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Mit der Verteufelung des Kapitalismus und scheinlogischen Argumenten versuchen linke Ideologen immer wieder, ihre alten Irrtümer neu zu verpacken – Ein junges Beispiel ist die Theorie des Günther Moewes
Arbeit sei „die wichtigste Ressource für den gesellschaftlichen Wohlstand“ – so verkündet es unter anderem das deutsche Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Gleichzeitig soll Arbeit den Menschen nicht nur eine Sicherung ihrer Existenzgrundlage durch Einkommen ermöglichen, sondern auch ihre physische und psychische Gesundheit fördern, indem sie Struktur, soziale Kontakte und ein Gefühl der Identität vermittelt.
Vor diesem Hintergrund erschallt derzeit wieder besonders oft das Mantra von Politik und Wirtschaft, dass wir alle mehr und zugleich noch länger arbeiten müssten. Und tatsächlich ist die Zahl der Wochenarbeitsstunden seit Beginn der Industrialisierung von durchschnittlich 80 auf 36 zurückgegangen, was von recht komfortablen Verhältnissen zeugt. Diese ändern jedoch keinen Deut an der Nutzlosigkeit oder gar Schädlichkeit vieler Tätigkeiten, welche angeblich Wohlstand und Fortschritt sichern.
Weltverbesserer indes stören sich an der gängigen Auffassung vom Wert der Arbeit und stellen immer wieder simple Fragen, wie: Müssen wir wirklich immer neue Arten von Produkten entwickeln, herstellen und verwenden, welche Ressourcen verschlingen und die Umwelt belasten? Warum werden Unmengen an Energie und menschlicher Arbeitskraft investiert, um virtuelle soziale Netzwerke zu knüpfen? Und wie sinnvoll ist es eigentlich, dass in Europa Autos produziert und dann tausende Kilometer weit nach Asien verschifft werden, während im Gegenzug ein Strom gleichwertiger asiatischer Fahrzeuge nach Europa fließt?
Die bösen Tech-Milliardäre
Die Globalisierung ist ihnen schon an sich ein Dorn im Auge. Sie erscheint im Spiegel ihrer Ideologie meist nur als Instrument der Ausbeutung oder Quelle von Umweltverschmutzung. Wasser auf die Mühlen dieser Kritiker leitete der im vergangenen Dezember verstorbene deutsche Architekt und Wirtschaftswissenschaftler Günther Moewes, dessen 2020 erschienenes Buch „Arbeit ruiniert die Welt“ seinerzeit großes Aufsehen erregte.
Darin stellte er sein Konzept der „Schadarbeit“ vor, deren Anteil an der Gesamtmenge der geleisteten Arbeit er auf 40 bis 60 Prozent bezifferte: Schadarbeit sei Arbeit, welche nicht nur die Umwelt belaste und wertvolle Ressourcen verbrauche, sondern unser Leben auch unnötig kompliziert mache. Beispielsweise habe sich gleich zu Beginn der Corona-Zeit gezeigt, wie störanfällig die vielen langen Lieferketten seien, welche es laut Moewes eigentlich gar nicht brauche, wenn man auf altbewährte Wirtschafts- und Produktionsweisen setze und die Schadarbeit in der Transportbranche oder der Werbung für Produkte vom anderen Ende der Welt abschaffe.
Verantwortlich dafür, dass genau dies unterbleibt, sind laut Moewes in erster Linie die Technologie-Milliardäre, deren Vermögen wachse und wachse. Sie profitierten ganz besonders stark von der vermeintlichen Schadarbeit. Gerade die Digitalisierung im Verein mit der Globalisierung hätten Unmengen von neuen Tätigkeitsfeldern geschaffen, in denen mehr angeblich schädliche Arbeit geleistet werde als je zuvor.
Zur Vermeidung dessen empfahl Moewes – welche Überraschung – den Verzicht: Wohlstand äußere sich keineswegs nur im Anhäufen von Gütern und der Inanspruchnahme von allerlei Dienstleistungen, sondern auch in Ruhe, freier Zeit und dem bewussten Verzicht auf Dinge, welche lediglich als Ersatzbefriedigung fungierten. Darüber hinaus sollte die Gesellschaft aufhören, den Wert eines Menschen vorrangig nach seiner Stellung im Arbeitsprozess zu bemessen. Nicht überraschend plädierte Moewes für ein bedingungsloses Grundeinkommen, das – wer sonst? – die Milliardäre zu finanzieren hätten: Es könne nicht sein, dass das von Maschinen oder Computern verdiente Geld zu großen Teilen an Unternehmer oder Kapitaleigner fließe, während die durch den Einsatz von Technik arbeitslos gewordenen Menschen auf Kosten des Staates, also der steuerzahlenden Allgemeinheit, alimentiert werden müssten.
Der Markt weiß es besser
Dabei übersah Moewes jedoch einige wichtige Dinge. Zum Ersten gäbe es nach der Abschaffung der angeblichen Schadarbeit und der flächendeckenden Gewährung eines Grundeinkommens immer noch genügend unverzichtbare nützliche Arbeit zu leisten, welche dennoch nicht sonderlich attraktiv ist – Stichwort Landwirtschaft oder Pflege. Wer soll die Arbeit dort übernehmen, wenn er auch ohne eine solche angenehm leben kann?
Ebenso steht die Frage im Raum, woher die Motivation kommen soll, sich zu bilden und weiterzuentwickeln, um für den trotz allem notwendigen Fortschritt zu sorgen? Außerdem würde es zu einer tiefen gesellschaftlichen Spaltung kommen, bei der sich zwei Gruppen gegenüberstünden: Diejenigen, die trotz des Grundeinkommens arbeiten, und die anderen, denen das Nichtstun vollkommen ausreicht. Letztlich herrschen heute ja bereits ganz ähnliche Verhältnisse, weil der Unterschied zwischen Bürgergeld und Arbeitseinkommen oft nur noch wenige Euro beträgt. Und diese Zustände sorgen für sehr viel böses Blut, zumal der Volksmund auch in aller Regel Recht hat, wenn er sagt: „Müßiggang ist aller Laster Anfang.“
Außerdem – und das geht zumeist vollkommen unter – kann ein Grundeinkommen nie wirklich bedingungslos sein, weil es in letzter Instanz vom Staat ausgezahlt wird, der dafür natürlich ein gewisses Maß an Loyalität von den Leistungsempfängern erwartet oder dieses gar erzwingt. Insofern zementiert das Grundeinkommen politisch-gesellschaftliche Abhängigkeiten – und unterminiert damit die Freiheit.
Letztlich operiert Moewes mit klassischen linken Denkgebäuden, die sich zunächst vernünftig anhören. Übersehen (oder bewusst verdrängt) wird, dass all das, was angeprangert wird, den Aufstieg zu heutigem Wohlstand erst möglich gemacht hat. Und das weltweit: Der Anteil der Armen an der Weltbevölkerung hat sich im Zuge der Globalisierung drastisch verringert. Es hat sich gezeigt, dass der Markt und damit die Kunden am besten wissen, was „schädlich“ ist und was stattdessen gewünscht wird – und eben nicht Wissenschaftler, zentrale Bedarfsplaner oder erst recht Verzichtsprediger, die den Mangel zur Tugend erklären. Thesen wie jene von Moewes finden kaum je Anklang in aufstrebenden Schwellenländern, dafür aber umso mehr in verwöhnten Gesellschaften reicher Industriestaaten, denen das Gespür für den Wert der Arbeit abhandengekommen ist.