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Albrecht Dürer: „Bildnis Jakob Fugger der Reiche“, um 1520
Bild: bpk/Bayerische StaatsgemäldesammlungenAlbrecht Dürer: „Bildnis Jakob Fugger der Reiche“, um 1520

Kunst

Ein Krösus der Renaissance

Ausstellung über „Jakob Fugger und sein Erbe“ im Augsburger Schaetzlerpalais

Veit-Mario Thiede
06.03.2026

Am vorletzten Tag des Jahres 1525 verschied der Montanunternehmer und Großbankier Jakob Fugger der Reiche mit 66 Jahren in seinem Augsburger Stadtpalast (die PAZ berichtete). Im unweit davon gelegenen Schaetzlerpalais läuft zu seinen Ehren die Sonderausstellung „Reichtum der Kunst. Jakob Fugger und sein Erbe“. Sie umfasst 48 Objekte: Gemälde, Grafiken und Bildnismedaillen, Schmuckstücke, venezianisches Glas sowie das erste Testament Fuggers, dessen Ehe mit Sibylla Artzt kinderlos blieb.

Die Ausstellung wartet mit drei Bildnissen auf, die den vor 500 Jahren gestorbenen Leiter des Familienunternehmens der Fugger zeigen. Unter ihnen ist das von Albrecht Dürer um 1520 gemalte Porträt Fuggers das berühmteste. Ihm ging eine Zeichnung voraus, die Dürer auf dem 1518 in Augsburg veranstalteten Reichstag schuf. Das Gemälde zeigt ihn vor blauem Hintergrund im Dreiviertelprofil nach links. Er trägt einen schwarzen Mantel mit breitem Pelzkragen. Sein Blick ist fest. Aber er zeigt keine Gefühlsregung und hält die schmalen Lippen geschlossen. Auf seinem Haupt sitzt eine mit Golddrähten durchwirkte venezianische Haube. Die trägt er auch auf dem von zwei Platten gedruckten Holzschnitt (um 1511).

Der Antwerpener Formschneider Jost de Negker nutzte als Vorlage eine vom renommierten Augsburger Künstler Hans Burgkmair dem Älteren angefertigte Zeichnung. Dieses Porträt des mit Falten auf der Stirn, um Augen und Mund wiedergegebenen Fugger lässt ihn geradezu lebendig werden. Der mit viel Kinn und wenig Mund dargestellte Großunternehmer hat einen wachen Blick. Der Holzschnitt wiederum war Hans Malers Vorlage für sein um 1525 geschaffenes farbenprächtiges Bildnis Jakob Fuggers.

Hans Maler verdanken wir auch ein Bildnis von Ulrich Fugger. Er malte es 1525. Dieser Fugger starb einige Monate vor seinem Onkel Jakob und hätte eigentlich dessen Nachfolger werden sollen. Zum künftigen Firmenleiter ernannte der nun einen anderen Neffen: Anton. Unter dessen Regiment erlangte das Familienunternehmen seine größte wirtschaftliche Blüte. Auf einer von Friedrich Hagenauer 1527 angefertigten Bildnismedaille ist Anton Fugger dargestellt. Auch dessen Sohn Hans, der sich als Kunstsammler und Mäzen hervortat, ist auf einer Medaille (1557) abgebildet.

Der Fuggerpalast, den Jakob erbauen und Hans erweitern ließ, war mit erlesenen Kunstwerken geschmückt. Die lieferte zum Beispiel Tizians Schüler Paris Bordone. Der Venezianer malte für den französischen Hof und arbeitete auf Einladung der Fugger einige Zeit in Augsburg. Das hat uns der Maler und Künstlerbiograf Giorgio Vasari überliefert, der ein Zeitgenosse Bordones war: „Für den Palast der Familie Fugger in Augsburg schuf er viele Werke von höchster Bedeutung.“

