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Über 100 Meter hohe Flutwellen, ausgelöst durch Tsunamis, zerstörten Flora und Fauna - es dauerte rund 1,7 Millionen Jahre, bis sich die Erde davon erholte
Bild: ChatGPTÜber 100 Meter hohe Flutwellen, ausgelöst durch Tsunamis, zerstörten Flora und Fauna - es dauerte rund 1,7 Millionen Jahre, bis sich die Erde davon erholte

Weil hier echte Klimakatastrophen zerstörerisch wüteten

Der Ursprung der Menschheit – nun doch Europa statt Afrika?

Immer mehr Spuren, Funde und neue Erkenntnisse deuten daraufhin, dass aufrechtgehende Menschenaffen auf den schwarzen Kontinent geflohen sind, weil die Umwelt sie dazu drängte

Dr. Wolfgang Kaufmann
02.08.2026

Die Urheimat der Menschheit lag in Afrika – so steht es in wohl nahezu jedem Lehrbuch. Aber vielleicht kamen die ersten direkten Vorfahren der Gattung Homo gar nicht vom Schwarzen Kontinent, sondern aus Europa? Darauf deuten nämlich unter anderem die Funde von knapp zwölf Millionen Jahre alten Überresten der aufrecht gehenden Menschenaffen Danuvius guggenmosi und Buronius manfredschmidi in der bayerischen Tongrube Hammerschmiede hin. Weitere frühe Vormenschen auf europäischem Boden waren der Ouranopithecus macedoniensis und der Graecopithecus freybergi – der Erstgenannte lebte vor zehn bis neun Millionen Jahren im Nordwesten Griechenlands und Letzterer vor über sieben Millionen Jahren auf dem südlichen Balkan.

Dahingegen traten die ältesten bekannten Hominiden-Arten Afrikas, Sahelanthropus tchadensis und Ardipithecus ramidus, erst einige hunderttausend Jahre nach dem Graecopithecus in Erscheinung. Das schließt logischerweise die Möglichkeit ein, dass die ersten echten Vorläufer unserer Spezies von Europa nach Afrika auswanderten. Und dafür könnte es auch einen sehr guten Grund gegeben haben, nämlich die Messinische Salinitätskrise vor 5,97 bis 5,33 Millionen Jahren am Ende des Erdzeitalters Miozän, deren geologische Spuren erst im Sommer 1970 durch Tiefseebohrungen der „Glomar Challenger“ im Bereich des Balearen-Beckens zutage traten.

Die Vorgeschichte dieser Katastrophe begann bereits vor 20 Millionen Jahren, als der Ur-Ozean Tethys zwischen dem Atlantik und Indischen Ozean immer stärker eingeengt wurde, weil die Afrikanische Platte durch die Kontinentalverschiebung nach Norden wanderte und gegen Europa drückte. Das führte nicht nur zur Auffaltung der Alpen und weiterer Gebirge, sondern auch zur Trennung des Vorläufers des heutigen Mittelmeeres vom Indischen Ozean. Anschließend existierten bloß noch zwei Verbindungen zum Weltmeer über die Betische Straße im Süden der Iberischen Halbinsel und die Rif-Straße in Nordwestafrika. Die heute zum Atlantik führende Meerenge von Gibraltar war hingegen durch einen Gebirgsbogen verschlossen.

Vor knapp sechs Millionen Jahren führten weitere Hebungen im Bereich der Betischen Straße und der Rif-Straße zur stufenweisen Unterbrechung des Frischwasserzuflusses aus dem Atlantik ins Mittelmeer, was dramatische Auswirkungen hatte. In der Zeit, als der Graecopithecus im Südosten Europas umherstreifte, stieg der Salzgehalt des Mittelmeeres immer mehr an, bis sich das Salz nicht mehr im Wasser lösen konnte und auf dem Meeresgrund absetzte. Die so entstandenen Evaporit-Schichten sind noch heute kilometerdick. Zugleich nahm die Verdunstung exponentiell zu: Innerhalb von nur 10.000 Jahren verschwanden 70 Prozent des Mittelmeerwassers. Das kostete neun von zehn Tierarten das Leben.

