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Der Weltmeister von 2014 Lukas Podolski ist vom Spieler zum Hauptaktionär von Górnik Zabrze im oberschlesischen Hindenburg geworden
Die Profikarriere des 1985 im schlesischen Gleiwitz [Gliwice] geborenen Fußball-Weltmeisters von 2014 Lukas Podolski ist seit vergangenem Monat Geschichte. Einen Tag vor dem letzten Spieltag der polnischen Meisterschaft 2025/26, dem 23. Mai, hatte er auf Instagram angekündigt, seine Karriere im Anschluss zu beenden. Im letzten Spiel seiner Karriere gelang ihm mit seiner Mannschaft Górnik Zabrze ein 6:2-Sieg über Radomiak. Erstmals seit 35 Jahren wurde der Erstligist wieder Vizemeisterschaft. Wenige Wochen zuvor, am 2. Mai, hatten er und seine Mannschaft im Nationalstadion in Warschau gegen Raków Częstochowa mit 2:0 und damit den Polnischen Fußballpokal gewonnen.
Die polnischen Medien berichten über Poldis Abschied überwiegend mit großer Wertschätzung und einer gewissen Emotionalität. Dabei steht weniger seine Karriere als Weltmeister bei der deutschen Nationalmannschaft 2014 als vielmehr seine Verbundenheit mit seinem polnischen Verein Górnik Zabrze im Mittelpunkt. Für den im oberschlesischen Hindenburg [Zabrze] beheimateten Verein spielte er seit 2021. Vier Jahre später, 2025, kaufte er über eine Firma 8,3 Prozent der Aktien von Górnik Zabrze und wurde so hinter der Stadt zum zweitgrößten Anteilseigner des Klubs. Im Monat seines Abschieds als aktiver Spieler kaufte er weitere Anteile am Klub und wurde mit nun 86 Prozent zum Hauptaktionär.
Górnik Zabrze ist einer der traditionsreichsten Fußballvereine in Oberschlesien und der Republik Polen. Sein Vorläufer war bis 1945 die Werksmannschaft SC Preußen Hindenburg (bzw. Preußen Zaborze). Górnik Zabrze wurde am 14. Dezember 1948 gegründet, als im Zuge einer staatlich geförderten Neuordnung des Sports nach dem Zweiten Weltkrieg die vier lokalen Fußballvereine RKS Concordia, KS Pogoń, RKS Skra und KS Zjednoczenie zusammengeschlossen wurden. Der Name „Górnik“ bedeutet „Bergmann“ und verweist auf die starke Verbindung zur Kohleindustrie der Region. In den 50er bis 70er Jahren entwickelte sich Górnik Zabrze zu einer dominierenden Kraft im polnischen Fußball. Besonders in den 60er Jahren gewann der Verein mehrere Meisterschaften. In dieser erfolgreichen Ära gehörte er zu den stärksten polnischen Teams.
Insgesamt wurde der Klub 14-mal Meister. Damit zählt er zu den Rekordmeistern des Staates. Siebenmal gewann er den Pokal und im Jahr 1988 den Superpokal, sprich die Sportvereinigung besiegte als Meister jenes Jahres den Pokalsieger jenes Jahres.
Arbeiter- und Traditionsverein
International machte Górnik Zabrze ebenfalls auf sich aufmerksam: Der Verein erreichte 1970 das Finale des Europapokals der Pokalsieger, verlor dort jedoch gegen Manchester City. Das Erreichen dieses Finales gilt bis heute als einer der größten internationalen Erfolge eines polnischen Vereins.
Ab den 80er und vor allem den 1990er Jahren begann jedoch ein sportlicher und finanzieller Niedergang. Der Klub verlor seine Dominanz, stieg zeitweise ab und kämpfte über Jahre mit wirtschaftlichen Problemen. Trotzdem blieb er durch seine großen Fanbasis und seine industrielle Identität ein bedeutender Traditionsverein. Seit den 2010er Jahren stabilisierte sich Górnik Zabrze sportlich wieder in der höchsten polnischen Liga (Ekstraklasa), ohne jedoch an die goldenen Zeiten anknüpfen zu können. Neue Aufmerksamkeit erhielt der Verein durch den Wechsel von Lukas Podolski, der 2021 als Spieler vom türkischen Fußballverein Antalyaspor kam und dann eine führende Rolle im Klub übernahm.
Heute gilt Górnik Zabrze als historischer Arbeiter- und Traditionsverein, der zwar nicht mehr zur europäischen Spitze gehört, aber in der Republik Polen weiterhin eine große symbolische Bedeutung hat – als Klub mit einer starken Vergangenheit, treuen Fans und dem Anspruch auf sportliche Renaissance.
Mehrere Berichte in Polen betonen, dass Podolski seinen langjährigen Wunsch erfüllt habe, seine Karriere bei seinem Herzensverein in Oberschlesien zu beenden. Sein letztes Spiel wurde in Hindenburg zu einer großen Abschiedsfeier mit Choreografien, Jubel und symbolischen Gesten wie der Übergabe seines Trikots an das Vereinsmuseum.
Haltung von Presse und Behörden
Besonders hervorgehoben wird in Polen, dass der gebürtige Schlesier, der 1987 mit seiner Familie in die Bundesrepublik übersiefelte, nicht einfach verschwindet, sondern dem Verein erhalten bleibt, denn kurz vor seinem Karriereende übernahm seine Holding ja die Mehrheit an Górnik Zabrze. Dieser Prozess der Übernahme verlief jedoch nicht ohne behördliche Hürden. Selbst die polnische Stadtverwaltung Hindenburgs, dem der Verein ja vorher mehrheitlich gehörte, sah in dem Sohn des deutschstämmigen ehemaligen Fußballspielers Waldemar Podolski und der ehemaligen Handballspielerin Krystyna Podolska, die für die polnische Nationalmannschaft aktiv war, eher den Deutschen als den schlesischen Rückkehrer. Viele Medien stellen ihn heute jedoch als die zentrale Figur einer neuen Ära des Traditionsvereins dar: vom Starspieler zum Eigentümer und Gestalter der Zukunft des Klubs.
Nicht zu unterschätzen ist auch die vergangenen Monat zu Ende gegangene Saison 2025/26. Wenn Górnik Zabrze auch nicht die Meisterschaft gewann, so doch unter Podolskis Mitwirkung wenigstens den Pokal. In polnischen Kommentaren wird dies häufig als perfekter Abschluss seiner aktiven Laufbahn beschrieben.
Auffällig ist, dass polnische Medien Podolski seitdem als „einen von uns“ darstellen. Obwohl er Weltmeister mit Deutschland wurde, wird immer wieder auf seine Geburt in Gleiwitz, seine schlesischen Wurzeln und seine lebenslange Unterstützung für Górnik Zabrze verwiesen. Sein Karriereende wird deshalb weniger als Abschied eines deutschen Weltmeisters denn als Abschluss der Geschichte eines lokal verwurzelten Fußballidols erzählt.
Zusammengefasst lautet der Tenor in Polen: Podolski hört zwar als Spieler auf, verlässt die Fußballbühne aber nicht. Vielmehr beginnt für ihn in Hindenburg eine neue Rolle als Vereinsbesitzer und Symbolfigur eines der traditionsreichsten polnischen Klubs. Allerdings scheint Podolski selbst seiner Fußball-Zukunft in der Republik Polen nicht ganz zu trauen, denn bereits vor mehreren Jahren hat er sich mit dem Aufbau einer erfolgreichen Dönerkette in der Bundesrepublik finanziell abgesichert.