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Der Wochenrückblick

Zurück in die Ruinen!

Was Sozialisten am SED-Staat so gar nicht mögen, und wie die Grünen das „falsche“ Volk erfinden

Hans Heckel
23.05.2026

Für eingefleischte Sozialisten ist das Schlimmste am SED-Staat, dass es ihn wirklich gegeben hat. Kein Witz, denn die Zeit heilt zwar viele Wunden und verschüttet jede Menge Erinnerungen. Aber irgendwas bleibt hängen und kann sich zu den unpassendsten Gelegenheiten ins Gedächtnis zurückschleichen.

Das ist dann immer sehr ärgerlich und lässt Sozialisten manches Mal recht ungehalten reagieren. Denn sie spüren natürlich, dass die Realität des Realsozialismus ihre schärfste Waffe zerbröseln lässt: die Überlegenheit in der reinen Theorie, die sich keinem Praxistest unterzieht. Im Himmelreich des ideologischen Überbaus ist der Sozialismus nämlich allen anderen Weltanschauungen haushoch überlegen. Am Boden der Wirklichkeit angekommen schafft die rote Idee aber bloß Ruinen. Sozialisten können sich bis heute nicht erklären, warum das jedes Mal passiert. Also hoffen sie auf den nächsten Versuch, bei dem bestimmt alles besser wird.

Es hat mal jemand nachgerechnet: Er kam auf insgesamt 84 solcher Versuche in der Geschichte. 84 Mal haben Staaten den Sozialismus mit Staatswirtschaft und Gleichmacherei ausprobiert. Alle landeten in der Grütze. Selbst Rotchina, dass sich daher in einen brutalen Frühkapitalismus unter der Parteiknute gestürzt hat. Dennoch arbeiten viele mit Elan daran, dass wir in Deutschland endlich den 85. Anlauf starten. Denn diesmal wird bestimmt alles anders. Genossen-Ehrenwort!

Bis das Ziel vollends erreicht ist, übt man sich schon mal in Teilbereichen im Aufbau des Sozialismus, etwa bei der Herstellung einer beispielhaft fetten und ineffizienten Staatsbürokratie. Die Avantgarde bildet selbstredend unsere fortschrittliche Hauptstadt Berlin. Neulich konnten Sie in der PAZ lesen, dass Teile der Technische Universität an der Spree fluchtartig geräumt werden mussten, weil sie kurz vor dem Zusammenbruch stehen.

Wie man liest, sind in der ganzen Metropole schon dermaßen viele öffentliche Bauten, von Schulen bis Brücken, so gründlich verrottet, dass deren Außerdienststellung ebenfalls bald unausweichlich werden könnte. Es weiß nämlich keiner, wie man die Sanierung bezahlen soll. Erinnert das nicht auf bestechende Weise an den ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden?

Es gibt aber noch Unterschiede: Im heutigen Deutschland ist ein Großteil des Immobilienbestands in Privathand, da wird aufgepasst, und der staatsbürokratische Verfall greift hier noch nicht. Allerdings haben Sozialisten hier ein gutes Mittel gefunden, das ebenfalls im SED-Staat schon ausprobiert wurde: Private Vermieter durften dort nur Mini-Mieten nehmen, weshalb ihnen meist die Mittel fehlten, um ihre Objekte in Schuss zu halten.

Das ist heute zum Teil noch anders, aber die Sozialisten arbeiten an dem Problem. Vermieter sind längst Zielscheibe geworden im neuen Klassenkampf und werden sich, wenn alles klappt, in derselben Misere wiederfinden wie ihre Leidensgenossen in der DDR. Oder sie sind klug und verkaufen ihre Wohnungen schnell an Eigennutzer.

Bleiben sie Vermieter, werden ihnen Bas, Klingbeil und Co. wohl solange zu Leibe rücken, bis sich die privaten Mietshäuser einreihen in die Ruinen-Einheitsfront der öffentlichen Schrott-Gebäude. Zum Glück treibt so ein Verfall nicht gleich über Nacht zur vollen Blüte, auch bei der DDR hat es Jahrzehnte gedauert, bis sie so aussah, wie sie 1989 aussah. Daher können die Genossen darauf hoffen, dass am Ende keiner mehr nachzeichnen kann, wie es wieder so weit kommen konnte, und man ihnen daher nach dem 85. auch noch einen 86. Versuch zum Sozialismus zubilligt.

Demokratische Unfälle häufen sich

Allerdings wächst derzeit die Gefahr, dass schon dem 85. Anlauf zum Sozialismus etwas in die Quere kommt. Zwar hat das linke Lager großen Erfolg darin gehabt, die eigenen Gefolgsleute in alle wichtigen Positionen in Staat, Politik und Gesellschaft zu bugsieren. Und selbst die Union hatte man schlussendlich im Sack, nachdem die nur noch an der Brandmauer zappeln konnte. Doch nun begehrt das Volk immer vernehmlicher auf, die demokratischen Unfälle häufen sich.

Haben Sie das in Sachsen mitgekriegt, als ein Grünen-Antrag zum Tierwohl in Schlachthöfen nur mit den Stimmen der AfD durchkam? Da hat sich also im Parlament eine Mehrheit formiert, die nach dem Grundsatz der repräsentativen Demokratie den Willen des Volkes vollzieht. Und? So soll es doch laufen! Ja, aber es war die „falsche“ Mehrheit. Wenn die „falsche“ Mehrheit für eine richtige Sache stimmt, dann wird die richtige Sache automatisch auch falsch. Das verstehen Sie nicht? Dann sind Sie immer noch nicht in „Unserer Demokratie“ angekommen. Sollten die „Falschen“ tatsächlichAsere Demokraten“ etwas ganz Neues, etwas, das bislang keine Demokratie in der Welt kannte: das „falsche“ Volk.

