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Gewinn statt Garantie

Abschied vom Riesterflop – kommt jetzt die Aktienrente?

Was FDP-Lindner einst wollte, verkauft SPD-Klingbeil jetzt als seine Idee

Hagen Ritter
27.12.2025

Noch im Herbst 2024 hat Christian Lindner als Bundesfinanzminister kräftig für eines seiner politischen Lieblingsprojekte, ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot als Ergänzung zum umlagefinanzierten Rentensystem, geworben. Zwischenzeitlich hat die FDP nach dem Scheitern der Ampel-Koalition nicht nur den Wiedereinzug in den Bundestag verpasst. Als außerparlamentarische Opposition muss die Partei nun auch noch miterleben, wie der Sozialdemokrat Lars Klingbeil einen Entwurf zur privaten Altersvorsorge vorlegt. Der ähnelt frappierend den Vorstellungen, die Christian Lindner in der Schlussphase der Ampel-Koalition nicht mehr umsetzen konnte.

Kernidee des von Klingbeil gemachten Gesetzentwurfs ist ein von privaten Anbietern organisiertes Depot. In diesem sollen unter anderem börsengehandelte Indexfonds (ETFs), klassische Fonds und Anleihen angespart werden können. Der Staat soll während der Ansparphase auf die Besteuerung der Kapitalgewinne verzichten. Obendrein sieht Klingbeils Plan für eine Aktienrente für Einzahlungen bis zu 1.800 Euro im Jahr eine staatliche Förderung vor: Bis zu 1.200 Euro werden 30 Prozent Zuschuss gewährt, darüber hinaus gibt es 20 Prozent. Deutschland bekommt damit ein Fondsvermögen zur Altersvorsorge, das jährlich mit bis zu zwölf Milliarden Euro gespeist wird.

Das neue Modell soll der Finanzbranche erlauben, renditeorientierte Produkte ohne Renditegarantien anzubieten. Dies senkt die Kosten und ermöglicht den Depotanbietern, ihre Anlage stärker renditeorientiert auszurichten. Im Unterschied zur Riester-Rente will die schwarz-rote Koalition laut Entwurf bei der Aktienrente auch keine lebenslange Verrentung vorschreiben. Laut dem Entwurf des Bundesfinanzministers kann die Auszahlphase zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr starten, laufen soll der Auszahlplan aber nur mindestens bis zum 85. Lebensjahr. Angespartes Vermögen darf vorzeitig entnommen werden, etwa für den Erwerb von Wohneigentum. Auch eine Vererbung sieht der Gesetzentwurf Klingbeils vor.

Experten sind beinahe begeistert
Das Projekt der Aktienrente ist auch eine Reaktion auf das Scheitern der 2001 unter Rot-Grün eingeführten Riester-Rente. Selbst frühere Befürworter bewerten die Riester-Rente inzwischen als Flop, da sie Altersarmut kaum verhindert und breite Gruppen gar nicht erreicht. Die Vertragsbilanz ist tatsächlich ernüchternd: Rund die Hälfte der etwa 20 Millionen Riester-Verträge ist gekündigt oder beitragsfrei gestellt. Dies deutet auf einen massiven Vertrauensverlust hin.

In der Branche sind die Reaktionen auf den Gesetzentwurf der Bundesregierung überwiegend positiv. Thomas Soltau vom Unternehmen „Smartbroker“ sprach gegenüber dem Wirtschaftsmagazin „Capital“ sogar von einem großen Wurf für die „private Altersvorsorge“. Er sei überrascht, dass der Entwurf nach langen Diskussionen „nicht verschlimmbessert“ worden sei. „Deutschland hat jetzt die Chance, die verpassten Jahre aufzuholen.“ Auch LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer nennt die Idee der Aktienrente „super“. Allerdings kritisiert er die Größenordnung. Deutschland denke „zu klein“. Zwölf Milliarden Euro jährlich seien bei rund 400 Milliarden Euro Rentenausgaben nur eine „homöopathische Beimischung“. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unterstützt mehr Kapitalmarkt in der Altersvorsorge. Gleichzeitig verweist der Verband darauf, dass mit einem kleinen Kapitalstock die Entlastungswirkung für die Rentenkasse begrenzt bleibt.

Schlau wie die Skandinavier
Was für das deutsche Rentensystem wie ein großer Wurf aussieht, kann im internationalen Vergleich tatsächlich nur als „kleine Nummer“ bezeichnet werden.

Der staatliche Pensionsfonds Norwegens etwa hat zur Jahresmitte 2025 ein Vermögen von über 1,9 Billionen US-Dollar verwaltet. Auch Schwedens kapitalgestütztes Rentensystem umfasst inzwischen mehrere hundert Milliarden Euro.

US-Präsident Donald Trump hat am 2. Dezember erklärt, seine Regierung werde sich das australische Rentenmodell „sehr ernsthaft“ anschauen. Gemeint ist damit Australiens kapitalgedecktes „Superannuation System“. Dieses verpflichtet Arbeitgeber, einen festen Prozentsatz des Gehalts ihrer Angestellten in „Super-Funds“ einzuzahlen. Seit Einführung des Systems im Jahr 1992 hat Australien damit einen gewaltigen Kapitalstock gebildet, der zur Altersvorsorge genutzt wird. Die US-Bank JPMorgan Chase beziffert das Vermögen der australischen Superfonds inzwischen auf umgerechnet etwa 2,4 Billionen Euro.

Am australischen Modell werden aber auch Schattenseiten von rein kapitalgedeckten Rentensystemen deutlich. Läuft es gut, können solche Rentenmodelle eine Top-Altersvorsorge darstellen. Sinkt durch eine Wirtschaftskrise aber die Rendite des angesammelten Vermögens, kann dies für Arbeitnehmer mitunter bedeuten, den Ruhestand verschieben zu müssen, bis das Geschäft der Pensionsfonds wieder besser läuft.


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