30.10.2026

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Eines der Backsteingebäude des Freihafens aus Kaiser-Wilhelms Zeiten: Dieses beherbergt heute das Seehafenamt Stettin und Swinemünde
Bild: SeegertEines der Backsteingebäude des Freihafens aus Kaiser-Wilhelms Zeiten: Dieses beherbergt heute das Seehafenamt Stettin und Swinemünde

Der Freihafen von Stettin

Das Ostsee-Tor zur Welt

Kaiser Wilhelm II. setzte neue Maßstäbe für den Handelsplatz in Pommerns Hauptstadt

Torsten Seegert
30.10.2026

Als Kaiser Wilhelm II. am 23. September 1898 – nach über vier Jahren Bauzeit – den Stettiner Freihafen einweihte, da war mit seiner Eröffnung der Wunsch verbunden, Stettin gegenüber anderen Ostseehäfen aufzuwerten. Schließlich gab es in Deutschland bereits Freihäfen in den alten Städten der Hanse: Hamburg, Lübeck und Bremen. Sie bestimmten bis dahin den Handel mit dem Ausland. Nun reihte sich Stettin ein.

Die Idee eines Freihafens war keineswegs neu. Bereits am 11. August 1816 erklärte die Stettiner Kaufmannschaft, Stettin könne der erste Handelsplatz an der Ostsee werden, wenn es zum Freihafen erklärt würde. Doch die Rahmenbedingungen waren zunächst nicht gut. Das Inland versorgte sich über die Hafenstädte Hamburg und Lübeck billiger als über Stettin. Zudem waren einige der Kaufleute unzuverlässig und wurden steckbrieflich gesucht.

So galt es, die Warenströme umzulenken, Vertrauen aufzubauen, Behinderungen des Schiffsverkehrs zu beseitigen und auch die Zollgesetzgebung zu verändern, um Erfolg zu haben. Letzteres, der Zoll, wurde zunächst verändert, indem der Verkehr im Innern – also auf der Oder – davon befreit wurde. Doch belastender war der Sundzoll, der seit 1429 auf dem Öresund – zwischen Schweden und Dänemark – entrichtet werden musste.

Aufschwung durch den Freihafen

Dieses Handelshemmnis, das einst von König Erik VII. von Pommern eingeführt worden war, um den Handel zu kontrollieren, fiel nun jedoch durch den Vertrag von Kopenhagen am 14. März 1857. In der Vereinbarung wurde Dänemark mit 30,5 Mio. Reichstalern entschädigt. Schon zuvor verbesserte sich der Handel mit dem am 22. März 1833 unter Führung Preußens gegründeten Deutschen Zollverein, wodurch ein neuer Binnenmarkt entstand.

Einen wichtigen Beitrag zum Handel leisteten außerdem zwei Stettiner Banken: das Provinzial-Banco-Comtoir, ab 1847 Preußische Bank und die 1824 gegründete Pommersche Ritterschaftliche Privatbank. Beide standen zueinander in Konkurrenz. Die preußische Regierung und ihre staatliche Bank strebten dabei eine einheitliche Währung an, zogen 1836 zwischenzeitlich sogar zwangsweise die Geldscheine der Privatbank ein.

Die Lage des Hafens war gut und bot Warenströme bis nach Böhmen, Schlesien und Polen. Auch hatte man begonnen, zwei Messen auszurichten. Bei den Handelswaren wurde der Hafen zunächst durch den Holzhandel, als einen der Hauptzweige, geprägt. Daneben vor allem durch die Güter Getreide, Spiritus, Öl und Wolle. Letztere war die des pommerschen Landschafs, die auf dem Stettiner Wollmarkt gehandelt wurde. Weitere Güter waren Tabak, Wein, Glas und Hering.

Parallel zum Handel entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Stettin zahlreiche bedeutende Unternehmen wie Tabakfabriken und Brauereien, 1816 eine Zuckersiederei, 1830 eine Ölmühle, 1833 eine Schlämmkreidefabrik in Bollinchen, 1838 die Eisengießerei in Grabow.

Unter diesen Vorbedingungen wurde Stettin zum Freihafen, um ausländische Waren ungehindert zu importieren, zu lagern, zu bearbeiten und gegebenenfalls wieder auszuführen. Die damit verbundene Freiheit erklärt auch das Bemühen Stettins, zum größten Freihafen aller deutschen Ostseehäfen zu werden, und zwar noch vor der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals am 21. Juni 1895.

Schifffahrtswege in alle Richtungen

Seine Schaffung – am rechten Oderufer, dem Haupthandelsbezirk Stettins, der Lastadie – war auch für das Binnenland bedeutend. Das zeigte sich schon bald mit dem Bau des damals bereits geplanten Großschifffahrtsweges Stettin–Berlin. Zu Beginn der Planung befand sich zwischen den Wasserarmen der Parnitz und der Dunzig noch ein großes Wiesengebiet, an dessen Nordrand es schon einen Hafenbahnhof, die Dunzig-Anlagen, gab.

Nördlich, an der Schlächterwiese, war bereits zu jener Zeit der Oder-Dunzig-Kanal angelegt worden. Dieser Kanallinie gegenüber entstand nun die Einfahrt zum Freihafen, sodass die Oder hinauffahrende Schiffe den Freihafen direkt anlaufen konnten. Er bestand aus zwei parallel angelegten Hafenbecken, die mit einer Breite von einhundert Metern und einer Tiefe von sieben Metern gebaut wurden. Die Länge des Kais betrug so zur Eröffnung 4.320 Meter.

Auch Bestandteil des Freihafens waren zahlreiche Lagerhäuser sowie ein direkter Bahnanschluss, der den schnellen Umschlag vom Schiff auf die Schiene ermöglichte. Zum Zeitpunkt der Einrichtung des Freihafens sollten etwa 60 Schiffe anlegen können. Die gesamte Fläche des Freibezirks, der bis heute existiert und abgeschottet ist, betrug damals etwa 60 Hektar, wovon die Wasserfläche 22,5 Hektar und das Land 37,5 Hektar einnahmen.

Modernste Hafenanlagen

Bereits vor etwa 130 Jahren war der Freihafen mit modernsten Einrichtungen zum Löschen, Laden und Transportieren von Waren ausgestattet, die mit hydraulischen und elektrischen Kraftanlagen ertüchtigt wurden. Vor dem gesicherten Bereich des Freihafens befinden sich noch immer die Ziegelbauten der Hafenverwaltung aus rotem Backstein, wo heute auch die Deutsche Bahn und Rhenus Logistics ihren Sitz haben.

Die Zuwegung zu dem Gelände der Hafenverwaltung erfolgt über das ebenfalls mit Backstein errichtete Hafentor. Die diesem gegenüberliegende alte „Feuerwache II“ ist bis heute noch im vollen Betrieb. Wer sich dem Stettiner Freihafen nun allerdings von der Jakobikirche über die Hansabrücke nähert, dem fällt zunächst linker Hand die Zollverwaltung auf. Etwas später passiert man dann die St.-Trinitatis-Kirche.

Das ebenfalls mit Backstein errichtete Gotteshaus, welches sich unmittelbar vor dem Freihafen befindet, wurde fast zeitgleich mit dem Freihafen zwischen 1894 und 1896 nach den Plänen des Stettiner Stadtbaurats Wilhelm Meyer-Schwartau als St.-Gertrud-Kirche errichtet. Sie ist heute Pfarrkirche der evangelischen Kirchengemeinde Stettins.


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