Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Karl August Ferdinand von Borcke kämpfte an vielen Orten und erwarb zahlreiche hohe Auszeichnungen
Der preußische Generalleutnant Karl August Ferdinand von Borcke, der einer altpommerschen Adelsfamilie entstammte, erhielt zahlreiche hohe Auszeichnungen bis hin zum Pour le Mérite. Darüber hinaus ist er als erster Träger des berühmten Eisernen Kreuzes überliefert und erreichte damit eine Berücksichtigung in Kurt von Priesdorffs zehnbändigem Nachschlagewerk „Soldatisches Führertum“ von 1937.
Borcke wurde am 18. Februar 1776, also vor 250 Jahren, in Stargard geboren. Sein Geburtsort liegt am linken Ufer der Ihna, rund 30 Kilometer östlich von Stettin in Hinterpommern. Ab dem 12. Jahrhundert entwickelte sich aus dem „castrum stargard“ eine florierende Handels- und Hansestadt, die auch zeitweilig den Pommernherzögen als Residenzstadt diente.
Borckes Familie gehörte zum pommerschen Uradel. Der Stammvater Borko war wendischer Abstammung, er bewährte sich als Kriegsrecke unter Herzog Bogislaw I. von Pommern und fiel im Krieg mit Brandenburg Ende des 12. Jahrhunderts. Am Ende des 13. Jahrhunderts wurde der wendische Personennamen Borko zum Familiennamen.
In verschiedenen Quellen ist analog dazu von den „Borkonen“ die Rede. Ihr Besitz in Hinterpommern wuchs beständig, umfasste einige Städte wie Wangerin, Strahmel, Labes und Regenwalde, das bis 1817 als „Borckescher Kreis“ bezeichnet wurde, in dem die Herren von Borcke die hohe und niedere Gerichtsbarkeit ausübten, und der dann später als preußischer Landkreis Regenwalde fortbestand.
Zum riesigen Territorialbesitz kamen zahlreiche Schlösser und ein großer politischer Einfluss. Borckes Vater war ein preußischer Major a.D. und Herr auf Dewsberg. Er ließ seinen Sohn das Gymnasium in Stargard besuchen, schickte ihn anschließend auf die Kadettenschule in Berlin und ließ ihn 1790 als Gefreitenkorporal in das Infanterieregiment „Raumer“ eintreten.
Umfangreiche Besitzungen
Damit begann Borckes militärische Laufbahn im preußischen Militär. Er folgte damit seinem älteren Bruder Ernst, der es später bis zum Rang eines Generalmajors brachte. Karl August Ferdinand von Borcke wurde 1795 zum Sekondeleutnant befördert und fungierte als Kapitän ab 1802 kommissarisch als Direktor der „Academie militaire“ in Berlin, die 1810 von Gerhard von Scharnhorst zur „Allgemeinen Kriegsschule“ entwickelt wurde, die der Ausbildung von Generalstabsoffizieren diente.
1806 heiratete er eine Frau, die einem altmärkischen Uradelsgeschlecht entstammte, das Besitz in ganz Kurbrandenburg, in Kursachsen und Anhalt erwarb und damit der altpommerschen Adelsfamilie von Borckes fast ebenbürtig war.
Borcke nahm dann als Bataillonskommandeur an Napoleons Russlandfeldzug teil. Es folgten Gefechte gegen die napoleonischen Truppen im Rahmen der Befreiungskriege. Nach der Beförderung zum Oberstleutnant erhielt er wegen besonderer Tapferkeit das „Eiserne Kreuz“, das zuvor 1813 durch den preußischen König Friedrich Wilhelm III. in Breslau für den Verlauf des Befreiungskrieges gestiftet worden war. Es folgten für Borcke die Teilnahme am Gefecht an der Nettelnburger Schleuse, die Beförderung zum Oberst und sein herausragendes „soldatisches Führertum“ in der berühmten Völkerschlacht bei Leipzig. Für seine Leistungen hier erhielt er das Eiserne Kreuz erster Klasse, den Schwert-Orden und vom russischen Zaren den Wladimir-Orden. Dazu kamen Ende 1813 das Eichenlaub zum Pour le Mérite und wenige Monate später die Beförderung zum Generalmajor.
Als Brigadekommandeur in der Schlacht von Ligny wurde er mit weiterem militärischen Ehren ausgezeichnet und gehörte nach der endgültigen Niederlage Kaiser Napoleons I. bei Waterloo zu den Befehlshabern der alliierten Besatzungstruppen in Frankreich.
Ab 1818 kommandierte er die 4. Division mit Hauptgarnison im heimischen Stargard. Nach den vielen Schlachten genoss er das Garnisonsleben und ausgiebige Jagden im eigenen Besitz. Zwischendurch wurde der Divisionskommandeur in Stargard 1824 zum Generalleutnant befördert.
Aber dann kam der 15. Dezember 1830: Bei der Jagd im Friedrichswalder Forst verunglückte der General so schwer, dass er an den Folgen seiner Verletzungen noch am selben Tag verstarb. Seine letzte Ruhe fand er in Stargard.