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Der Wochenrückblick

Bleich unter Braunen

Warum Bärbel Bas wieder mehr Vielfalt will, und wer besser nicht mit dem Finger auf andere zeigt

Hans Heckel
30.05.2026

Was hat sie denn damit gemeint? Wir wissen noch, dass SPD-Co-Chefin Bärbel Bas großen Anstoß nahm an der „Stadtbild“-Äußerung von Friedrich Merz. Jetzt hat sie noch mal nachgelegt, und damit eine ziemliche Welle losgetreten. Sie haben es vielleicht gehört: Zum „Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt“ am 21. Mai rief Bas aus, sie wehre sich „gegen dieses sogenannte Einheitsgrau“ – und präzisierte, man könne auch von „Einheitsbraun“ sprechen. Da müsse mehr Vielfalt rein, so die streitbare Arbeitsministerin.

Weg mit dem „Einheitsbraun“? Stattdessen mehr „Vielfalt“? Noch mal: Was meint sie damit? Nun, wer sich in Teilen von Berlin, Hamburg oder Frankfurt am Main herumtreibt, kommt schnell auf den Trichter. In immer größer werdenden Gegenden unserer Metropolen findet sich im afrikanisch-orientalischen „Einheitsbraun“ tatsächlich kaum noch ein Gesicht, das auf mitteleuropäische Wurzeln hindeutet, weswegen von „Vielfalt“ nicht mehr viel zu sehen ist. Sollen da wieder mehr indigene Deutsche hin, damit es wieder bunter wird? Hat Bas das gemeint? Dann stellt sich allerdings die Frage: Wie locken wir die an solche Orte?

Das ist gar nicht einfach, denn Bleichgesichter sind an solchen Plätzen nicht immer besonders willkommen. Völlig richtig moniert daher auch Bärbel Bas, dass es „offene Anfeindungen“ gebe gegen „alle, die vermeintlich anders sind“. Dabei dürfte sie an die Schwulen gedacht haben, die am Kottbusser Tor in Berlin und anderswo aus dem „Einheitsbraun“ („arabisch-stämmige junge Männer“) heraus übel angegriffen wurden.

Immerhin erkennt mit Bas endlich auch eine stramme Linke diese Problematik und scheut sich nicht, die Wirklichkeit offen anzusprechen. Oder? Ja, Sie ahnen es schon: Die SPD-Chefin meinte es natürlich vollkommen anders. Man muss es schon ganz bewusst falsch verstehen, so wir es gerade getan haben, um die gesellschaftliche Wirklichkeit dahinter zu erkennen.

Bas dagegen scheint ein Deutschland vor Augen zu haben, das man so vielleicht anno 1960, in dem Jahr, bevor die ersten türkischen Gastarbeiter ins Land kamen, ein letztes Mal in den Großstädten der Bundesrepublik entdecken konnte: Straßen fast ausschließlich bevölkert von einheimischen Deutschen ohne Leute, die dem Aussehen nach von woanders stammen könnten. Das findet Bas „grau“, und da es sich um Deutsche handelt(e), auch zwanghaft irgendwie „Nazi“, also braun.

Aber was hat das mit dem Deutschland von heute gemein? Während der vergangenen Jahrzehnte kann Frau Bas nur noch auf dem Rücksitz schwerer Politiker-Limousinen durch unsere Straßen kutschiert worden sein. Mit nach innen verspiegelten Scheiben, in denen sie immer nur ihr eigenes, bleiches Gesicht sehen konnte. Auf den Fahrten ist sie höchstens mal ausgestiegen, um sich auf linken Demos gegen den Klimawandel oder gegen Rechts zu zeigen. Wie wir hier schon früher bemerkt hatten, ist das Publikum solcher Kundgebungen ebenfalls in einer fast durchgehenden Weise derart „biodeutsch“, wie man es in keiner bundesdeutschen Fußgängerzone mehr erleben kann.

