25.07.2026

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Das Schloss Treptow, erbaut 1750: Hier wurde europäische Geschichte geschrieben
Bild: RosenthalDas Schloss Treptow, erbaut 1750: Hier wurde europäische Geschichte geschrieben

Gegenwart trifft Historie

Wo „Marschall Vorwärts“ Halt machte

Typisch für Hinterpommern – In Treptow an der Rega blieb der mittelalterliche Stadtkern erhalten

Erwin Rosenthal
24.07.2026

Wer das frühere Hinterpommern bereist, sollte auch Treptow einen Besuch abstatten. Die Stadt hat eine idyllische Lage, sie wird auf drei Seiten von der Rega umflossen und punktet gar mit dem Ostseebad „Treptower Deep“ [Mrzeżyno]. In Deep hatte Lyonel Feininger von 1924 bis 1935 stets gemeinsam mit seiner Familie den Sommer verbracht. In einem Brief aus dem amerikanischen Exil schrieb er: „ ... doch ist für uns hierzulande nirgends eine ‚Ostsee' zum Sommeraufenthalt beschieden. Wir sehnen uns oft maßlos nach unseren alten, monatelang ausgedehnten Erholungsreisen in Deep.“

Noch heute ist die Stadt Treptow das getreue Abbild einer alten hinterpommerschen Kleinstadt. Man kann hier in die pommersche Geschichte eintauchen wie kaum anderswo. Die Stadttore sind zwar zurückgebaut worden, von der ehemals 2,5 Kilometer langen Stadtmauer sind jedoch große Teile, darunter der Grützturm, erhalten geblieben. Der Turm erinnert an die Fehde mit der Nachbarstadt Greifenberg, bei der es um den freien Zugang zur Ostsee ging.

Typisch pommersches Stadtbild

Sehenswert ist auch der vom Krieg verschont gebliebene, mittelalterlich anmutende Stadtkern. Ein quadratischer Marktplatz mit dem im Jahre 1701 im Barockstil erbauten Rathaus, den alten Bürgerhäusern und der früheren Stadtpfarrkirche bildet sein Zentrum.

Und nicht zuletzt: Die Stadt war die Wirkungsstätte von Johannes Bugenhagen, der im 16. Jahrhundert mit der sogenannten „Bugenhagenschen Kirchenordnung“ maßgeblich an der Einführung des evangelisch-lutherischen Glaubens in Pommern beteiligt war.

Unweit des Zentrums, am Mühlengraben, befindet sich das Schloss. An gleicher Stelle thronte einst die Treptower Burg der Greifen. Von 1618 bis 1659 hatte hier die Witwe des Pommernherzogs Philipp II. residiert. Als nach dem Tod Bogislaws XIV. im Jahr 1637 das Geschlecht der Greifen erlosch, fiel die Burg gemäß dem Erbfolgevertrag zwischen Pommern und Brandenburg an das Kurfürstentum Brandenburg.

Auf dem Baugrund der alten Greifenburg ließ Herzog Friedrich Eugen von Württemberg, Generalfeldmarschall der preußischen und Oberst der kaiserlichen Armee sowie Kommandeur des Treptower Dragonerregiments, im Jahr 1750 ein Schloss im klassizistischen Stil errichten. In dem Schloss wurde nicht nur pommersche, sondern auch europäische Geschichte geschrieben.

Zwölf Kinder hatten der Herzog und seine Ehefrau Friederike Dorothea Sophia von Brandenburg-Schwedt. Ihr im Jahr 1754 geborener Sohn Friedrich Wilhelm Karl wurde später der erste König von Württemberg.

Dessen Schwester, Elisabeth Wilhelmine Louise von Württemberg, die im Jahr 1767 das Licht der Welt erblickt hatte, war die erste Gemahlin des späteren Kaisers Franz II., des letzten Kaisers des Heiligen Römischen Reiches. Sie starb jedoch bereits mit 22 Jahren.

Das vierte der zwölf Kinder, Sophie Dorothee Auguste Luise von Württemberg, geboren 1776, heiratete 20-jährig den russischen Zaren Paul I. und wurde unter dem Namen Maria Fjodorowna Zarin von Russland. Zwei ihrer Kinder trugen als Alexander I. und Nikolaus I. ebenfalls die Zarenkrone.

Von 1807 bis 1811 lebte Gebhard Leberecht von Blücher in dem vornehmen Palast. Volkstümlich wurde der Mecklenburger „Marschall Vorwärts“ genannt. Er gehörte zu den populärsten Helden der Befreiungskriege in Europa und wurde durch den Sieg über Napoleon in der Schlacht bei Waterloo berühmt.

Die Eigentümer des Schlosses wechselten später mehrfach. Heute beherbergt es das städtische Kulturzentrum und die Treptower Stadtbibliothek.


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