03.04.2026

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Der Ottobrunnen in Pyritz [Pyrzyce]: Heute ist die früher sprudelnde Quelle leider versiegt
Bild: SeegertDer Ottobrunnen in Pyritz [Pyrzyce]: Heute ist die früher sprudelnde Quelle leider versiegt

Christentum

7000 Seelen erhielten die erste Taufe

Wo die ersten Pommern getauft wurden – Bischof Otto von Bamberg auf seiner Missionsreise

Thorsten Seegert
03.04.2026

Ende 2025 begannen wir unsere Reise durch Pommern in Gartz und setzten diese im März mit einer Stippvisite in Greifenhagen fort. Zu Ostern wenden wir uns dem etwa 35 Kilometer südöstlich davon liegenden Pyritz zu, denn traditionell verbindet sich mit Ostern, Auferstehung und Wiedersehen Jesu, drei Tage nach seiner Kreuzigung, die Taufe.

Erinnert sei dabei daran, dass Jesus' zentraler Auftrag an seine Anhänger war, alle Völker zu seinen Jüngern zu machen und diese im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen. Und so kam der Bischof von Bamberg 1124, also vor über 900 Jahren, in das Land am Meer, um hier die ersten Pommern zu taufen.

Um jedoch zur heiligen Quelle zu gelangen, wo der Pommernapostel die Heiden zu Jüngern machte, müssen wir zunächst die heutige Ortslage von Pyritz durchqueren – die Stadt mit Magdeburger Recht, die wegen ihres geschlossenen historischen Stadtbildes und seiner Backsteinbefestigung einst als „pommersches Rothenburg“ galt.

Damals von zwei Wällen umgeben, einer Ringmauer, Türmen, zwei alten Toren, Rathaus, Kirche und Kloster. Pyritz erfreute sich zudem auch vieler Stiftungen und Hospitäler – St. Nicolaus, Peter und Paul, St. Gertrud und das bedeutendste: Zum heiligen Geist. Dazu lag nahe der Stadt noch eine Franziskaner-Kirche. Und heute?

Auch in Pyritz haben die Spuren des letzten Weltkrieges wertvolles Kulturerbe und städtische Struktur in Schutt und Asche sinken lassen. Im Gegensatz zu früher kommt man nun nicht mehr über die Stettiner Straße, sondern über die Breite Straße von Norden kommend zur Innenstadt. Dabei passiert man die nördliche Stadtmauer und den Eulenturm.

Der Straßenführung nach Süden folgend kommt man zunächst nach etwa 400 Metern zur Marienkirche und gelangt weiter über die Bahner Straße zum einst stolzen Bahner Tor, das wie die ganze Stadt nur noch in Ansätzen an das alte Pyritz erinnert. Das Tor hat sich um gut ein Drittel reduziert und wurde seines spitzen Turmes beraubt. Auch wenn unser Blick vorbei am Tor in Richtung Heilgeistkapelle und Kirche noch einen Hauch alter Geschichte einfängt, würde es heute nur mit einer großen planerischen und finanziellen Anstrengung möglich sein, Pyritz wieder städtebaulich aufzuwerten. Also bleibt uns (leider!) nur der bereits in Aussicht gestellte Besuch der heiligen Quelle.

Etwas außerhalb von Pyritz wurde 700 Jahre nach den ersten Taufen der Pommern durch den Bischof Otto von Bamberg, am 15. Juni 1824, ein Kreuz aus Marmor im Auftrag Friedrich Wilhelms III. von Preußen und seiner Söhne nach Plänen Karl Friedrich Schinkels errichtet. Der umliegende Park wurde von Peter Joseph Lenné gestaltet. An der Ostseite des Bauwerks lesen wir:

„AD FONTEM VITAE HOC ADITU PROPERATE LAVANDI – CONSTANTIS VITAE IANUA XPS ERIT“. Bedeutung: „Eilt durch diesen Zugang zur Quelle des Lebens, Ihr Täuflinge, zum ewigen Leben wird die Tür Christus sein.“

Der Aufforderung, zur Lebensquelle zu kommen, sich vom Bischof Otto von Bamberg taufen zu lassen, um die Türen zum ewigen Leben zu öffnen, ist – wie wir aus alten Quellen erfahren – vor über 900 Jahren auch das Gefolge Wartislaw I. erlegen, während der Herzog selbst durch einen heiligen Eid seine 24 Nebenfrauen entlassen haben soll.