Doch das kümmert Bas nicht. Mit ihrem grauen Spiegelbild vor Augen wettert die Ministerin gegen „die Homogenität des Volkes“, die ihrer Meinung nach „zum Glück der Vergangenheit“ angehöre. Was an der neuen Homogenität des „Einheitsbrauns“ in wachsenden Teilen unserer Städte besser sein soll, verrät Bas ebenso wenig wie die übrigen Propagandisten der vermeintlichen „Buntheit“. Dafür feiert sie die fortgesetzte Massenmigration als „kulturelle Bereicherung“ zur Förderung der „Vielfalt“.

Glaubwürdigkeit ist ihnen schnuppe

Bei Bas erweist sich: Nichts ist so veraltet wie der Fortschritt von gestern. Und der blinde Glaube an die Segnungen von Multikulti ist nun mal so was von gestern, dass man ihn unter den Trümmern der Wirklichkeit kaum noch ausmachen kann.

Zudem: Möglicherweise war jener „Fortschritt“ auch schon früher keiner, als ihn noch (fast) alle gefeiert haben. Bis heute konnte mir niemand schlüssig erklären, warum es das Glück der Welt befördern soll, wenn jemand seine Heimat verlässt, um in einem anderen, fernen Land zu leben. Solche Wanderungen waren zu fast allen Zeiten der Geschichte aus purer Not oder dem Wunsch nach Eroberung getrieben. Und nicht aus dem süßen Wunsch, in fremden Gefilden für mehr „Vielfalt“ zu sorgen, um die Einheimischen damit zu erfreuen.

Aber das wird jemand wie Bärbel Bas nie verstehen. Warum nicht? Weil sie es nicht verstehen will, darum. Deshalb würgt sie die abgedroschenen Parolen immer und immer wieder hervor. Ganz gleich, wie absurd, veraltet und abgeschmackt sie daherkommen in der Realität von Deutschland im Jahr 2026.

Dass ihr den Kram keiner mehr abkauft, ist Bas wohl egal. Überhaupt scheint heutigen Politikern ihre eigene Glaubwürdigkeit erstaunlich schnuppe zu sein. Gerade erst hatte man die AfD aufs Korn genommen mit dem Vorwurf der Vetternwirtschaft, weil Abgeordnete der Partei auffällig oft Verwandte von anderen Fraktionsmitgliedern als parlamentarische Mitarbeiter eingestellt hätten. Und als der blaue Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt ankündigte, nach einem Wahlsieg bis zu 200 hohe Beamte versetzen zu wollen, falls sie den Willen einer AfD-Landesregierung nicht ordentlich ausführen sollten, war sogar von einem „Staatsstreich“ die Rede.

Das klang beides in der Tat alarmierend – zumindest solange, wie man die Praxis der Ankläger-Parteien nicht näher unter die Lupe genommen hatte. Spitzenposionen im Regierungsapparat nach einem Machtwechsel neu zu besetzen, ist nämlich nicht gerade ungewöhnlich. Insbesondere die Grünen-Ikone Robert Habeck hat hier ganze Arbeit geleistet. Wirtschaftsvertreter monierten nach dem Antritt des neuen Wirtschaftsministers 2021, sie stießen im Wirtschaftsressort plötzlich „auf großes Misstrauen“ und fühlten sich, als ob sie mit einer NGO telefonierten. Na ja, von da, also von den NGOs, kamen die neuen Leute an der Spitze des Hauses ja auch.

Prominentester Vertreter dieser Gattung war Habecks Staatssekretär Patrick Graichen, ja genau, der mit der weitverzweigten Verwandtschaft, der dann seinen Posten räumen musste, weil sein Familiensinn allzu tief ins Ministerium gestrahlt haben soll. Stichwort „Trauzeugen-Affäre“, womit wir beim Thema Vetternwirtschaft wären.

Das Haus von Entwicklungshilfeministerin Alabali Radovan (SPD) erlebt gerade einen Aufstand der Mitarbeiter. Von der Bevorzugung von Kandidaten aus dem SPD-Gestrüpp ist die Rede, die mittels einer „frisierten Ausschreibung“ an erfahrenen Beamten vorbei auf gut bezahlte Posten gehievt worden seien. Die Ministerialen sprechen gar von Zuständen wie in einer „Bananenrepublik“, hören wir aus Berlin. Nicht schön. Und besonders hässlich, wenn man sich gerade so aus dem Fenster gehängt hat beim Anprangern der Opposition.


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