25.02.2026

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Russischer Hansestil: das Fischdorf am Pregel (o.) und eine Veranstaltungsankündigung zum 80. Jubiläum der russischen Exklave (l.)
Bilder: Shutterstock/RZP p. LjublinoRussischer Hansestil: das Fischdorf am Pregel (o.) und eine Veranstaltungsankündigung zum 80. Jubiläum der russischen Exklave (l.)

80 Jahre

Das Königsberger Gebiet feiert sich

Regionalregierung setzt auf positive Selbstdarstellung – Deutsches Erbe rückt aus dem Blick

Bodo Bost
25.02.2026

In diesem Jahr begeht die russische Exklave an der Ostsee den 80. Jahrestag ihrer Gründung als Königsberger Oblast – ein Jubiläum, das weit über das Regionale hinausreichen soll. Rund 400 Veranstaltungen sind geplant, flankiert von Prestigeprojekten und kulturellen Neubauten. Das Ziel lautet: Die Oblast soll sich als moderne, selbstbewusste und historisch „verwurzelte“ Region präsentieren – und zugleich als Schaufenster russischer Identität im Westen.

Laut Gouverneur Alexej Besproswannych, der das Programm im Januar vorstellte, soll es zahlreiche Überraschungen geben. Auf die Frage nach den größten Veranstaltungen antwortete der Gouverneur, dass 2026 in der Region Königsberg unter anderem die russisch-chinesischen Spiele stattfinden werden. Die Hauptveranstaltung zum Jubiläum planen die Behörden für den 4. Juli zum Stadtfest. Laut Besproswannych steht der Ablauf für diesen Tag noch nicht endgültig fest. „Das ist genau der Tag, an dem wir unsere Hauptveranstaltung planen. Wir haben ein umfangreiches Programm, darunter auch ein interessantes Event zum Abschluss. Ich werde jetzt noch nichts verraten, es soll eine Überraschung bleiben“, sagte er.

Bewusste Verschiebung der Erinnerungspolitik
Im Februar starteten Museen, Theater und Bildungseinrichtungen mit Ausstellungen, Vortragsreihen und Erinnerungskampagnen. Im Mittelpunkt steht weniger das alte deutsche Königsberg als vielmehr die sowjetisch-russische Aufbaugeschichte – eine bewusste Verschiebung der Erinnerungspolitik. Die Ausstellung „Amphibische Angriffe. Ostseeküste 1941–1945“ im Museum der Weltmeere wurde Mitte Februar eröffnet. Dort verknüpft man regionale Geschichtsbilder mit militärischen Erzählungen – Vergangenheit als Vehikel nationaler Selbstvergewisserung.

Im Frühjahr folgt das „Fishtival“ im Ostseebad Cranz – ein Marine-Gastronomie-Festival mit Musik und Volksnähe, das sich zum geselligen Aushängeschild der Feierlichkeiten entwickelt. Der Sommer wird zur Bühne des kulturellen Königsbergs:

Am 12. Juni findet das VI. Internationale Festival klassischer Musik „Cantata“ statt, ein Fixpunkt des Kulturkalenders. Im August verwandelt das „Great Kaup – Wikingerzeit Festival“ die Ostseeküste in eine historische Phantasielandschaft aus Schilden, Fellröcken und Folklore. Nur wenige Tage später zieht das russische Filmfestival „Koroche“ ein städtisches Publikum an, ehe im September beim Königsberg City Picnic Street-Food Märkte und Konzerte zum Familientheater verschmelzen.

Prestige, Politik und Projektionen
Parallel zu diesen Festen laufen die großen symbolischen Baustellen: Die Eröffnung des neuen Museums Planet Ocean, eine Filiale der Moskauer Tretjakow-Galerie und sogar eine Zweigstelle des Bolschoi-Theaters sollen den kulturellen Aufbruch manifestieren.

Hinter all dem steht ein klarer Plan: Königsberg soll touristisch und kulturell strahlen – als „russisches Tor zur Ostsee“, aufpoliert für ein Publikum, das seit Jahren nur eingeschränkt reist, aber symbolisch umso stärker an der Westgrenze präsent sein will.

Die Regionalregierung spricht von „Identitätsstärkung von innen“ und „Sichtbarkeit nach außen“. Kritiker sehen darin vor allem eine orchestrierte Selbstdarstellung – ein politisch aufgeladenes Projekt, das weniger Historie feiert als Geschichtsbilder inszeniert. Denn in den offiziellen Narrativen wird die Vergangenheit geglättet: das deutsche Erbe aus dem Blick gerückt, Brüche übertüncht, Kontinuitäten betont.

Das Jubiläum soll die Region aus der Isolation führen – wirtschaftlich, kulturell und symbolisch. Beobachter erwarten tatsächlich Impulse, vor allem im innerrussischen Tourismus und im Kultursektor. Doch das Festjahr bleibt ein Balanceakt zwischen Selbstbehauptung und Selbstinszenierung. 2026 wird so zu einer politischen Choreografie mit kulturellen Mitteln: Königsberg versucht, Geschichte zu ordnen, Gegenwart zu stabilisieren und Zukunft zu erfinden – und das alles unter den Schlaglichtern eines Jubiläums, das aus der Randlage eine Bühne macht.


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