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Ideologie

Die mörderische Saat eines Volksschullehrers

Brutale Verfolgung, wirtschaftlicher Dilettantismus und fanatische Anhänger: Den Lehren Mao Zedongs fielen Abermillionen Menschen zum Opfer – Doch Maoisten gibt es immer noch in vielen Ländern

Wolfgang Kaufmann
08.12.2025

Im Gegensatz zu Marx, Engels und Lenin war der chinesische Revolutionsführer und „Große Steuermann“ Mao Zedong keine intellektuelle Größe. Vor seiner Karriere als kommunistischer Funktionär brachte er es mit Mühe und Not bis zum Grundschullehrer. Dennoch mutierte das Konglomerat der von Mao geäußerten Ideen zu einer eigenständigen kommunistischen Weltanschauung, welche das politische Denken und Handeln in der Volksrepublik China ab 1949 bestimmte und auch im Ausland unzählige Anhänger fand.

So folgte das Regime des Enver Hodscha in Albanien zwischen 1961 und 1978 den Idealen Maos. Darüber hinaus waren und sind Maoisten in Staaten wie Nepal, den Philippinen, Indien, Bangladesch, Kambodscha, Afghanistan, dem Iran, der Türkei und Peru sowie auch in westlichen Ländern aktiv. In der Bundesrepublik konzentrierten sich die Anhänger der Lehren des chinesischen Staats- und Parteichefs in den sogenannten K-Gruppen, die im Zuge des Niedergangs der Studentenbewegung der 1960er Jahre entstanden. Dabei bekleiden Ex-Maoisten wie Winfried Kretschmann, Ulla Schmidt oder Jürgen Trittin teilweise noch heute hohe Ämter.

Mittlerweile steht fest, dass es sich beim praktisch gelebten Maoismus in den Volksrepubliken China und Albanien sowie dem sogenannten Demokratischen Kampuchea (Kambodscha) um die seinerzeit schlimmste Spielart des Kommunismus handelte, die viele Millionen Menschenleben kostete und vor allem durch zwei Merkmale geprägt war: brutale immerwährende Repression sowie völlige wirtschaftliche Inkompetenz.

Bis zum Kannibalismus
Kurz nach der Machtübernahme Maos in ganz Festlandchina begann im Juni 1950 der Terror gegen die Grundbesitzer. Im Zuge der Eliminierung der „Klassenfeinde auf dem Land“ erhielten 300 Millionen Bauern 47 Millionen Hektar Ackerboden zugewiesen, woraufhin bald darauf die Zwangskollektivierung folgte. Dem schloss sich die „Kampagne zur Unterdrückung von Konterrevolutionären“ an, welche ausdrücklich darauf abzielte, die politische Opposition „auszurotten“. Dann ging es mit der „Drei-Anti-“ beziehungsweise „Fünf-Anti-Bewegung“ weiter, der vor allem Geschäftsleute und Inhaber von privaten Unternehmen zum Opfer fielen. 1955 und 1957 wurde zum Kampf gegen „verborgene konterrevolutionäre Elemente“ sowie „Rechtsabweichler“ innerhalb der Kommunistischen Partei geblasen. Das alles forderte mehr als acht Millionen Menschenleben, doch es sollte noch schlimmer kommen.

Während der „Großen Proletarischen Kulturrevolution“ von 1966 bis 1976 zur Zurückdrängung angeblicher kapitalistischer und bürgerlicher Tendenzen sowie zur Ausmerzung „alter Denkweisen, Kulturen, Gewohnheiten und Sitten“ fanden unzählige kleinere und große Massaker statt, wobei die Anhänger Maos die Ermordeten aus den „fünf schwarzen Kategorien“ manchmal sogar in rituellen kannibalistischen Sitzungen verspeisten. Das kostete möglicherweise bis zu 20 Millionen Tote.

Ähnlich grausam wüteten die maoistischen Roten Khmer in Kambodscha. Sie haben wohl mehr als zwei Millionen ihrer Landsleute auf dem Gewissen, etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung. In Albanien hingegen wurden während der Diktatur des langjährigen Mao-Gesinnungsgenossen Hodscha „nur“ 6.000 Menschen hingerichtet. Allerdings unterhielt das Regime zahllose Straflager, in denen mindestens jeder zwanzigste Albaner einsaß. Dabei konnten schon christliche oder muslimische Gebete im „ersten atheistischen Staat der Welt“ zur Todesstrafe oder jahrzehntelanger Inhaftierung führen.

