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Er gründete den Bettelorden der Franziskaner und starb vor 800 Jahren – Jubiläumsausstellung über Franz von Assisi in Salzburg
In der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1226 verschied Franziskus von Assisi. Bereits zwei Jahre später sprach Papst Gregor IX. den 1181 oder 1182 geborenen Vater der franziskanischen Ordensfamilie heilig. Anlässlich seines 800. Todestags findet im Nordoratorium des Domquartiers von Salzburg die Sonderschau „Lebenskunst“ statt. Sie ist die einzige im deutschsprachigen Raum. Ihr Konzept erarbeitete Reinhard Gratz, der Direktor des Dommuseums, zusammen mit Vertretern des im westfälischen Münster beheimateten Vereins Franziskanische Forschung. Ihm verdankt die Ausstellung zahlreiche Exponate aus franziskanischen Klöstern.
Zu sehen sind etwa 100 Kunstwerke, Handschriften, Druckwerke und Alltagsgegenstände, die uns Franziskus und seine Ordensfamilie vorstellen. Dem ersten Orden gehören in klösterlicher Gemeinschaft lebende Männer an, dem zweiten Frauen. Der dritte Orden besteht aus weiblichen und männlichen Laien. Einige Vertreter dieser drei Orden – Klarissen und Kapuzinerinnen, Franziskaner, Minoriten und Kapuziner sowie Frauen und Männer der Franziskanischen Gemeinschaft – beantworten in der Schau sogar Fragen der Besucher.
Franz war der Spross einer gut situierten Kaufmannsfamilie. Aber er war mit seinem Leben unzufrieden, wie der heilige Bonaventura (1221–1274) in seiner Lebensbeschreibung des Franziskus berichtet. Der habe zum Herrn gebetet, er möge ihm den Weg zum vollkommenen Leben offenbaren. Da sei ihm nach langem Bitten Jesus am Kreuz erschienen und habe ihn aufgefordert, ihm nachzufolgen. Beim Scholastiker Bonaventura lesen wir, dass Franz daraufhin beschloss, „alles wegzugeben und in einem gottgefälligen Tausch mit irdischem Reichtum den himmlischen zu erkaufen.“ Er lebte nun in gewollter Armut und verkündete das Evangelium. Bald schlossen sich ihm Gefährten an, und schnell breitete sich der neue Bettelorden in ganz Europa aus.
Die Schau beginnt mit dem vom renommierten Barockmaler Johann Michael Rottmayr geschaffenen Ölbild „Heiliger Franziskus in Kreuzvision“ (1695). Die Darstellung versinnbildlicht die innige geistige Beziehung, die Franziskus zu Christus einging. Er kniet unter dem Gekreuzigten, schaut zu ihm auf, berührt ihn – und weist wie dieser die Wundmale auf. Der Legende zufolge erschien ihm 1224 am Berg La Verna Christus als ein mit Händen und Füßen ans Kreuz genagelter und mit drei Flügelpaaren ausgestatteter Engel, also als Seraph. Fortan trug auch Franz die Stigmata.
Gang durchs Feuer für den Glauben
Die wahrscheinlich von Giacomo Colombo geschaffene „Bekleidete Figur des Franziskus“ (um 1700) ist eine Anteilnahme erregende Erscheinung: ein ausgemergelter Asket mit demütig gesenktem Blick und Leidensmiene. Die farbig gefasste Holzpuppe ist in eine zerschlissene, wie von Mottenfraß befallene Kutte gehüllt. Doch die Löcher sind Absicht. Sie betonen, dass Franz in äußerster Armut lebte, die er als gottgefällig erachtete. Ein für die Ordensmitglieder obligatorischer Gürtelstrick mit den drei Knoten, die für die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams stehen, ist um den mageren Körper gezurrt.
Ein unbekannter Bildschnitzer präsentiert uns Franz hingegen gut genährt und in tadellosem Habit. Das farbig gefasste Relief (um 1520) zeigt die „Übergabe der Regeln durch Franziskus an die drei Ordenszweige“. Papst Honorius III. bestätigte 1223 die „regula bullata“ genannten Ordensregeln. An dieser „bullierten Regel“ orientieren sich die Franziskaner noch immer.
Ein farbenprächtiges Keramikrelief des berühmten Renaissancekünstlers Andrea della Robbia zeigt uns „Franziskus vor dem Sultan“ (um 1500). Es illustriert die von Bonaventura geschilderte Feuerprobe, die der missionierende Franz 1219 Sultan Al-Kamil anbot. Rechts weist Franz gen Himmel. Um den Sultan zum christlichen Glauben zu bekehren, schlug er vor, sich mit einem muslimischen Priester ins Feuer zu stellen, „damit du wenigstens dadurch erkennen mögest, welchen Glauben du mit Recht annehmen musst, weil er größere Sicherheit und Heiligkeit besitzt“. Links macht sich der Priester aus dem Staub. Trotzdem hielt der Sultan an seinem alten Glauben fest.
Zu den bekanntesten Hervorbringungen des Heiligen gehört die „Vogelpredigt“. Thomas von Celano, Mitbruder und Verfasser der ersten Lebensbeschreibung von Franziskus, schildert sie uns so: „Meine Brüder Vögel! Gar sehr müsst ihr euren Schöpfer loben und ihn stets lieben; (...) Ihr sät nicht und erntet nicht, und doch schützt und leitet er euch, ohne dass ihr euch um etwas zu kümmern braucht.“
Eine farbenfrohe Lithografie, die Franz von Zülow 1922 anfertigte, illustriert uns die Vogelpredigt. Franz gestikuliert und spricht auf der kleinen Insel eines Sees. Zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft lauschen die unterschiedlichsten Vögel seiner Predigt. Alle Wesen und Erscheinungen der belebten wie unbelebten Natur betrachtete Franz als seine Brüder und Schwestern, wie uns sein durch eine Pergamenthandschrift (1342–1348) überlieferter „Sonnengesang“ zeigt. Da heißt es: „Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, zumal dem Herrn Bruder Sonne.“ Und schließlich: „Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod.“
Thomas von Celano berichtet: „Fröhlich ging Franziskus dem Tod entgegen.“ Als der kranke und fast erblindete Franz fühlte, dass er bald sterben werde, ließ er sich am 3. Oktober 1226 zu der bei Assisi gelegenen Kapelle Portiuncula tragen. Bonaventura schreibt, dass sich Franziskus entblößt neben einem Kruzifix auf den Boden legen ließ. Er hob sein frohes Antlitz zum Himmel und begann, den Allerhöchsten zu loben. Seine Mitbrüder ermahnte er zur Liebe Gottes. „Er hinterließ und vermachte ihnen den Reichtum der Armut und das Erbe des Friedens,“ wie es bei Bonaventura heißt.
Ein anrührendes Gemälde Johann Michael Rottmayrs zeigt den „Sterbenden Franziskus“ (1689). Er liegt nur mit einem Lendenschurz bekleidet auf dem Boden. Sein Sterben begleiten betende Brüder und mitfühlende Schwestern.
• Bis 2. November im Nordoratorium des Salzburger Domquartiers.
www.domquartier.at