21.09.2026

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Das Winzerhaus Grempler von 1818 vor dem Palmenhaus von 1961 in Grünberg
Bild: WagnerDas Winzerhaus Grempler von 1818 vor dem Palmenhaus von 1961 in Grünberg

Östlich von Oder und Neiße

Als in Grünberg die ersten Flaschen schäumten

200 Jahre Grempler-Sekt – Die deutsche Sektgeschichte sprudelt weiter

Chris W. Wagner
21.09.2026

Eine Flasche, drei Namen und eine Geschichte, die inzwischen 200 Jahre zurückreicht: Friedrich Förster, August Grempler und Carl Samuel Häusler legten 1826 in Grünberg in Schlesien [Zielona Góra] den Grundstein für die Herstellung von Schaumwein. Was damals wie ein gewagtes Experiment in einer schlesischen Weinbaustadt begann, entwickelte sich zu einer bedeutenden Sektkellerei. Und der Name Grempler ist auch heute noch nicht aus Grünberg verschwunden. Im Gegenteil: Zum 200. Jahrestag steht wieder Grempler-Sekt auf den Tischen der Stadt.

Die Geschichte beginnt mit Carl Samuel Häusler. Der aus der Gegend von Hirschberg [Jelenia Góra] stammende Weinhändler beschäftigte sich zunächst mit der Herstellung von Apfelwein und experimentierte mit kohlensäurehaltigen Getränken. Schließlich wandte er sich dem Wein aus Trauben zu und überzeugte Friedrich Förster und August Grempler von seiner Idee, in Grünberg Schaumwein herzustellen. 1826 gründeten die drei Unternehmer eine Produktionsstätte. Häusler gilt in der Grünberger Überlieferung als einer der Väter des deutschen Sekts. Die drei Gründer gaben dem Unternehmen zunächst ihren Namen. Im Laufe der Jahrzehnte verschwanden Häusler und Förster aus der Firmenbezeichnung. Grempler blieb schließlich als Name der Kellerei erhalten.

Schaumwein galt im frühen 19. Jahrhundert als französische Spezialität. In Grünberg musste man sich das Verfahren erst aneignen und weiterentwickeln. Der Grünberger Wein hatte allerdings einen schweren Stand. Das Klima nördlich der großen europäischen Weinbaugebiete war rauer als in Frankreich. Dennoch entstanden hier Weine, die über die Region hinaus bekannt wurden. Mit dem Schaumwein kam ein Produkt hinzu, das sich auch über weite Entfernungen verkaufen ließ. Die Kellerei Grempler & Co. wuchs zu einem bedeutenden Unternehmen heran. Ihre Erzeugnisse wurden auf internationalen Ausstellungen ausgezeichnet, unter anderem in Wien, Paris und London. Der Name Grünberg wurde damit auch außerhalb Schlesiens mit Schaumwein verbunden. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte Grempler zu den großen Sektproduzenten der Stadt.

Um die Stellung als älteste deutsche Sektkellerei gab es allerdings einen historischen Streit. Denn ebenfalls 1826 gründete Georg Christian Kessler in Esslingen am Neckar eine Sektkellerei. In der polnischen Grünberger Forschung wird jedoch argumentiert, dass die Gründung von Förster, Grempler und Häusler den Vorrang verdient. Sie bezeichnet die 1826 gegründete Kellerei heute ausdrücklich als die erste Sektkellerei Deutschlands.

Mit dem Ende des deutschen Grünbergs 1945 verschwand die Sekttradition nicht sofort. Die Produktionsanlagen wurden von der polnischen Verwaltung übernommen. Die Kellerei trug zunächst weiterhin den Namen Grempler. Noch einige Jahre wurde Schaumwein aus den vorhandenen Beständen hergestellt. Später entstand daraus die „Lebuser“ Weinproduktion [Lubuska Wytwórnia Win] – Ostbrandenburg und das nördliche Niederschlesien wurden ja nun als „Lebuser Land“ bezeichnet.

Die industrielle Weinproduktion bestand noch Jahrzehnte, doch 1999 wurde das Unternehmen schließlich liquidiert. Damit schien auch die Geschichte des Grempler-Sektes beendet, bis 2014 Krzysztof Fedorowicz vom Weinberg Miłosz und die Kellerei Guillaume Dubois in Goskar [Gostchorze] unweit des nahen Crossen a. d. Oder [Krosno Odrzańskie] wieder einen Schaumwein herstellten. Sie gaben ihm den historischen Namen „Grempler Sekt“. Heute wird der Grempler-Sekt vom Winzer und Schriftsteller Krzysztof Fedorowicz weitergeführt.

Zum 200. Jubiläum hat Fedorowicz eine Sonderedition herausgebracht. Besonders sein roter Sekt erinnert an die historische Grünberger Produktion. Denn neben weißen Schaumweinen gab es in Grünberg auch dunkle beziehungsweise rote Varianten.

Der Name August Grempler ist in Grünberg weiterhin präsent. Sein ehemaliges Winzerhaus auf dem Weinberg bildet mit diesem und dem Palmenhaus das Wahrzeichen der Stadt schlechthin.

Während der „Tage der offenen Weinkeller“ werden die drei Gründer Förster, Grempler und Häusler dieses Jahr von Schauspielern dargestellt. In einem historischen Weinkeller in der ul. Wodna 32 präsentierte Krzysztof Fedorowicz außerdem die Herstellung des heutigen Grempler-Sekts.


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