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Drogen-Elend und massive Gewalt: Berlins Fahrgäste müssen jederzeit auf Angriffe gefasst sein
Die Hauptstadt-SPD und besonders der sozialdemokratische Abgeordnete Matthias Kollatz haben sich intensiv für eine denkmalgerechte Sanierung mehrerer Bahnhöfe der U-Bahn-Linie U8 eingesetzt. Besonders die von Alfred Grenander entworfenen Stationen gelten als architektonische Juwelen der „Klassischen Moderne“. Die allgemeinen Bemühungen, für Sicherheit auf der Bahnlinie zu sorgen, waren indes bislang weniger von Erfolg gekrönt. Die U8 gilt als eine der berüchtigtsten U-Bahn-Linien Berlins. Im englischsprachigen Internet war vor einigen Jahren sogar davon die Rede, auf der U8-Linie befänden sich so viele „eklige“ Bahnhöfe wie auf keiner anderen Strecke.
Der schlechte Ruf scheint sich erneut zu bestätigen. Grund ist eine brutale Gewalttat auf dem Bahnhof Hermannplatz, dem südlichen Endpunkt der U8 und wichtigen Umsteigebahnhof zwischen U-Bahn und Berliner Ringbahn. Am Abend des 21. Februar war nach den Erkenntnissen der Polizei zunächst ein 25-jähriger Litauer vor dem S-Bahnhof von einer vierköpfigen Jugendgruppe angesprochen worden. Wenig später folgte die Vierergruppe dem Mann zu einer Treppe.
Eskalation ohne Vorwarnung
Während drei der Jugendlichen ihre Mobiltelefone zückten, um die Szene zu filmen, stieß der Jüngste in der Gruppe den Mann mit einem gezielten Fußtritt in den Rücken die Treppe hinunter. Derweil die Bande flüchtete, kam der Attackierte mit dem Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma ins Krankenhaus. Die Bundespolizei sicherte Videoaufzeichnungen des Angriffs und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ein. Einige Tage später stellte sich schließlich ein Zwölfjähriger im Beisein seiner Eltern bei der Bundespolizei als der mutmaßliche Haupttäter.
Schon im Oktober 2016 hatte ein damals 27-jähriger Bulgare auf einer Treppe des U-Bahnhofs Hermannplatz einer jungen Frau unvermittelt in den Rücken getreten, als diese die Treppe hinabging. Im Juni 2017 bekam ein Fahrgast auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz auf der Treppe zur U8 von einem psychisch Gestörten einen Schlag gegen den Hinterkopf. Das Opfer stürzte 14 Stufen hinunter und blieb schließlich schwer verletzt liegen.
Es sind solche Meldungen, die bei vielen Berlinern dazu geführt haben, dass sie insbesondere abends nur noch mit einem Gefühl der Angst die U-Bahn nutzen. Die U8 von Reinickendorf nach Neukölln gilt seit Jahren als eine der am stärksten von Kriminalität betroffenen Linien der Stadt. Pendler müssen auf der Linie jederzeit darauf gefasst sein, mit Personen aus der offenen Drogenszene oder Menschen mit schweren Verhaltensstörungen in Konflikt zu geraten. Ohne Vorwarnung können Situationen in Sekunden eskalieren und unversehens in Gewalt umschlagen.
Besonders der mittlere Abschnitt der U8 wird von der Polizei und der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) als problematisch eingestuft. Hier liegt mit dem Bahnhof Alexanderplatz einer der größten Umsteigeknoten Berlins, der regelmäßig als Spitzenreiter bei den Deliktzahlen rangiert, wenn es um Diebstahl, Körperverletzung und Drogenhandel geht. Auch der Bahnhof Gesundbrunnen als nördlicher Knotenpunkt von U8, S-Bahn und Regionalbahn taucht regelmäßig in den Statistiken der Bundespolizei und der Berliner Polizei unter den Top-Standorten für Delikte auf.
Politiker fordern Zugangskontrollen
Die Architektur des Bahnhofs mit vielen verwinkelten Ebenen bietet für die Drogenszene und für Obdachlose viele Rückzugsmöglichkeiten. Für Passanten ist Gesundbrunnen dagegen oftmals ein Angstraum. Im Herzen von Kreuzberg liegt an der U8 dann auch das Kottbusser Tor, über die Grenzen Berlins hinaus als Zentrum der offenen Drogenszene der Hauptstadt bekannt. Einige Stationen weiter ist der Bahnhof Hermannplatz ein Umsteigepunkt von der U8 zur U7; der gesamte Abschnitt zwischen „Kotti“ und Hermannplatz ist als „längste Drogenmeile Berlins“ berüchtigt.
Das städtische Verkehrsunternehmen BVG hat den Streifendienst auf der U8 signifikant verstärkt und auch die Videoüberwachung massiv ausgebaut. Ein durchschlagender Erfolg ist bislang allerdings nicht erkennbar. Anfang Februar hat das Abgeordnetenhaus auf Antrag der AfD-Fraktion darüber debattiert, nach dem Vorbild von Paris oder London Zugangskontrollen auf den Berliner U-Bahnhöfen einzurichten.
Im vergangenen Herbst hatte sich bereits CDU-Fraktionschef Dirk Stettner für solche Zugangssperren an allen 175 U-Bahnhöfen ausgesprochen. Die Idee dahinter: Durch eine Reduzierung von Schwarzfahren soll von vornherein eine problematische Klientel vom U-Bahn-System ferngehalten werden. Aus Sicht der SPD ist in Berlin ein geschlossenes System jedoch nicht umsetzbar. Der Linke-Abgeordnete Kristian Ronneburg sprach im Zusammenhang mit Zugangssperren, die zum Beispiel obdachlose Menschen aussperren, sogar von „Sozialdarwinismus“.