23.02.2026

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Open Source oder Microsoft?

Bundesländer wollen unabhängiger werden

Neben Einsparungen soll die nationale Sicherheit gestärkt werden – aber die Alternativen schwächeln noch

Hermann Müller
23.02.2026

Trotz wachsender Sicherheitsbedenken steigen die Ausgaben der Bundesverwaltung für Microsoft-Lizenzen Jahr für Jahr – inzwischen auf fast eine halbe Milliarde Euro. Wie durch eine parlamentarische Anfrage publik wurde, zahlte die Bundesverwaltung im Jahr 2023 rund 274 Millionen Euro, im Folgejahr waren es bereits 347 Millionen Euro. 2025 sind die
Kosten für Microsoft-Lizenzen sogar auf 481 Millionen Euro gestiegen. Microsoft hat bereits angekündigt, weltweit die Listenpreise seiner Microsoft-365-Abonnements zum 1. Juli zu erhöhen.

Damit entfernt sich die Realität deutlich von den Zielen des Koalitionsvertrags. Unionsparteien und SPD haben sich nämlich darauf verständigt, das IT-Budget des Bundes strategisch für die Förderung von Open-Source-Lösungen einzusetzen, um digitale Abhängigkeiten zu verringern.

Tatsächlich vorangetrieben wird dieses Ziel allerdings von mehreren Bundesländern. Vorreiter ist Schleswig-Holstein. Dort ist die Umstellung von Microsoft auf Open-Source-Produkte ein Kernprojekt von Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (CDU): „Das ist eine Frage der nationalen Sicherheit“, so der 47-jährige Minister. Tatsächlich erlaubt der „Cloud Act“, ein Gesetz aus dem Jahr 2017, US-Behörden den Zugriff auf Nutzerdaten amerikanischer Firmen wie Microsoft, selbst wenn die Daten auf Servern im Ausland gespeichert werden.

Der Freistaat Sachsen hat 2023 eine Open-Source-Strategie beschlossen, um die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern zu verringern. Die praktische Umsetzung in der Landesverwaltung steckt jedoch noch immer in den Anfängen.

Auch Thüringen plant, sich von Microsoft zu lösen. Laut Digital-Staatssekretärin Milen Starke soll noch in diesem Jahr entschieden werden, ob das Office-Paket von Microsoft perspektivisch von allen Rechnern der Landesverwaltung deinstalliert und durch eine Open-Source-Version ersetzt werden kann: „Wir sind gerade mit der Justizverwaltung in der Erprobung für die nächsten Monate und werden uns natürlich auch anschauen, wie kommt das bei den Mitarbeitenden an.“

Allerdings gibt es auch Bundesländer, welche die Einführung von Open-Source-Lösungen skeptisch sehen. Die Landesregierung von Niedersachsen etwa ist der Auffassung, dass die verfügbaren Open-Source-Programme für den Einsatz in einer Landesverwaltung noch nicht geeignet seien. Sie stellten „keine belastbare Alternative dar“, heißt es aus Hannover. Verweisen kann die niedersächsische Landesregierung auf erhebliche Probleme, die in Schleswig-Holstein aufgetreten sind. Die Umstellung der Mailpostfächer im Kieler Innenministerium und auch in der Justiz hat keinesfalls reibungslos geklappt: „Es brach das Chaos aus“, so ein Vertreter der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im vergangenen Jahr.

Ein Vorteil von Microsoft ist tatsächlich, dass verschiedene Programme aus einer Hand stammen und aufeinander abgestimmt sind. Der Umstieg auf die langfristig kostengünstigeren Open-Source-Lösungen erfordert zunächst jedoch einen erheblichen Schulungsaufwand bei den Anwendern.


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