28.04.2026

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Sie eint der Spaß am Sprachenlernen: Teilnehmer des Wettbewerbs „Turbolandeskunde“
D.K.Sie eint der Spaß am Sprachenlernen: Teilnehmer des Wettbewerbs „Turbolandeskunde“

zwischen herausforderung und engagement

Deutschunterricht ist in Polen beliebt

Meist als zweite Fremdsprache oder als Minderheitensprache unterrichtet – das Niveau ist dennoch hoch

Dawid Kazański
28.04.2026

Der Fremdsprachenunterricht in polnischen Schulen folgt einer klaren Struktur, die sich jedoch im Laufe des Bildungszyklus der Schüler verändert. In den ersten sechs Klassen der Grundschule ist die Situation vergleichsweise einfach, da die Kinder in der Regel nur eine Fremdsprache lernen, meistens Englisch. Erst ab der siebten Klasse beginnt eine neue Phase, in der zwei moderne Fremdsprachen verpflichtend werden. Englisch bleibt dabei die erste Fremdsprache, während die zweite Sprache frei gewählt werden kann.

Häufig entscheiden sich die Schulen für Deutsch, doch dies ist keineswegs überall der Fall. In den weiterführenden Schulen, insbesondere in den Lyzeen, zeigt sich eine deutliche Tendenz zugunsten des Englischen. Die meisten Schüler wählen diese Sprache als Prüfungsfach für das Abitur. Deutsch wird daher immer seltener auf diesem Niveau abgelegt.
Diese Entwicklung lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. Englisch dominiert im Alltag, in den Medien und in der internationalen Kommunikation. Zudem wird Deutsch oft als schwieriger wahrgenommen. Lehrkräfte betonen außerdem, dass Englisch nach vielen Jahren intensiven Lernens für die Abiturprüfung leichter zugänglich sei, während Deutsch häufig als zweite Fremdsprache mit weniger Unterrichtsstunden gelehrt wird.

Deutsch konkurriert mit Englisch

Trotz dieser Herausforderungen engagieren sich Deutschlehrkräfte in der Region intensiv für die Förderung der deutschen Sprache. Sie arbeiten eng zusammen, entwickeln gemeinsame Projekte und motivieren Schüler zur aktiven Teilnahme am Unterricht. Eine wichtige Rolle spielt dabei der polnische Deutschlehrerverband, der zahlreiche Wettbewerbe organisiert.

Besonders hervorzuheben ist der landeskundliche Wettbewerb „Turbolandeskunde“. Die jüngste Etappe auf Woiwodschaftsebene fand an der Universität Ermland-Masuren in Allenstein statt. Dieses Jahr beschäftigten sich die Teilnehmer intensiv mit Österreich und traten in dreiköpfigen Teams gegeneinander an. Die Gewinner aus einer Allensteiner Schule qualifizierten sich dabei für das landesweite Finale in Krakau.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Förderung des Deutschen ist die Vorbereitung auf das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz, bekannt als DSD II. Dieses international anerkannte Sprachzertifikat bestätigt fortgeschrittene Deutschkenntnisse auf hohem Niveau und eröffnet den Absolventen den direkten Zugang zu einem Studium an deutschen Hochschulen ohne zusätzliche Sprachprüfung. In Allenstein bieten u. a. das II. und das III. Lyzeum spezielle Vorbereitungskurse an. Die Lehrkräfte werden von Fachberatern unterstützt. Kürzlich führte Jochen Heinz, Fachschaftsberater aus Białystok, im Auftrag der Zentralstelle für Auslandsschulwesen, zweitägige Workshops im Allensteiner Nikolaus-Kopernikus-Lyzeum durch, in denen moderne Medien und innovative Methoden im Mittelpunkt standen.

Mehrere Gymnasien bieten das deutsche Sprachdiplom an

Dadurch erhalten die Schüler mehr Motivation für die Vorbereitung auf die DSD-Prüfung. Bei der Förderung der Deutschkompetenzen von Jugendlichen im Schulalter spielen auch Schüleraustausche zwischen polnischen und deutschen Schulen sowie Klassenfahrten in die Bundesrepublik eine wichtige Rolle. Zwar sind diese Maßnahmen zeitlich begrenzt und dauern meist nur wenige Tage, dennoch ermöglichen sie wertvolle Einblicke in die deutsche Kultur und den Alltag. Gleichzeitig fördern sie die aktive Anwendung des erlernten Wortschatzes im Austausch mit Gleichaltrigen.

Positiv hervorzuheben ist auch eine bildungspolitische Entscheidung der letzten Jahre. Seit dem 1. September 2024 beträgt die Stundenzahl für den Unterricht einer nationalen Minderheitensprache wieder einheitlich drei Stunden pro Woche in jeder Klasse. Zuvor war Deutsch unter der Regierung von Recht und Gerechtigkeit (PiS) auf zwei Stunden reduziert worden, was in der Deutschen Minderheit auf deutliche Kritik gestoßen war.

Viele Grundschulen im südlichen Ostpreußen nutzen weiterhin die Möglichkeit, Deutsch als Minderheitensprache zu unterrichten. All diese Initiativen zeigen, dass trotz der Dominanz des Englischen große Anstrengungen unternommen werden, um die Stellung der deutschen Sprache im polnischen Bildungssystem zu stärken und ihr langfristig einen festen Platz zu sichern, zumal Deutsch auf dem polnischen Arbeitsmarkt gefragt ist.


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