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Eberhard Görner: „ August der Starke.  Eine Reise der Liebe durch Europa“, Claus Verlag, Limbach-Oberfrohna 2026, gebunden, 215 Seiten, 16 Euro
Eberhard Görner: „ August der Starke. Eine Reise der Liebe durch Europa“, Claus Verlag, Limbach-Oberfrohna 2026, gebunden, 215 Seiten, 16 Euro

Bildungsreise eines Prinzen

„Als sprächen die barocken Gemälde selbst aus dem Buch“

Professor Eberhard Görner hat in seinem Roman „August der Starke“ mit faktenreicher Fundierung und erzählerischer Finesse eine Reise des jungen Mannes, die als Strafe gedacht war, unter die Lupe genommen

Stefan Piasecki
11.04.2026

Eberhard Görner gehört zu den profiliertesten deutschen Erzählern historischer Stoffe: Er ist ein vielfach ausgezeichneter Buch- und Drehbuchautor, Dramaturg und Filmemacher, der u. a. die Fernsehreihe Polizeiruf 110 mitbegründete und zahlreiche Drehbücher und Filmprojekte verantwortete. Sein künstlerischer Werdegang begann nach Studien in Germanistik, Geschichte sowie Regie und Dramaturgie und führte ihn über Dokumentarfilme, Fernseh- und Spielfilmprojekte bis zu einer Professur für Bewegtbildmedien.

Mit seinem historischen Roman „August der Starke. Eine Reise der Liebe durch Europa“ legt Görner ein Werk vor, das sich zugleich durch Tiefgang und erzählerische Leichtigkeit auszeichnet. Der Roman spielt in der Zeit des jungen sächsischen Prinzen Friedrich August, der später als August der Starke in die Geschichte eingeht – ein Herrscher, dessen Leben und Wirken bis heute vielfach „Fascination“ hervorruft, um in der Sprache von dessen Zeit zu bleiben, die sich übrigens außerordentlich kunstvoll durch das Buch zieht.

Die erzählte Handlung setzt an einem entscheidenden Punkt in Augusts Leben an: Wegen unzüchtigen Verhaltens verbannt ihn sein Vater, Kurfürst Johann Georg III., für zwei Jahre vom Dresdner Hof auf eine Kavalierstour durch Europa – eine sogenannte Bildungsreise, die ihn über Frankreich, Spanien, Italien bis nach Österreich führen soll. Diese Reise, als Strafmaßnahme gedacht, wird zur prägenden Erfahrung für den jungen Prinzen, der dabei nicht nur Sprachen, Diplomatie, Wissenschaft und die Kunst kennenlernt, sondern auch von der reichen Kultur der europäischen Metropolen ergriffen wird.

Ergriffen von der reichen Kultur europäischer Metropolen

Görner schildert Augusts Stationen mit leidenschaftlicher Detailfreude. Anstelle des erwarteten disziplinierten Lernens widmet sich der Prinz nämlich mit unbändiger Lust dem gesellschaftlichen Leben – und vor allem den Frauen. Die zahlreichen amourösen Begegnungen sind sinnlich und oft humorvoll beschrieben, ohne je billig zu wirken. Gleichwohl ist der Roman von einer historischen Tiefe geprägt, die weit über bloße Erotik hinausgeht: Architektur, Musik, Theater und die diplomatischen Sitten am Hof werden ebenso plastisch, als sprächen die barocken Gemälde selbst aus dem Buch heraus.

Was diesen Roman besonders macht, ist die Verbindung von erzählerischer Finesse und faktenreicher Fundierung. Görner, der auch diesmal wieder akribisch recherchierte und historische Hintergründe in seine Geschichten einwebt, versteht es, das Leben des späteren Kurfürsten nicht nur als Abfolge von Abenteuern zu schildern, sondern auch die prägenden Erfahrungen dieser Reise herauszuarbeiten. In seinen Händen wird Augusts Reise zu einem Weg der Selbstfindung: Aus der jugendlichen Rebellion entspringt ein Verständnis von Toleranz, Kunstsinn und kultureller Offenheit, das schließlich seinen späteren Stil als Herrscher bestimmt.

Die Sprache des Romans ist malerisch, reich an stimmungsvollen Beschreibungen und atmosphärischer Dichte. Sie lädt dazu ein, in das barocke Europa des 17. Jahrhunderts einzutauchen. Gleichzeitig vermittelt der Roman Wissen über die Zeit, die politischen, kulturellen und sozialen Mechanismen am Hof und in den europäischen Metropolen – ohne belehrend zu sein.

„August der Starke – eine Reise der Liebe durch Europa“ ist damit mehr als ein historischer Roman: Er ist ein sinnlicher, lehrreicher und unterhaltsamer Blick auf das Erwachsenwerden eines der faszinierendsten Fürsten Europas. Für Leserinnen und Leser, die historische Tiefe mit erzählerischer Brillanz verbinden möchten, ist dieses Buch absolut empfehlenswert.


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