25.04.2026

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Ute Bäsmann: „Flucht, Vertreibung, Rückkehr“, Kellner Verlag, Bremen 2025, gebunden, 300 Seiten, 26 Euro
Ute Bäsmann: „Flucht, Vertreibung, Rückkehr“, Kellner Verlag, Bremen 2025, gebunden, 300 Seiten, 26 Euro

Aufbewahren für die Nachwelt

Das Schicksal der Allenburger

Dokumentation über Flucht und Vertreibung – als Kinder tief erschüttert, doch die Heimatliebe blieb

Manuela Rosenthal-Kappi
25.04.2026

Flüchtling zu sein, war kein Schicksal, sondern ein Makel!“ Diesen Satz, verbunden mit einer Aufnahme des Masurischen Kanals stellt Ute Bäsmann ihrer sehr lesenswerten und wichtigen Dokumentation „Flucht, Vertreibung, Rückkehr“ voran. Mit ihrem Buch will sie an die Massenvertreibung und an das unermessliche Leid der vertriebenen Deutschen aus Ostpreußen erinnern.

Sie selbst musste als Fünfjährige die bittere Erfahrung der Flucht ertragen. Erst als der Kanonendonner der anrückenden Roten Armee näherkam, machte sich die Familie, bestehend aus Mutter, Schwester und Großmutter, mit vielen anderen Allenburgern auf den Weg nach Westen. Von den Russen eingeholt, wurden sie zurück nach Allenburg getrieben, wo sich ihnen ein Bild des Grauens bot. Was einmal ihr Zuhause war, hatten russische Soldaten zerstört und geplündert, die Rückkehrer mussten sich in Scheunen und Ställen einquartieren. Dazu kam der quälende Hunger, denn nur selten fanden sich noch verbliebene Vorräte in den Kellern der Häuser. Vieles weiß die Autorin nur aus Erzählungen, an die klirrende Kälte während Flucht und Rückkehr erinnert sie sich jedoch deutlich.

Ende 1947 wurden die Deutschen endgültig aus Allenburg vertrieben. Nach dem Aufenthalt in einem Flüchtlingslager gelangte Bäsmann nach Bremerhaven, wo Verwandte von ihr lebten. 1950 gelang der Familie ein Neuanfang in Beverstedt, wo die Autorin heute noch lebt. Dass das Leben im Westen kein Zuckerschlecken für die Flüchtlinge war, bezeugt das Eingangszitat. Die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat blieb. Im Jahr 1991 sah Bäsmann sie erstmals wieder. Es folgten zahlreiche Reisen gemeinsam mit ihrem Mann, auf denen sie Kontakte zu den heutigen russischen Bewohnern knüpfte, sich engagierte, mit der Gründung des „Fördervereins Allenburger Kirche“ zum Erhalt der Ordenskirche beitrug und sich für die Sanierung des Schleusenwärterhauses einsetzte.

So ist es nicht verwunderlich, dass in ihrer Dokumentation nicht nur Fluchtberichte deutscher Altbürger mit Berichten und Gedichten zu Wort kommen, sondern auch russische Neubürger, die von ihren Anfängen in Ostpreußen berichten und vom hürdenreichen Aufbau erster Kolchosen in einem verwüsteten Land. Bevor sie mit dem Kapitel über ihre Reisen mit der Teilnahme an offiziellen Veranstaltungen endet, zeugt das Kapitel „Nachschrabsel“ mit Geschichten auf Platt von Margot Beinker von der ostpreußischen Mundart.


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