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Kloster Kolbatz – Wo Mönche die Landschaft zwischen Buchheide und Madü-See prägten
Nachdem wir Pommern von Gartz über Greifenhagen und Pyritz bereisten, wollen wir uns über die Landstraße 114 nach Norden wenden. Vorbei an Madü-See und Neumark fahren wir durch eine alte pommersche Kulturlandschaft, wo dänische Zisterziensermönche und Laienbrüder einst das Land urbar machten und ein schlicht ausgeführtes Kloster aufbauten, das erst heute mit seiner Bausubstanz wieder Wertschätzung erfährt.
1173, so erzählen es die alten Quellen, gründete der pommersche Herzog Wartislaw das noch heute bekannte Kloster Kolbatz. Es galt zu seiner Zeit von der Geschichte her und auch wegen seiner Besitzungen als bedeutendstes unter den pommerschen Feldklöstern. Neben der zunächst vorhandenen Abgeschiedenheit und dem fruchtbaren Land boten sich hier der Fang von Madü-Maränen aus dem See als Fastenspeise an.
Die Plöne, die „dem Madü“ entspringt und zum Dammschen See fließt, bot zudem die Möglichkeit, mit seiner Wasserkraft das Mahlwerk von Mühlen zur Zerkleinerung des vom Acker eingebrachten Getreides zu nutzen. Die Ausläufer der Buchheide sorgten mit ihrem Waldreichtum für das zum Aufbau eines Klosters notwendige Bauholz und Wild für eine reiche Tafel. Alles in allem: ideale Bedingungen für diese herzogliche Stiftung!
Auch Wartislaws Vetter, der pommersche Herzog Bogislaw I., unterstützte das Kulturwerk des zu Ehren der Jungfrau Maria gestifteten Klosters. Es wurde von Zisterziensern aus Esrom (Dänemark) besiedelt und sollte den Namen „Meravallis“ tragen. Zu seiner ersten Besitzung zählte der wendische Dorfrundling Reckow, das längst verschwundene Dorf Reptow sowie die „villa Teutonicorum“, das erste deutsche Dorf Pommerns.
Erwähnenswert ist auch der Besitz von Damm, dem späteren Altdamm, an der Mündung der Plöne in den Dammschen See. Dadurch hatten die Mönche damals die Möglichkeit, den Fluss nicht nur zur Errichtung von Wassermühlen zu nutzen, sondern auch den Unterlauf der Plöne so zu regulieren und zu stauen, damit sie diese bis zur Mündung schiffbar für den Transport von Waren und zur weiteren Gewinnung von Ackerland machen konnten.
Das dreischiffige Langhaus der Klosterkirche mit seiner gotischen Formgebung wurde 1307 vollendet. Den Chor erweiterten die Mönche 1347 und schlossen ihn nach drei Seiten des Achtecks ab. Während Chor und Kreuzgang auch nach der Reformation eine geistliche Nutzung erfuhren, konnte das Langhaus zeitweise als Speicher und Wirtschaftsraum für die Domäne Colbatz genutzt werden.
Als solche wurde das nach der Reformation im Besitz des Landesherrn befindliche Gut vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. 1812 an Amtsrat Karl Friedrich Gaede veräußert. 1816 ging es an seinen Freund, den Reeder Friedrich Wilhelm Krause über, der wegen seines durch Handel erworbenen Reichtums als „König von Swinemünde“ galt und hier den Sommer genoss.
Historische Bausubstanz
Lag der Flecken Kolbatz zunächst etwas abseits, weckten die historischen Mauern nach der Entwicklung Stettins zum Wirtschafts- und Industriestandort sowie der Nutzung der Buchheide zum Naherholungsgebiet im 20. Jahrhundert das Interesse der Wochenendausflügler. Dies vor allem, als neben den Chausseen auch die Bahnstrecke von Finkenwald nach Neumark das Areal erschloss und es so in die greifbare Nähe für die Stettiner rückte.
Auch heute ist noch etwas von der Backsteingotik der Mönche zu bestaunen. Das ist nicht selbstverständlich. Denn der Kirchturm hielt 1978 einem Sturm nicht mehr stand und stürzte in die Tiefe. Erst 2012 bekam die Kirche wieder seine Spitze. Auch das Dach wurde erneuert. Tafeln verraten auch hier, dass europäische Fördergelder ihren Teil zum Bewahren der Klosterkirche mit Kreuzgrundriss und prägendem Ostgiebel beitragen.
Wer den östlichen Teil das Gotteshauses betritt, findet zunächst rechter Hand eine originale Kirchenbank vor sowie ein rotes und im Maßstab gefertigtes Modell der Klosterkirche. Daneben: Ein plastischer Grundriss zur Darstellung des Umfanges des Klosters, vor der historischen Abbildung eines Zisterziensermönches. Dahinter befindet sich ein abgesperrter, aber freigelegter Steinfußboden vor den Rundbögen der Kirche.
Neben dieser lassen sich draußen noch die Reste eines Nebengebäudes, das sich früher an den zentralen Kreuzgang anschloss, eine immer noch landwirtschaftlich genutzte Remise und das Abt‑haus, in dem nun eine Bibliothek untergebracht ist, bewundern. Außer einem alten Gutshaus, welches sich seitlich der Straße nach Stettin befindet, ist das heutige Ortsbild allerdings von zahlreichen Neubauten mit Satteldach geprägt.
Diese Veränderung ist dem Umbruch nach dem Zweiten Weltkrieg geschuldet. Wurde das Gut zunächst 1949 in einen staatlichen Landwirtschaftsbetrieb umgewandelt, so widmete man sich in der Ausrichtung ab 1967 hauptsächlich der Schweinemast. Dies hatte im Folgejahr 1968 zur Folge, dass eine sozialistische Agrar-Siedlung mit Wohnblöcken angelegt wurde. Um dafür Baufreiheit zu erlangen, wurde ein großer Teil der Bestandsbauten abgetragen.
Die noch vorhandene historische Bausubstanz, die in Zügen das alte Kolbatz verkörpert, wurde am 3. Juli 2014 per Dekret des polnischen Präsidenten Bronisław Komorowski zum „Denkmal der Geschichte“ erhoben. Dabei handelt es sich um eine spezielle Kategorie des Denkmalschutzes, die eine Perspektive zum UNESCO-Weltkulturerbe öffnet. Zu Recht! Ist es doch das älteste und größte Zisterzienserkloster Pommerns.