10.02.2026

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Maciej Łukaszewicz (l.) hat das alte Belgard wiederentstehen lassen
Bild: Till Scholtz-KnoblochMaciej Łukaszewicz (l.) hat das alte Belgard wiederentstehen lassen

Östlich von Oder und Neiße

Die Faszination preußischer Klinkerarchitektur

Die Eisenbahnhistorie macht Werbung für die deutsche Geschichte des Ostens

Till Scholtz-Knobloch
27.01.2026

Auf Modelleisenbahnmessen dominieren meist Deutsche das Geschehen. Aber auch die Schweiz und die Benelux-Staaten kann man als Hochburgen dieses Hobbys bezeichnen. Auf der Messe im sächsischen Löbau Anfang Januar konnte man hingegen auch eine Anlage aus Frankreich erleben, bei der die Leidenschaft der Umsetzung erkennbar in pittoresken Fachwerkorten des Elsasses liegt. Und auch eine enorm detaillierte Anlage polnischer Modellbahnfreunde kündet von kulturgeschichtlicher Beziehung zu Deutschland.

Maciej Łukaszewicz, Ehefrau Mariola sowie ein Freund der Familie fallen schon von Weitem in ihren schwarzen Polohemden mit dem riesigen Aufdruck „BW Belgard by Maciej Łukaszewicz“ auf. Eisenbahner wissen, BW steht für Bahnbetriebswerk. Ihre liebevoll gestalte Anlage zeigt nicht etwa die polnische Stadt, sondern explizit das einstige Belgard mit deutschen Inschriften.

„Mein Mann hat vor etwa 25 Jahren mit dem Modellbau angefangen“, berichtet Mariola und ruft ihren Mann von einem Nachbarstand herbei. Sie kämen nicht aus dem hinterpommerschen Belgard an der Persante [Białogard], sondern aus Posen [Poznań]. Maciej kramt nach deutschem Wortschatz und wird immer wieder fündig: „Am Anfang habe ich Deutsch in der Oberschule gelernt, aber damals habe ich noch nicht Modelleisenbahnen gebaut. Wir kommen aus Posen, wo noch viele Wörter aus dem Deutschen existieren. Knoblauchwurst, Johannisbeeren, Dose oder Büchse aus dem Dialekt Platt verstehen die meisten. Mein Opa, der noch zur deutschen Schule gegangen ist, hat sehr schön Gotisch geschrieben“, erzählt er.

Diese Facetten und die Baugeschichte habe er immer sehr interessant gefunden und die Bahnanlagen in Belgard hätten die beiden auf der Anreise zum Ostseeurlaub in das benachbarte Kolberg [Kołobrzeg] fasziniert: vor allem die Ziegelbauweise – auch wenn der alte Lokschuppen in dieser Bauart schon von einem hässlichen Betonbau ersetzt worden war. Die fast vollständige Backsteinarchitektur war ursächlich dafür, sich in Modulbauweise dem Thema Belgard zuzuwenden.

Mit historischen Fotos war die spätere Bausünde des Lokschuppens auch wieder auszumerzen. Das BW umfasst neben dem mehrständigen Lokschuppen mit Drehscheibe zahlreiche Anlagen zur Pflege und Wartung der Fahrzeuge, darunter Wasserturm, Aschekran, Gleiswaage, Dieseltanklager, Besandungsanlage, Lademaß und weitere typische Bauten eines Bahnbetriebswerks. Und da die Ostsee von Belgard eben nicht mehr weit ist, ist auf der Anlage auch eine dampfende Fähre mit Gleisanschluss zu bewundern.

Der Betrieb der Anlage zeigt die Deutsche Reichsbahngesellschaft in den 1930er Jahren, die Fähre trägt die schwarz-weiß-rote Flagge. Dies liegt wohl daran, dass Maciej hier auf einen Schreiber-Kartonmodellbaubogen gesetzt hat. Kartonmodellbau ist in Polen weit verbreitet, doch die Vorlage war mit dem Maßstab 1:100 ausgewiesen, während die Anlage eigentlich Maßstab H0 (1:87) präsentiert. „Aber der Maßstab 1:100 bezog sich scheinbar auf die Länge, denn meine Versuche, die Bastelbögen auf die Größe 1:87 zu vergrößern haben gezeigt, dass die Proportionen deutlich verändert wurden.“ Einzig, weil nur vier statt fünf Waggons auf das Modell fahren könnten, würde er den Unterschied wahrnehmen. Die Fähre sei aber eine Herzensangelegenheit gewesen, seit er sich auf einer Modellbahnmesse in den Niederlanden entsprechend inspirieren ließ. Dass er sich im Modell für die deutsche Vorkriegszeit entschieden habe, sei auch dem Umstand zu verdanken, dass die 1930er Jahre die größte Zeit der Eisenbahn gewesen sei – mit schweren Dampflokomotiven, aber auch bereits mit dem technologischen Aufbruch bei Diesel- und Elektrolokomotiven.

Posen habe heute immerhin gar zwei Modelleisenbahnklubs, auch wenn die Belgard-Anlage seine private Sache sei und er die Anlage mit Frau und Modellbaufreund Kirchner aus Lubon [Luboń] bei Posen präsentiert. Übrigens dem Ort, wo der bis vor wenigen Jahren existierende Verband der deutschen Minderheit in Großpolen seinen Sitz hatte. Einmal im Jahr findet in Posen auch eine Hobbymesse statt. In Polen und insbesondere übrigens in Tschechien holt der Eisenbahnmodellbau eifrig auf. Während den Deutschen der Nachwuchs und zunehmend auch das Geld ausgeht, hat Polen zum Sprung aus dem Kartonmodellbau in das Hobby gefunden, das der hier wachsenden Mittelschicht eine neue Faszination in allen Altersklassen bietet. Neben den beiden Modellbauschauanlagen „Kolejkowo“ in Gleiwitz [Gliwice] und Breslau ist auch in Waldau [Borowiec] bei Posen eine große Schauanlage – Makieta Borowiec – entstanden.


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