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Erbaut 1891 bis 1893: Die Wartislaw-Gedächtniskirche zu Stolpe an der Peene
Bild: Erell-WimipediaErbaut 1891 bis 1893: Die Wartislaw-Gedächtniskirche zu Stolpe an der Peene

Vor 175 Jahren

Ein Faible für Sakralbauten

Theodor Prüfer – ein Baumeister, den Kirchen seit seiner Kindheit begleiteten

Martin Stolzenau
22.05.2026

Ein Baumeister, der überwiegend im evangelischen Kirchenbau Anerkennung fand, war der aus Vorpommern stammende Theodor Prüfer. Davon zeugen seine Werke in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg, Vorpommern und der Uckermark. Da viele seiner Bauten erhalten geblieben sind, wirkt sein Schaffen über seinen Tod vor 125 Jahren hinaus bis in die Gegenwart. Einige seiner Kirchen sind wahre Hingucker und fanden im Zusammenhang mit Sanierungsarbeiten Berücksichtigung in der Zeitschrift „Monumente“. Im Personenlexikon „Wer war wer in Mecklenburg und Vorpommern“ von 2011 ist ihm ein Beitrag gewidmet.

Prüfer wurde am 14. Februar 1845 in Drechow geboren. Sein Geburtsort liegt südöstlich von Ribnitz-Damgarten in Vorpommern, wurde 1250 erstmals urkundlich erwähnt. Die Feldsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert war der Arbeitsplatz von Prüfers Vater, der zunächst als Pfarrer in Drechow wirkte und dann nach Wusterhusen versetzt wurde, wo Sohn Theodor seine Jugend verbrachte. Wusterhusen liegt östlich von Greifswald, war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt und gehört nach Inbesitznahme durch die Adelsfamilie von Hackewitz mit langer Zugehörigkeit zum Herzogtum Pommern zu den ältesten Orten der Region. Vater Prüfer fungierte hier in der Johanniskirche aus dem 13. Jahrhundert jahrelang als Pfarrer. Er ermöglichte seinem Sohn nach heimischem Schulbesuch die Ausbildung zum Baumeister.

Schon früh entwickelte der Pastorensohn eine Vorliebe für sakrale Bauten. 1875 gründete er nach dem Abschluss seiner Ausbildung und ersten baupraktischen Erfahrungen in der Dessauer Straße in Berlin ein „Atelier für Kirchenbau“. Die Anfänge verliefen noch holprig. Nach ersten einfachen Aufträgen für Umbauten wie dem der Dorfkirche Liepe im Havelland und Innenausstattungen erarbeitete er sich mit seiner sakralen Baukunst und Veröffentlichungen in Fachschriften wie dem Beitrag: „Der Todtentanz in der Marienkirche zu Berlin“ einen überregionalen Namen. In diesem Zusammenhang gab er ab 1876 eine Architekturzeitschrift für kirchliche Baukunst heraus.

Den ersten Höhepunkt bildete 1882/83 der Umbau der Nikolaikirche in der Kleinstadt Gützkow im heutigen Landkreis Vorpommern-Greifswald. Sie kann auf eine lange Geschichte verweisen. Der erste Sakralbau wurde 1127/28 durch Bischof Otto von Bamberg geweiht, gehörte in der Folge zum neugegründeten Bistum Cammin und erhielt parallel zur Verleihung der Stadtrechte um 1241 mit einer neuen Feldsteinkirche einen Nachfolgebau, der dann beim Stadtbrand von 1729 bis auf die Außenmauern vernichtet wurde.

Der Neubau erfüllte im 19. Jahrhundert nicht mehr die gewachsenen Ansprüche. Deshalb wurde Prüfer für einen umfassenden Um- und Ausbau gewonnen. So erhielt die Nikolaikirche auf einer Anhöhe inmitten der Stadt mit einem hohen Kirchturm, der zur Landmarke gedieh, ihre bis heute erhaltene Gestalt. In den letzten Jahrzehnten allerdings offenbarte die Prüfer-Kirche Mängel. Sie sollte baupolizeilich gesperrt werden. Mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz begann eine umfassende
Sanierung.

Bedeutend: Die Wartislawkirche

Nach der Nikolaikirche in Gützkow und Arbeiten in Hanshagen, Kartzow, Lichterfelde, Steinhöfel sowie Werder bei Altentreptow widmete sich der Kirchenbaumeister ab 1891 der „Wartislaw-Gedächtniskirche“ in Stolpe an der Peene. Sie wurde im Auftrag des Grafen von Kanitz-Schmuggerow zu Ehren von Wartislaw I., „dem ersten zum Christentum übergetretenen Fürsten von Pommern“, unter Prüfer im Stil der Neugotik auf dem Grundriss eines Griechischen Kreuzes aus Backstein erbaut. Dazu gehörte ein polygonaler Treppenturm mit einem beeindruckenden Relief über dem Turmportal. Das Relief zeigt Jesus Christus, Wartislaw I. und Bischof Otto von Bamberg.

Im Kircheninneren blieben die schablonisierten Wandmalereien und die von Prüfer entworfenen Glasmalereien bis heute erhalten. 1893 stiftete Kaiser Wilhelm II. für die Kirche eine Orgel vom Orgelbauer Christian Friedrich Völkner aus Dünnow bei Stolpmünde. Der Prüferbau in Stolpe wurde inzwischen 1994/95 gründlich saniert.

Nach Stolpe gab es weitere Um- und Neubauten für Prüfer. Das reichte von Wotenick und Zarnekow über Grünheide in der Mark bis zu Arbeiten mit Glasmalereien in der Kirche von Wusterhusen, wo er aufgewachsen war.

1895/96 widmete sich der Meister des evangelischen Sakralbaus dem Umbau der Kirche in Casekow zwischen Penkun, Gartz und Schwedt/Oder in der Uckermark. Der Ort, der 1310 erstmals urkundlich erwähnt worden war, erlebte nach der Fertigstellung der Bahnlinie von Berlin nach Stettin einen Aufschwung, der auch den Ausbau der Kirche einschloss.

Nach Casekow realisierte Prüfer die Restaurierung der Dorfkirche in Brunne bei Fehrbellin und ab 1899 den Um- und Ausbau der Pfarrkirche in Berlin-Weißensee. Als ältester Teil gilt der im 14. Jahrhundert erbaute Westturm mit unregelmäßigem Feldsteinmauerwerk.

Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, der Wiederherstellung des mittelalterlichen Backsteinmauerwerkes ab 1664 sorgte Prüfer bis 1900 für einen umfassenden Ausbau. Dabei entstanden ein ausladendes Querschiff und ein Polygonalchor. Damit hatte die wachsende Gemeinde mehr Platz. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg erfolgte 1948/49 der Wiederaufbau der Dorfkirche mit modernen Ergänzungen. Zum Kirchenkomplex gehört auch ein ehemaliges Mausoleum für Heinrich Leberecht Pistorius, das der Gemeinde jetzt als Gemeinschaftsraum dient.

Prüfer beendete seine Baumeister-Laufbahn offenbar in Weißensee. Wenige Monate später starb er am 6. Mai 1901 in Berlin. Mit seinen Kirchen hatte er sich seine eigenen Denkmäler geschaffen, die ihn überlebten und die bis heute an ihn erinnern.


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