Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Das Zusammenspiel von Musik und Körper war für die pommersche Pädagogin richtungsweisend
Eine der Wegbereiterinnen der rhythmischen Sportgymnastik stammt aus Hinterpommern. Die Musikpädagogin Elfriede Antonie Feudel praktizierte nach dem Ersten Weltkrieg eine Methode, mit der sie Rhythmik als Körpererziehung mit Wort, Schrift und durch praktische Unterrichtung kombinierte.
Die Musikpädagogin wurde am 30. Oktober 1881 als zweites von neun Kindern eines Rechtsanwalts und Notars in Stargard an der Ihna geboren. Ihr Geburtsort liegt etwa 30 Kilometer östlich von Stettin in Hinterpommern. Ihren ersten Unterricht bekam die als Elfriede Thurau Getaufte noch in ihrem Geburtsort an der Ihna. Nach der Übersiedlung der Familie nach Berlin besuchte das Mädchen das Königliche Lehrerinnenseminar. Das war damals die höchste Stufe der Bildungsaneignung für Mädchen. Abitur und Studium blieben dem weiblichen Geschlecht lange vorenthalten. Zusätzlich zur Lehrerinnenausbildung nahm die Juristentochter am Sophienstädter Konservatorium Klavierunterricht.
Ihr weiterer Lebensweg führte sie nach England, wo sie ab 1901 einige Jahre als Hauslehrerin arbeitete. Nach ihrer Heimkehr 1904 wurde die inzwischen perfekt Englisch sprechende Feudel an einer katholischen Volksschule in Berlin-Schöneberg als Lehrerin angestellt.
Parallel besuchte die junge Lehrerin die neu in dieser Zeit für sie möglichen Vorlesungen an der Universität über Musik sowie Philosophie. Sie erschloss sich nicht nur die Musikwissenschaften, sondern auch die Rhythmische Gymnastik von Émile Jaques-Dalcroze. Der Schweizer Komponist und Musikpädagoge, der allerdings 1865 in Wien geboren wurde, begeisterte die junge Frau aus Pommern mit seiner Idee der rhythmisch-musikalischen Erziehung. Thurau, wie Feudel damals noch hieß, ließ sich vom Schuldienst beurlauben und erwarb 1913 in Dresden-Hellerau das „große Diplom für Rhythmik“. Anschließend legte sie an der Akademie in Berlin-Charlottenburg als Zugabe noch das Musiklehrexamen ab, um fortan als Musiklehrerin zu arbeiten.
Im November 1918 heiratete sie ihre Urlaubsbekanntschaft aus Oberbayern, den auf Landschaftsdarstellungen spezialisierten Maler Alfred Feudel. Das Ehepaar ließ sich im Rheinland nieder, wo die nunmehrige Musiklehrerin Feudel zunächst in Essen tätig war und dann wegen ihrer neuartigen Unterrichtsmethoden an das Konservatorium in Dortmund als Lehrerin berufen wurde.
Eine gefragte Pädagogin
Vor genau 100 Jahren war sie an der Gründung des „Deutschen Rhythmikbundes“ beteiligt. Mit ihrem 1926 veröffentlichten Fachbuch „Rhythmik. Theorie und Praxis der körperlich-musikalischen Erziehung“ brachte sie die rhythmisch-musikalische Erziehung in Deutschland entscheidend auf den Weg.
Feudel leitete ab 1927 die Ausbildungsseminare für Rhythmik am Konservatorium. Daneben publizierte weitere richtungsweisende wissenschaftliche Publikationen und entwickelte sich zur Vorbildlehrkraft in ihrem Fachbereich, was sich auch vorteilhaft auf ihren weiteren beruflichen Weg auswirkte. Sie wurde zunächst als Dozentin an die Folkwangschule nach Essen und dann 1943 als Professorin an die Hochschule für Musik in Leipzig berufen.
Dabei vollzog sie politisch eine Gratwanderung, als sie sich einer Mitgliedschaft in der NSDAP verweigerte. Dennoch kooperierte sie mit dem NS-Regime, denn ihr Fachgebiet, die rhythmische Leibeserziehung für junge Deutsche, war im gewissen Sinne für ihre Vorgesetzten unverzichtbar. Als Mitglied des Deutschen Frauenwerks, der Reichsdozentenschaft, Reichsmusikkammer und des Reichsluftschutzbunds konnte sie mit ihrem Nischendasein als Musikpädagogin die NS-Zeit unbeschadet überstehen.
Sie galt nach 1945 als unbelastet und wurde 1947 für den Wiederaufbau der Musikhochschule in Stuttgart als Dozentin übernommen. Feudel leitete den Bereich „Forschung, Vorträge, Gutachten“ und veröffentlichte 1949 ihr Grundlagenwerk „Durchbruch zum Rhythmischen in der Erziehung“, wobei sie die Notwendigkeit des „harmonischen und gleichwertigen Zusammenspiels von Musik und Körper“ betonte. 1956 übersiedelte die Pädagogin nach Freiburg im Breisgau, wo sie noch Seminare abhielt und am 30. März 1966 starb. Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor.