19.04.2026

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Verblüffend, was die Alten alles schon wussten: Platon (l.) und Aristoteles auf dem Fresko „Die Schule von Athen“ des Renaissancemalers Raffael (um 1510)
Bild: Wikimedia/RaphaelVerblüffend, was die Alten alles schon wussten: Platon (l.) und Aristoteles auf dem Fresko „Die Schule von Athen“ des Renaissancemalers Raffael (um 1510)

Weisheiten für die Ewigkeit

Eigentlich steht alles schon geschrieben

Die großen Geister der Antike überraschen die Gegenwart mit verblüffend aktuellen Einsichten – sei es auf dem Feld der Politik, zum Wesen der Menschen oder das Geheimnis einer vernünftigen Lebensführung

Wolfgang Kaufmann
19.04.2026

Der Staatshaushalt muss ausgeglichen werden. Der Staatsschatz sollte wieder aufgefüllt werden. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrolliert werden. Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht bankrottgehen soll. Die Leute müssen wieder lernen zu arbeiten, statt auf öffentliche Rechnung zu leben.“

Diese höchst aktuell anmutenden Sätze stammen nicht aus einem jüngsten Wahlprogramm. Vielmehr soll der römische Anwalt, Philosoph und Politiker Marcus Tullius Cicero sie im 1. Jahrhundert v. Chr. während einer Rede im Senat vorgebracht haben. Wahrscheinlich handelt es sich um kein originales Zitat. Andererseits spiegeln die Forderungen die Denk- und Argumentationsweise des glühenden Verfechters des republikanischen Prinzips durchaus treffend wider.

Davon zeugen andere, sicher belegte Aussprüche von Cicero wie „Das Wohl des Volkes soll das höchste Gesetz sein“ oder „Der Feind befindet sich in unseren Mauern. Gegen unseren eigenen Luxus, unsere eigene Dummheit ... müssen wir kämpfen“. Ansonsten traf der Senator auch mit folgenden Worten den Nagel auf den Kopf: „Ich mahne unablässig zum Frieden; dieser, auch ein ungerechter, ist besser als der gerechteste Krieg.“ Und die Klage „Kleine Verbrechen werden bestraft, große in Triumphzügen gefeiert“, wirkt ebenfalls recht modern.

„Das Beste ist die Redefreiheit“

In ähnlicher Weise könnte Ciceros Todfeind Gaius Julius Cäsar der Bundesregierung etliche seiner Sentenzen ins Stammbuch schreiben, etwa: „Wir haben weder ewige Verbündete noch ewige Feinde. Wir haben nur dauerhafte Interessen.“ Erwähnung verdient gleichermaßen der ein Jahrhundert nach Cicero und Cäsar lebende römische Denker Lucius Annaeus Seneca, welcher den uralten Vorwurf des „Populismus“ schon vor 2000 Jahren mit klaren Worten konterte: „Volkes Stimme ist Gottes Stimme.“ Überraschend demokratiefreundlich kommt außerdem die Feststellung des in freiwilliger Armut verharrenden griechischen Philosophen Diogenes von Sinope daher: „Das Beste auf der Welt ist die Redefreiheit.“

Und dann wären da noch die beiden großen Denker Aristoteles und Platon. Aristoteles monierte nicht nur: „Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“ Er konstatierte auch: „Wenn ... die Ungerechtigkeit bewaffnet ist, so ist sie am allergefährlichsten.“ Dick hinter die Ohren schreiben sollte sich mancher Akteur auf der politischen Bühne von heute zudem den Satz: „Einen Fehler durch eine Lüge zu verdecken heißt, einen Flecken durch ein Loch zu ersetzen.“ Aristoteles' Lehrer Platon wiederum gab seinen Athener Mitbürgern bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. zu bedenken: „Diejenigen, die zu klug sind, um sich in der Politik zu engagieren, werden dadurch bestraft, dass sie von Leuten regiert werden, die dümmer sind als sie.“ Manche Dilemmata sind also offenbar ebenso zeitlos wie Platons Forderung: „Der Zugang zur Macht muss Menschen vorbehalten bleiben, die nicht in sie verliebt sind.“

Die alten Griechen und Römer können uns allerdings nicht nur auf dem Gebiet der Politik Denkanstöße geben. Davon zeugen ihre unzähligen allgemeinen Lebensweisheiten, deren Beachtung im Privat- und Arbeitsleben durchaus von Nutzen sein kann. So schrieb der „Philosoph auf dem Kaiserthron“ Marcus Aurelius: „Konzentriere dich jede Minute darauf, das, was vor dir liegt, mit präziser und aufrichtiger Ernsthaftigkeit zu erledigen. Tue alles so, als wäre es das Letzte, was du in deinem Leben tust.“ Dazu passt der eindringliche Aufruf: „Handle nicht so, als würdest du zehntausend Jahre leben. Der Tod schwebt über dir.“

Des Weiteren meinte der Kaiser, der im 2. Jahrhundert n. Chr. regierte: „Man muss erst so manches gelernt haben, ehe man über die Handlungsweise eines anderen richtig zu urteilen vermag.“ Für diesen Satz würde sich Marc Aurel heute wohl einen Ordnungsruf der Bundestagspräsidentin einhandeln, wenn er damit die Kritik der Grünen oder Linken am politischen Gegner als lächerlich entlarvte. Das gilt analog für Platons Ratschlag an alle „Weltverbesserer“, zuerst ihr „eigenes Haus in Ordnung zu bringen und sich selbst zu beherrschen“.

Ebenfalls hochaktuell sind zwei weitere Denksprüche von Cicero. Im Jahre 54 v. Chr. sagte er: „Dankbarkeit ist nicht nur die größte aller Tugenden, sondern auch die Mutter aller anderen.“ Dem fügte er später hinzu: „Nichts ziemt einem Mann mehr, als sein Wort zu halten und zu seinen Versprechen zu stehen.“

„Es ist alles in dir selbst“

Charakterstärke und Eigenverantwortung forderte auch der Philosoph Epiktet, welcher als Sklave nach Rom verschleppt wurde und als Freigelassener unter der Philosophenverfolgung während der Zeit des Kaisers Domitian litt: „Es ist das Werk eines ungebildeten Menschen, andere für seinen eigenen schlechten Zustand verantwortlich zu machen.“ Ewig gültig sind gleichermaßen die Ratschläge von Aristoteles in puncto Freundschaft. Der Lehrer von Alexander dem Großen sagte zwar, „Ein Leben ohne Freunde ist ein gescheitertes Leben“, gab jedoch ebenfalls zu bedenken, dass die Freundschaft mit schlechten Menschen sich zwangsläufig „als etwas Böses“ erweisen werde.

Ansonsten helfen uns die antiken Denker auch in den leider gar nicht so seltenen Momenten, in denen wieder einmal alles schiefläuft oder man an seinen Mitmenschen verzweifeln möchte. Marcus Aurelius hatte dafür sogar mehrere Rezepte parat. Eines lautet: „Es wäre dumm, sich über die Welt zu ärgern. Sie kümmert sich nicht darum.“ Darüber hinaus schrieb der Philosophenkaiser: „Sehr wenig ist nötig, um ein glückliches Leben zu führen; es ist alles in dir selbst.“ Und im Übrigen gelte: „Die Kunst zu leben, hat mit der Fechtkunst mehr Ähnlichkeit als mit der Tanzkunst, weswegen man auch für unvorhergesehene Streiche gerüstet sein muss.“


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