Runter von den Bäumen

Auf dem Höhepunkt dieser ökologischen Katastrophe lag der Meeresspiegel um bis zu sagenhaften 2.400 Metern niedriger als zum Beginn. Das zeigen die tiefen unterseeischen Einschnitte der Flüsse, die schon damals ins Mittelmeer mündeten. Große Teile des ehemaligen Meeresbodens verwandelten sich in salzige Trockenlandschaften, aus denen heutige Inseln wie Sizilien als riesige Berge aufragten. Vielleicht unterblieb die völlige Austrocknung nur, weil eine Verbindung mit dem Binnenozean Paratethys im Bereich des heutigen Schwarzen und Kaspischen Meeres entstand, über die das Rest-Mittelmeer mit Wasser aus eurasischen Flüssen gespeist wurde.

Ganz sicher aber führte die Entwicklung im Mittelmeerraum zu massiven Klimaveränderungen in weiten Teilen Europas, in deren Folge sich viele Halbwüsten und Wüsten bildeten. Das wiederum hat den Graecopithecus und dessen Vettern wahrscheinlich dazu gebracht, nach Süden abzuwandern – ein Hinweis hierauf sind nicht zuletzt die Fußspuren von Trachilos auf Kreta. In Afrika könnten dann aus den Neuankömmlingen Frühmenschenarten wie der Sahelanthropus hervorgegangen sein. Alternativ besteht die Möglichkeit, dass genuin afrikanische Vorfahren des Homo sapiens „von den Bäumen herabstiegen“ und den aufrechten Gang erlernten, als infolge der Fernwirkung der Messinischen Salinitätskrise die Urwälder auf dem Schwarzen Kontinent zusammenschrumpften.

Das Ganze endete vor 5,33 Millionen Jahren mit einem Ereignis, das unsere Vorfahren sicher aufs Tiefste verstörte: Infolge des Drucks des Atlantiks riss eine Bresche im Bereich der Straße von Gibraltar auf, durch die 100 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde mit 150 Kilometern pro Stunde Geschwindigkeit ins Mittelmeerbecken schossen. Einige Forscher glauben, dass es zwischen Tarifa und Dalia einen tausend Meter hohen Wasserfall gegeben habe, während andere von „stufenweise abfallenden Rampen“ sprechen. Auf jeden Fall wurde das Mittelmeer durch die Zancleanische Flut innerhalb von nur zwei Jahren wieder aufgefüllt, wobei der Wasserspiegel an manchen Tagen um sage und schreibe zehn Meter gestiegen sein muss.

Außerdem traten Tsunamis mit Wellenhöhen von bis zu einhundert Metern auf. Bis sich Flora und Fauna von all dem erholten, vergingen mindestens 1,7 Millionen Jahre, in denen die Nachfolger der ersten Frühmenschen in Afrika lebten.

Sintflutsagen vom Bosporus

In den Mittelmeerraum kehrte wahrscheinlich erst der Homo erectus zurück, der vor etwa zwei Millionen Jahren auftauchte und dann 300.000 Jahre später auch die Küsten Spaniens und Italiens besiedelte. Dieser Vorfahre von Neandertaler und Homo sapiens war freilich längst ausgestorben, als rund ums Mittelmeer zwei weitere dramatische Veränderungen erfolgten. Zunächst sank der Wasserspiegel während der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren um 130 Meter, wodurch erneut Landbrücken zwischen Europa und Afrika entstanden. Dann wiederum kam es vor rund 7500 bis 5500 Jahren zu einem Ereignis, das in den späteren Sintflutsagen verarbeitet wurde: Das mit dem östlichen Mittelmeer in Verbindung stehende Marmara-Meer schwappte plötzlich über den Bosporus, woraufhin das 150 Meter tiefer liegende, weil seit Längerem wieder isolierte Schwarze Meer aufgefüllt wurde und Land von der doppelten Fläche der Schweiz in den Fluten versank.


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