Das himmelschreiende wirtschaftliche Unvermögen der Maoisten zeigte sich in China am eindrucksvollsten während der Zeit des berüchtigten „Großen Sprungs nach vorn“ von 1958 bis 1961. Vor dem Hintergrund der radikalen Abwendung vom bisherigen Verbündeten Sowjetunion sollte die Wirtschaft Chinas auf eigene Füße gestellt und die Industrieproduktion aufs Land verlegt werden. Das Ganze begann mit der versuchten Ausrottung von „Störenfrieden“ wie Ratten, Mücken, Fliegen und Sperlingen, wobei der Wegfall der Vögel zur ökologischen Katastrophe führte.

„Nie wieder“ kennen Maoisten nicht
Danach wurden die Kooperativen der Bauern in Großkooperativen zusammengefasst, welche Staudämme und Bewässerungskanäle bauen mussten. Und schließlich begann dann auch noch die „Schlacht um den Stahl“. Überall entstanden primitive Hochöfen, in denen die Landarbeiter sämtliches verfügbares Metall einschmolzen, ohne dass dies irgendeinen nennenswerten volkswirtschaftlichen Nutzen erbrachte. Allerdings führte der Abzug der Bauern von den Feldern alsbald zu Nahrungsmittelengpässen.

Daraus entwickelte sich die Große Chinesische Hungersnot, welche die Kommunistische Partei im Reich der Mitte heute als „Dreijährige Schwierigkeitsperiode“ verharmlost. Möglicherweise forderte der „Große Sprung“ bis zu 55 Millionen Menschenleben, womit der Maoismus für die tödlichste Hungerkatastrophe in der Geschichte der Menschheit verantwortlich wäre.

Ähnlich steil ging es mit der Wirtschaft im maoistischen Albanien bergab. Der Kleinstaat auf dem Balkan war zeitweise das drittärmste Land der Welt mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von umgerechnet 13 Euro pro Monat. Das resultierte nicht zuletzt aus der extremen Paranoia von Hodscha, der meinte, Albanien sei von lauter Feinden umgeben, weshalb er alle Ressourcen der Volksrepublik nutzte, um den Ausbau der Streitkräfte und der Geheimpolizei Sigurimi sowie die Errichtung einer Unzahl von Kleinbunkern zu forcieren.

Insgesamt kamen durch die brutale Unterdrückung derer, welche von den herrschenden Maoisten in China, Kambodscha und Albanien als Feinde bezeichnet wurden, sowie auch den ökonomischen Dilettantismus von Mao und Co. wohl mehr als 100 Millionen Menschen ums Leben.

Vor diesem Hintergrund ist es äußerst beunruhigend, dass die Neo-Maoisten mit ihrer radikalen Kapitalismuskritik und ihrem Faible für eine totale staatliche Kontrolle über „die Massen“ heute nicht nur in China wieder an Einfluss gewinnen, sondern auch im Westen Anhänger finden. Denn für Maoisten existiert kein „Nie wieder“, wenn es um die Verbrechen im Namen der eigenen Ideologie geht.


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Kommentare

Peter Wendt am 13.12.25, 06:47 Uhr

Mao, kein großes Licht? Mag sein, jedoch hat er es zu einer aussergewöhnlichen Machtfülle gebracht. Dabei wurde er zumindest anfänglich von einigen Intellektuellen in der Partei noch kontrolliert. Parallelen zur Geschichte anderer Länder gibt es zuhauf. Völlig unabhängig von irgendwelchen Regierungsformen schaffen es da bestimmte Individuen immer wieder mithilfe starker Narrative, die fast immer auf Angst und Unwissenheit basieren, die Massen in ihrem Sinn zu steuern. Das Ergebnis ist dann ebenfalls immer das gleiche, Zerstörung, Mord und Totschlag. Eine Reihe politische Aussagen in Europa lassen ähnliche Entwicklungen für die nähere Zukunft befürchten. Eine Art Kulturrevolution erlebt Europa ja schon. Wahrheiten werden kontrolliert und von Minderheiten bestimmt. Das schliesst bei weiterem Ungehorsam „Nichtgläubiger“ in Teilen der Bevölkerung stringentere Massnahmen nicht aus. Übrigens erinnern Maos Ideen und Merksätze erschreckend an die Aussagen rotgrüner Politikerinnen.

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