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Auf der ehemaligen Gutsanlage Janikow: Der von Gropius entworfene Getreide­speicher gilt als sein erstes Bauwerk
Bild: Fi15, wikimedia.org, Lizenz: CC BY 3.0Auf der ehemaligen Gutsanlage Janikow: Der von Gropius entworfene Getreide­speicher gilt als sein erstes Bauwerk

Wegbereiter der modernen Architektur

„Die Form folgt der Funktion“

Der berühmte Bauhausgründer Walter Gropius begann seine Karriere in Pommern

Brigitte Stramm
18.09.2026

Bei Walter Gropius (1883–1969) denkt man an seine zukunftsweisenden Entwürfe von Häusern, Möbeln – legendär ist der Sessel F51, der auch heute noch produziert wird – und Gebrauchsgegenständen im für die damalige Zeit der 1920er Jahre revolutionierenden Stil, der alle Schnörkel wegließ, getreu dem Slogan: „Die Form folgt der Funktion“.

1919 gründete er die Kunstschule Bauhaus in Weimar. Seit 1925 befindet sich das Bauhaus in Dessau. Dort bekommt man einen interessanten Einblick in das Schaffen des berühmten Architekten. In dem Gebäude haben z. B. die Fenster eine spezielle Lüftungstechnik, die es im Sommer erlauben soll, eine angenehme Innentemperatur in den Räumlichkeiten zu haben. Es wäre interessant zu erfahren, ob das auch in diesem heißen Sommer funktioniert hat. Ebenso sind die Meisterhäuser in Dessau-Roßlau sehenswert.

Seine vielschichtige Karriere ist allseits bekannt, auch, dass er Deutschland aufgrund der politischen Verhältnisse zunächst nach England und 1937 in die Vereinigten Staaten von Amerika verlassen hatte und 1944 amerikanischer Staatsbürger wurde.

Doch wer denkt schon bei Walter Gropius an Pommern? Dort hat er nämlich seine ersten Bauwerke entworfen, die damals schon etwas seinen Stil ahnen ließen. Er hatte sein Studium in München und Berlin nicht abgeschlossen, verfügte auch über kein Diplom. Der Grund ist sicher darin zu suchen, dass ihm jegliches Zeichentalent fehlte. Diesen Part seiner Arbeit musste er stets delegieren. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, sein erstes Projekt zu planen und zu bauen. Ermöglicht hat ihm das sein Onkel Erich Gropius; er lebte seinerzeit auf seinem Rittergut in Janikow, Kreis Dramburg im Regierungsbezirk Köslin.

Projekte unterschiedlicher Art

1904 geplant und 1906 erbaut, wurde auf dem Gutshof ein Getreidespeicher errichtet, über den im Bauhaus-Archiv zu lesen ist: „Ein mehrgeschossiger Backsteinbau aus rotem Sichtmauerwerk, kombiniert mit kontrastierenden Putzflächen. Der Baukörper setzt sich aus drei ineinandergehenden Rechtecken zusammen. Das Gebäude besitzt ein markantes Krüppelwalmdach sowie einen integrierten, fünfstöckigen Uhrturm, der dem Nutzbau einen fast malerischen Charakter verleiht.“ Weitere Objekte in Hinterpommern folgten, zumeist als Bestandteil von Gutshöfen. Davon sind noch einige Gebäude erhalten geblieben, wie z. B. ein Arbeiterwohnhaus auf dem damaligen Rittergut in Mittelfelde [Żołędowo], südlich der Stadt Dramburg gelegen. Es gehörte der pommerschen Familie von Brockhausen. Sie ließ den Neffen ihres Freundes Erich Gropius, Walter Gropius, 1907 einige Wirtschaftsgebäude errichten. Er baute hier für das Rittergut ein Sägewerk, einen Kartoffelschuppen sowie ein Arbeiterwohnhaus und eine den Hof umgebende Mauer. Das Arbeiterwohnhaus und Teile der Mauer sind noch erhalten. Weitere Objekte, die auch auf diesem Gutsgelände entstanden waren, gibt es nicht mehr.

Ein von Gropius entworfener Getreidespeicher in Märkisch Friedland [Mirosławiec], bei Deutsch Krone, erbaut 1913/1914, zeigt sich trotz starker Veränderungen an der Fassade immer noch gut proportioniert, ausgewogen und monumental, mit seiner kargen, geometrischen Gestaltung. Heute, nach sorgfältiger Renovierung, wird der Speicher von einer Baufirma genutzt.

Ein weiteres erhaltenes Objekt ist das Herrenhaus Falkenhagen [Miłocice]. Der Ort gehörte zum Kreis Rummelsburg, Regierungsbezirk Köslin und wurde bereits 1411 das erste Mal erwähnt. Der Gutsherr, Friedrich-Wilhelm von Arnim, ließ 1910 bis 1911 von Walter Gropius ein Herrenhaus erbauen, das bis heute erhalten ist.

Diese Bauten tragen noch die Handschrift der traditionellen Bauweise, Heimatstil genannt, mit historisierenden Formen und betonter Funktionalität. Was man unter der Vision seines Bauhaus-Stils versteht, entwickelte sich, nachdem er das Büro von Peter Behrens verließ. Dieser galt als der Begründer der modernen, sachlichen Industriearchitektur. Übrigens: Auch Le Corbusier und Ludwig Mies van der Rohe arbeiteten in diesem Büro.

1910 machte sich Gropius als Indu­striedesigner und Architekt selbstständig. Sein erster großer Auftrag war der Bau der Schuhfabrik Fagus im Jahr 1911 in Alfeld an der Leine. Die spektakuläre Bauausführung machte ihn zum Wegbereiter der modernen Architektur in Deutschland. Durch die neuartige Verwendung von Materialien wie Stahl und Glas und die puristische Form wurde dieser Bau richtungsweisend für die Architektur der Moderne. 100 Jahre später, im Jahr 2011, wurde das Faguswerk von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Gropius' Ruhm ging um die Welt. Doch seine Karriere startete er in Pommern.

• www.bauhaus-dessau.de


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