Ein Eber wird den Adonis töten
Die Ausstellung präsentiert Bordones „Bildnis einer Dame mit Eichhörnchen“ (um 1550). Das Tierchen krallt sich am linken Ärmelende der in ein rotes Brokatkleid gehüllten fülligen jungen Dame fest. Auch bei dem Venezianer Paolo Veronese bestellten die Fugger Bilder. Präsentiert wird sein Gemälde „Venus und Adonis“ (1563/65). Der Liebesgöttin ist das tragische Schicksal bekannt, das ihrem Geliebten droht. Doch aussichtslos ist ihr Versuch, ihn festzuhalten. Er macht sich von ihr los und bricht zur Jagd auf. Ein Eber wird ihn töten.

Die Schau präsentiert ein Banner mit der großformatigen Fotografie der von Jakob und seinen Brüdern Ulrich und Georg gestifteten Fuggerkapelle. In ihr und an weiteren Augsburger Schauplätzen kann man den Kunstsinn der Fugger bestaunen. Die 1573 im Stadtpalast vollendeten Badstuben ließ Hans Fugger einrichten. Man findet sie hinter der verglasten Loggia des Serenadenhofes. Friedrich Sustris entwarf die Fresken und führte sie mit Antonio Ponzano sowie Alessando Scalzi aus. Ihr Deckengemälde im Musensaal stellt Apollo mit den neun Musen dar. In den Wandnischen stehen Büsten römischer Kaiser. Den Zodiakusraum nebenan schmücken die gemalten Allegorien der vier Jahreszeiten und zwölf Tierkreiszeichen sowie die Büsten antiker Dichter und Philosophen.

Dürer schuf die Vorlagen
Zur 1518 geweihten katholischen Fuggerkapelle gelangt man durch die evangelische Kirche St. Anna. Der Bildhauer Hans Daucher schuf die auf dem Altar der Kapelle stehende Figurengruppe: den als Schmerzensmann dargestellten Christus stützen oder halten die Muttergottes Maria sowie Maria Magdalena und Johannes. Dürer lieferte die Entwürfe der Epitaphe für Ulrich und Georg Fugger. Ihre Reliefs zeigen die Auferstehung Christi und Samsons Kampf gegen die Philister. Die Malerei auf den Flügeln der beiden Orgeln stammt von Jörg Breu dem Älteren. Auf dem linken Flügel der großen Orgel ist die Himmelfahrt Christi dargestellt, unter der neben anderen Figuren Jakob Fugger zu sehen ist. Er hat seine venezianische Goldhaube auf.

Die große Orgel der Fuggerkapelle diente als Vorbild für die von den Fuggern gestiftete Orgel auf der Westempore der Kirche St. Ulrich und Afra. Nach einem Entwurf von Johann Matthias Karger schuf der Künstler Paulus III. Mair 1608 den Orgelprospekt. Das rechte Flügelgemälde zeigt Mariae Himmelfahrt, beobachtet von Jakob und seinem Neffen Anton. Die Darstellung Jakobs orientiert sich an seinem von Dürer geschaffenen Porträt. Hier trägt er ausnahmsweise nicht seine Goldhaube, sondern einen breitkrempigen Hut mit zwei daran befestigten Jakobsmuscheln. Sie dienen als Abzeichen der Pilger zu Jakobus dem Älteren.

St. Ulrich und Afra beherbergt fünf kunstvoll eingerichtete Grabkapellen der Fugger. In die Mehrzahl kann man nur durch das sie absperrende Ziergitter spähen. Zugänglich ist jedoch die Bartholomäuskapelle, die Philipp Eduard Fugger von 1596 bis 1602 für sich und seine Gattin zur Grablege ausbauen ließ. Das Altarblatt von 1596 zeigt die Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit. Bemalt hat es der berühmte Hans von Aachen. Der Hofmaler Kaiser Rudolfs II. führte ab 1586 Aufträge der Fugger aus.

Bis 12. April im Schaetzlerpalais Augsburg in der Maximilianstraße 46, geöffnet täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 12 Euro. www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de


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