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Eine breit angelegte Offensive soll innovative Unternehmen aus der Verteidigungsbranche anlocken
Bislang hat Bayern besonders stark von der Nachfrage nach Drohnen und Drohnenabwehrsystemen profitieren können. Nun will auch Berlin beim Boom im Verteidigungssektor dabei sein. Anfang Dezember 2025 hat der Senat der Hauptstadt beschlossen, die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft auszubauen. Berlin soll nach den Worten des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner sogar zu „einem europäischen Leuchtturm im Bereich Sicherheitstechnologien werden“. Der CDU-Politiker weiter: „Für den Aufbau eines erfolgreichen DefTech-Ökosystems bietet Berlin mit seinen Unternehmen und Start-ups, mit den Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen exzellente Voraussetzungen.“
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey wies auf 130 Unternehmen aus der Sicherheits- und Rüstungsindustrie hin, die bereits in der Hauptstadtregion ansässig sind. Hinzu kommen laut der SPD-Politikerin mehr als 400 Betriebe, die Produkte, Software oder Technologien erarbeiten, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke verwendet werden können. Plan des Senats ist es, noch mehr Unternehmen und Start-ups nach Berlin zu holen: „Künstliche Intelligenz, Cyber Security, Health Tech, Drohnentechnologie, Optik, Photonik, Robotik oder auch Luft- und Raumfahrttechnik und Sensorik sind dabei hochinnovative Technologiebereiche und Zukunftsmärkte, die wir weiterentwickeln werden“, so Giffey.
Vorbild Technologiepark Adlershof
Zur Umsetzung der neuen Strategie will Berlins Landesregierung in der Senatskanzlei eine Stabsstelle einrichten. Unterstützung sollen nach Senatsangaben auch die Investitionsbank Berlin und die Wista Management GmbH in Adlershof leisten. Der landeseigene Wirtschaftsförderer Wista steht tatsächlich für eine der seltenen Berliner Erfolgsgeschichten. Im Technologiepark Adlershof, im Südosten Berlins, ist seit 1991 Deutschlands größter und erfolgreichster Wissenschafts- und Forschungsstandort entstanden. Auf fast fünf Quadratkilometern haben sich mehr als 1.300 Unternehmen und rund 18 wissenschaftliche Einrichtungen angesiedelt. Punkten kann die Hauptstadt zudem mit dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. Dieses Pilotprojekt ist bereits seit 2017 in Berlin ansässig. Das Projekt versteht sich selbst als Schnittstelle zwischen der Start-up-Szene und den Streitkräften zur Entwicklung neuer Technologien.
Potential ist damit zweifellos vorhanden, auch wenn Berlin die wirtschaftlichen Chancen des Rüstungsbooms offensichtlich erst relativ spät erkannt zu haben scheint. Für Bayern ist die Entwicklung von Drohnen und von Drohnenabwehrtechnik längst zu einem echten Wirtschaftsfaktor geworden.
Für Aufsehen sorgte erst kürzlich das Unternehmen Quantum Systems aus Gilching bei München. Die Firma konnte Ende November 2025 bei Investoren 180 Millionen Euro an frischem Kapital einsammeln. In der Summe kamen damit im Jahr 2025 rund 340 Millionen Euro frisches Kapital zusammen. Bewertet wird die erst im Jahr 2015 gegründete Firma nun bereits mit drei Milliarden Euro. Mit knapp 1.000 Mitarbeitern produziert das bayerische Unternehmen Aufklärungs- und Überwachungsdrohnen für militärische und zivile Anwendungen. Produktionsstandorte bestehen mittlerweile in Deutschland, der Ukraine, Australien und den USA.
Noch hat Bayern die Nase vorn
Erst 2021 ging das Münchner Rüstungs-Startup Helsing an den Start. Das junge Softwareunternehmen hat sich auf Künstliche Intelligenz für militärische Anwendungen spezialisiert. Zusammen mit dem norwegischen Rüstungskonzern Kongsberg will Helsing bis 2029 eine souveräne Satellitenkonstellation für militärische Aufklärung, Überwachung und Zielerfassung für Europa aufbauen. Kooperiert wird bei dem Projekt mit dem Rüstungselektronikunternehmen Hensoldt (Taufkirchen) und dem Raketen-Start-up Isar Aerospace (Ottobrunn bei München). Mit einer Bewertung von zuletzt zwölf Milliarden Euro ist Helsing eines der wertvollsten deutschen Start-ups. Donaustahl aus Niederbayern ist wiederum ein Sportschützenausstatter, der sich in kurzer Zeit zum erfolgreichen Spezialisten für preiswerte und einfach zu montierende Kamikaze-Drohnen entwickelt hat.
Der Standort Bayern hat mit solchen Unternehmen vorgemacht, wie sich in wenigen Jahren eine ganze Branche neu etabliert. Profitiert haben die bayerischen Start-ups von der Nähe zu Luftfahrtunternehmen wie Airbus und von einem starken Forschungssystem für Künstliche Intelligenz und Verteidigungstechnologie.