Wer in die konsternierten Gesichter der Grünen-Abgeordneten im Dresdner Landtag geblickt hat, konnte erleben, wie die Tragödie „Unserer Demokratie“ in ihren komödiantischen Teil umkippt. Denn wenn der eigene Abstimmungserfolg im Parlament eine solche Betretenheit auslöst, hat die Verschrobenheit des Denkens ihren Zenit erreicht. Da darf gelacht werden.

So zart besaitet wie die Grünen sind die Kommunisten allerdings nicht, und deshalb auch nicht halb so komisch. Bei den Dunkelroten ist man seit jeher der Überzeugung, dass demokratische Sitten für die Tonne sind und nur solange respektiert oder eingeklagt werden, wie sie dem eigenen Vormarsch dienen. Im Zweifel löst man den Machtkampf eben mit Gewalt.

Etwa, wenn es um die demokratisch breit unterstützte Bundeswehr geht. Die Linksjugend Thüringen „warnt“ die deutschen Streitkräfte öffentlich vor eingeschmissenen Fensterscheiben, falls die Truppe es wagen sollte, im Freistaat Musterungszentren einzurichten. Das kam propagandistisch nicht so gut an, weshalb die Jungkommunisten schnell zurückrudern wollten.

Die „Warnung“ sei ja nur ein Hinweis gewesen, dass andere Leute die Scheiben womöglich einschmeißen könnten, natürlich niemals die Genossen der Linksjugend selbst. Aha? Solche Warnungen kennen wir aus Mafiafilmen. Da „warnt“ der Pate den Ladenbesitzer auch nur ganz in dessen ureigenstem Interesse: „Aber Luigi, ich will doch nicht, dass dir was passiert. Aber du weißt doch, wie gefährlich die Welt ist, daher solltest du lieber nicht ...“ – was auch immer. Die Melodie ist bekannt, nur hatten wir sie bislang noch nie aus dem beschaulichen Thüringen gehört.

Dass man trotz alledem bis tief hinein in die CDU nach Wegen sucht, mit den Dunkelroten ohne allzu großen Wählerverlust kooperieren zu können (denken Sie an Daniel Günther), offenbart ein Ausmaß von Verwirrung, das noch für allerhand Überraschungen gut sein dürfte. Was es dann noch zu lachen gibt, steht auf einem anderen Blatt.


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Kommentare

Kersti Wolnow am 03.06.26, 09:34 Uhr

Die schlimmste Katastrophe in der Menschheitsgeschichte war die Große Sozialistische Oktoberrevolution, deren Auswirkungen wir heute noch auslöffeln müssen: Ab 1917 mußten die Frauen arbeiten, durften abtreiben und sich scheiden lassen, was auf die Zerstörung der Familie hinauslief, es begann der Kampf gegen die Kirche in Form der Ermordung der Geistlichen und dem Verfall aller Kirchen sichtbar war, die Traditionen der Völker der UdSSR wurden verboten und ähnlich den Jacobinern eine sowjetische, neue, aufgepfropft. Eigentum wurde verboten, allen gehörte nichts. Parallelen zur heutigen Zeit kann jeder ziehen.

Gleichartige zerstörerische Revolutionen gab es auch in Asien.
Eine Aufarbeitung des Irrweges samt der Millionenopfer gibt es nicht.
Die Revolution im Westen kam auf Samtpfoten als Wende, aber nicht minder zerstörerisch. Die Welt steht auf dem Kopf, wer stellt sie wieder auf die Füße?

sitra achra am 31.05.26, 15:34 Uhr

In dieser Schlafschaf-Zombiediktatur namens "Unsere Demokratie" wird es wohl keine Veränderung zum Besseren geben. Man schaue sich nur den Massentypus an.
Insofern wird auch der 85.Versuch scheitern, hoffentlich geht damit auch die dafür verantwortliche Multikultigesellschaft zugrunde. Nachdem der atomare Staub nach einem russischen Vergeltungsschlag sich wie ein Leichentuch über die kümmerlichen Reste Europas gelegt hat, werden statt der linken Narren die Einzeller wieder das Kommando übernehmen und ihre Evolution vorantreiben. Ob sie ein zweites Mal die Entwicklung zum lumbricus terrestris nehmen, steht allerdings in den Sternen.

Jan Kerzel am 31.05.26, 08:00 Uhr

Die digitale Welt mit KI wird unser Leben bestimmen und zwar schon recht bald. D.h., wir befinden uns in einer epochalen Umbruchphase, ein Rückgriff auf die alte gute BRD oder die alte schlechte DDR ist komplett obsolet. In der dicht bevölkerten Bundesrepublik wird es große Probleme im Bereich Arbeit und Soziales geben. Der allgemeine bescheidene Wohlstand wird v.a. ein Verteilungs- und Zuteilungsproblem sein. Die Roboterarmeen erwirtschaften den Mehrwert, der allen zugute kommen muss. Die jetzige Bundesregierung hat sicherlich davon Kenntnis, aber keine Antworten und Strategien. Das Abkassieren der noch arbeitenden Bevölkerung und das Durchregulieren aller Lebensbereiche sind mit Sicherheit nicht zielführend. Im Gegenteil, das Tor das Käfigs muss aufgemacht werden, Die notwendige soziale Grundbasis braucht als Gegengewicht maximale Liberalität.

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