorstellen und einordnen; es ist verständlich, dass nach weiteren mehr als 70 vergangenen Jahren längst nicht mehr alle von ihnen bekannt sind.

Stoeckel hatte sich als Jugendlicher gewünscht, eines Tages Leiter eines bedeutenden Gestüts zu werden. Doch in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg waren solche Posten Adligen vorbehalten. Er widmete seine pferdekundlichen Erinnerungen seinem Enkel, dem erfolgreichen Military-Reiter Otto Rothe (1924–1970), ein wenig in der Hoffnung, dass dieser seine Liebe zum Pferdewesen vertiefen würde. Doch starb er 46-jährig bei einem Autounfall. Die Aufbereitung der persönlichen Erinnerungen seines Großvaters übernahm der Enkel Wolfgang Rothe (1934–2024), und nach dessen Tod bereitete Daniela Wiemer sie für den Druck vor.


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