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Die Verlagerung von Produktionsstätten in den Osten kann sogar zum Nachteil werden
Ob Miele, Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) oder der Münchener Bremsenspezialist Knorr-Bremse – der Trend zur Verlagerung von Produktionsstätten in Richtung Osteuropa scheint ungebrochen. Erst im vergangenen November wurden Pläne des Nutzfahrzeugherstellers MAN bekannt, der Teile seiner Lkw-Herstellung von München ins polnische Krakau verlagern will.
Als der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und die Beratungsgesellschaft KPMG im vergangenen Jahr Unternehmen befragten, gab gut ein Fünftel an, Teile der Produktion nach Mittel- und Osteuropa verlagern zu wollen. Als wichtigste Zielländer von Produktionsverlagerungen nannten die befragten Unternehmen Polen, Tschechien, Rumänien und trotz des Kriegsrisikos zum Teil auch die Ukraine.
Hohe Energiepreise, steigende Löhne und ein zunehmender Fachkräftemangel haben viele deutsche Industrieunternehmen unter Druck gesetzt. Die Verlagerung von Produktionsstandorten nach Mittel- und Osteuropa gilt seit Jahren als eine naheliegende Strategie deutscher Unternehmen, um Kosten zu senken. Zwischen 2015 und 2024 haben vor allem Polen und Tschechien von Produktionsverlagerungen aus Deutschland profitiert. Als wichtige Vorteile galten jahrelang die räumliche Nähe, die EU-Mitgliedschaft und vergleichsweise niedrigere Lohnkosten.
Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Strategy&, die zur Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC gehört, kommt nun allerdings zu einem überraschenden Ergebnis: Die Rechnung, massiv Kosten zu sparen, geht oft nicht auf. Die finanziellen Vorteile von Standortverlagerungen nach Osteuropa bleiben oft deutlich hinter den Erwartungen zurück. Laut der Studie sind die Einsparungen vergleichsweise niedrig.
Zudem müssen Unternehmen auch mit Nachteilen rechnen, wenn sie etwa in Polen oder Tschechien Werke eröffnen. Ein zentraler Grund dafür ist die wirtschaftliche Entwicklung in Mittel- und Osteuropa selbst. In vielen dieser Länder sind die Arbeitskosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Nach Angaben der Studie wuchsen sie rund dreieinhalbmal so schnell wie die Produktivität. Gleichzeitig leidet die Industrie dort unter einem noch größeren Fachkräftemangel als in Deutschland. Insgesamt liegt der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in der Region demnach etwa um 16 Prozent über dem deutschen Niveau.
Asien als Alternative
Hinzu kommt, dass auch die Energiepreise mittlerweile stark gestiegen sind. Innerhalb von fünf Jahren hätten sie sich in Teilen Mittel- und Osteuropas nahezu verdreifacht. Damit verliert ein weiterer wichtiger Kostenvorteil der Region an Bedeutung. Gleichzeitig sind viele Fabriken dort weniger automatisiert als vergleichbare Anlagen in anderen Industrieregionen der Welt. Der geringere Automatisierungsgrad kann die Produktivität zusätzlich bremsen und damit mögliche Kostenvorteile weiter schmälern. Das niedrige Lohnniveau, das lange Zeit ein wichtiger Standortvorteil Osteuropas war, hat sich damit letztendlich in einen Nachteil verwandelt, indem es verstärkte Automatisierung und den massenhaften Einsatz von Industrierobotern gebremst hat.
Die Studie verweist zudem darauf, dass asiatische Standorte in einigen Bereichen inzwischen konkurrenzfähiger sein könnten als Produktionsstätten in Osteuropa. Länder wie China oder Malaysia profitieren von niedrigeren Energiepreisen und einer rasch wachsenden Automatisierung der Industrie. Trotz vor Ort gestiegener Löhne liegt die Produktivität vieler chinesischer Fabriken inzwischen deutlich über der in Europa, nicht zuletzt wegen des massiven Einsatzes von Robotern und moderner Fertigungstechnologie.