Heidnische Zusammenkunft

Eine andere Quelle besagt, dass Otto von Bamberg mit seinem Reisezug zuvor am 6. Juni 1124 bei Pyritz angekommen sei. Zu jener Zeit sollen sich dort Tausende Pommern versammelt haben, um ein heidnisches Fest zu feiern. Erschreckt suchten der Bischof und seine Begleitung nach einem verborgenen Ort für ein Nachtlager. An diesem sprachen sie kein Wort, entzündeten kein Feuer und bekamen wohl auch kein Auge zu, da sie fürchteten, von den Pommern entdeckt zu werden. Die Lagerstätte soll einen Brunnen gehabt haben, der später als der „heilige Bronn“ bezeichnet wurde. Heute schlicht „Ottobrunnen“ genannt.

Weiter heißt es, dass Otto von Bamberg den heidnischen Pommern sieben Tage lang die Geschichte des Herrn Jesu und der Ausgießung des heiligen Geistes lehrte. Dann gebot er ihnen, drei Tage zu fasten, sich zu baden und frische Kleider anzulegen, um „in reiner Tracht, reinen Leibes und reinen Herzens“ das Sakrament der Taufe zu empfangen.

Es sollen ab dem 15. Juni 1124 an die 7.000 Pommern innerhalb von 20 Tagen hier ihre erste Taufe erhalten haben. Einige Wochen später hieß es für den Pommernapostel allerdings Abschied zu nehmen, um seine Missionsreise durch das Pommernland in Richtung Cammin fortzusetzen. Und auch wir werden bei unserer Reise durch Pommern nach Norden aufbrechen.

Tradition
Vielversprechendes Osterwasser
Bestimmte Regeln gilt es einzuhalten – sonst ist es machtloses Plapperwasser

 „Von der Kirchturmuhr hallten vier Schläge über die schlafende Stadt. Langsamen Schrittes wanderte der Nachtwächter durch die stillen Straßen. Gemächlich stellte er seine Kontrolluhren und setzte seinen Weg weiter fort.

Da öffnete sich plötzlich eine Haustür, und ein junges Mädchen trat auf die Straße. Erstaunt über diesen ungewohnten Vorgang zur nachtschlafenden Zeit fasste er sich doch so weit, dass er der Entgegenkommenden einen Guten Morgen wünschte. Da ihm aber als Dank nur ein stummes Kopfnicken gezeigt wurde, seine Augen gleichzeitig die Kanne in der Hand des Mädchens erspähte, fiel es ihm sogleich ein, dass heute ja Ostersonntagmorgen sei und das junge Mädchen eine Osterwasserholerin sein müsse. Und in dieser Meinung wurde er sofort bestärkt, denn auch aus einer Tür der Gegenseite huschte jetzt jemand lautlos ins Freie. Bedächtig setzte der Hüter der Stadt seinen Rundgang fort, aber er war nicht mehr einsam, mit ihm gingen die Erinnerungen an das Osterwasserholen in früherer Zeit, und hin und wieder begegnete ihm auch ein Brauchtumsträger der Gegenwart.

Die Wasserholer hatten nicht alle das gleiche Wegziel, es gab kein bestimmtes Osterwässerlein, sondern die Feldmark der Stadt war reich an munteren Bächlein. Eben nur fließendes Wasser war grundlegende Bedingung, ebenso wie das Schöpfen gegen den Strom, das Schweigen während des Ganges und die Rückkehr vor Sonnenaufgang. Wer ein heilkräftiges Wasser heimholen wollte, der achtete gar sorgfältig auf die Erfüllung dieser ungeschriebenen Gesetze, denn nur dann verlieh ein Schluck dieses Wassers Gesundheit, nur dann verhieß ein Waschen mit ihm Schönheit und Jugend.

Die Burschen jedoch glaubten nicht an die Zauberkraft des Osterwassers, ihnen ging es vielmehr darum, durch allerlei Listen und Neckereien den Mund der jungen Schönen zu öffnen und dadurch das zauberkräftige Osterwasser in ein machtloses Plapperwasser zu verwandeln.

Der bevorstehende Sonnenaufgang vertrieb den nächtlichen Spuk. Als die Sonne dann rot glühend aufging und auch, wie es allzeit fest behauptet wird, ihre drei Freudensprünge vollführt hatte, stand trotz mancher Beschwernis und manchen Plapperwassers in verschiedenen Häusern der Stadt ein echtes heilbringendes Osterwasser auf dem Tisch.“

Diese nette Osterwassergeschichte fand ich in einem Heimatheftchen von 1951. Alte Aufzeichnungen zeigen uns liebenswert die Bräuche der Heimat auf, regen zum Nachmachen an, damit die Tradition nicht vergessen wird.

B. Stramm


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