18.08.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Die Radlergruppe passierte nach 283 Kilometern die Grenze zur Bundesrepublik an der Lausitzer Neiße
Bild: WagnerDie Radlergruppe passierte nach 283 Kilometern die Grenze zur Bundesrepublik an der Lausitzer Neiße

Östlich von Oder und Neiße

300 Kilometer Schlesien und 500 Kilometer Bundesrepublik im Sattel

Eine fröhliche völkerverbindende Fahrradtour feiert gleich zwei Partnerschaften an gleich zwei Grenzen

Chris W. Wagner
27.07.2026

Ein Schulterschluss zweier Jugendlicher mit Caps in polnischen und deutschen Farben sowie Symbole für deutsch-polnische Jugendprojekte zieren seit Mitte Juni die Fassade des landesweiten Bundes der Jugend der deutschen Minderheit in Oppeln [Opole]. Auf diese Weise feiert der Jugendverband 35 Jahre deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag.

Mit diesem Vertrag vom 17. Juni 1991 verpflichteten sich Deutschland und Polen, die Rechte der polnischen Bevölkerung in der Bundesrepublik und der deutschen Volksgruppe in Polen zu schützen. Der Vertrag garantiert den Deutschen in Polen das Recht, sich zum Deutschtum zu bekennen und die deutsche Sprache, Kultur und Tradition zu bewahren und zu pflegen. Konkret nennt der Vertrag das Recht auf Unterricht in der deutschen Muttersprache beziehungsweise auf das Erlernen der deutschen Sprache, die Gründung und den Betrieb eigener kultureller, gesellschaftlicher und religiöser Einrichtungen sowie die Bildung eigener Vereine und Organisationen. Auch wenn es um Umfang und Ausgestaltung immer wieder einmal Dispute gibt, so gab der Vertrag den Deutschen in Polen grundsätzlich erst einmal das Recht, unter anderem etwa Vor- und Familiennamen in der Form der Muttersprache zu führen, da im Rahmen der Polonisierung nach Kriegsende viele Namen ins Polnische verändert wurden.

Weniger zeitbeständig, dafür aber viel körperintensiver, begingen Deutsche aus der oberschlesischen Gemeinde Proskau [Prószków] das Nachbarschaftsjubiläum. Eine Radfahrergruppe machte sich letzte Woche auf den Weg in ihre hessische Partnerstadt Hünfeld. Nicht alle 14 Radler, die vom Rathaus in Proskau gestartet waren, hatten sich die gesamte Strecke vorgenommen. Immerhin erreichten aber acht Teilnehmer die Bundesrepublik und begaben sich vor der nach Redaktionsschluss vorgesehenen Ankunft auf die Weiterfahrt der vollen 800 Kilometer.

Organisiert wurde die Reise vom Verein der Städtebruderschaft in Proskau [Stowarzyszenie Braterstwa w Prószkowie] und dem Ortsverband der deutschen Minderheit (DFK), die etwa ein Viertel der 10.000 Einwohner Proskaus stellt. Die Idee hinter der Aktion ist tief in der Geschichte der beiden Orte verwurzelt. „Es sollten nicht nur Verbände feiern, sondern wir Deutschen auch privat. So kam die Idee zum Radeln auf – unserem Hobby – von Punkt A in Oberschlesien bis zu Punkt B in Hessen. Diese Zeit auf dem Fahrrad zu verbringen und über die gute Nachbarschaft zu erzählen und sie zu erleben“, erklärt Norbert Rasch vom DFK Proskau, der zugleich Beauftragter des Woiwoden von Oppeln für Angelegenheiten der nationalen und ethnischen Minderheiten ist. Zudem diene die Tour als symbolischer Auftakt für das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft von Proskau und Hünfeld 2027. „Weil der Hünfelder Bürgermeister Benjamin Tschesnok kurz vor unserer Ankunft in den Urlaub geht, wird er uns bereits in Weimar ‚abfangen' und begrüßen“, berichtet Rasch.

Mit von der Partie ist unter anderem Roland Kulik von der Radlergruppe „Wandrusie“ aus Alt Poppelau [Popielów], 40 km nördlich von Proskau. Für ihn ist die Fahrt eine Herzensangelegenheit. Er sagt verschmitzt: „Mir fehlte genau dieser Abschnitt zwischen Proskau und Hünfeld noch in meiner Sammlung, nachdem ich bereits vier Jahre auf dem Jakobsweg unterwegs war.“ Rasch und Kulik kennen sich „ewig“. Beide hatten sich bereits im Jugendverband für die Belange der deutschen Volksgruppe in Oberschlesien engagiert. Ihr Interesse vermitteln sie nun an die Mitreisenden. Übernachtungen auf schlesischer Seite legten sie in Zobten am Berge [Sobótka], Bunzlau [Bolesławiec] und Naumburg am Queis [Nowogrodziedz] ein. „Bei Reichenbach in der Oberlausitz passieren wir erst die ‚richtige' Grenze, wenn wir die Heimat Schlesien endgültig verlassen“, schmunzelt Rasch.

Die Tour dokumentierten sie im Netz, „damit die Menschen sich mit uns freuen und leiden, wenn sie auf Deutsche Minderheit in Proskau klicken.“ Ein Begleitbus nahm den Radlern die Last des schweren Gepäcks ab. Nach den 800 Kilometern und einem Hünfeld-Aufenthalt in Familien wird der Bus sie etwa zum Erscheinen dieser Ausgabe zurück nach Proskau fahren.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS