11.03.2026

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Entwurf eines Denkmals
Bild: C.K.Entwurf eines Denkmals

E.T.A. HOffmann in Königsberg

Eine endlose Planung mit offenem Ende

Anlässlich des Hoffmann-Jahrs lebt eine alte Diskussion wieder auf – In seiner Geburtsstadt fehlt ein Denkmal für den Dichter

Carsten Kallweit
11.03.2026

Am 24. Januar jährte sich der Geburtstag von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, einem der berühmtesten Königsberger, zum 250. Mal. Obwohl er Königsberg angeblich nicht mochte und es nur „Stadt K.“ nannte, prägten ihn seine Kindheit und Jugend dort tief. Es ist daher nicht verwunderlich, dass seine Königsberger Bekannten, Freunde und sogar er selbst in seinen Werken, die er fernab seiner Heimatstadt verfasste, unverkennbar wiederzuerkennen sind. Und natürlich nimmt Hoffmann in Königsberg einen besonderen Platz ein. Da ein Denkmal für diesen berühmten Königsberger fehlt und bisher alle Versuche, eines zu errichten, gescheitert sind, ist die Diskussion darüber im Hoffmann-Jahr wieder aktuell.

Frühere Versuche scheiterten

Im Mai 1984 wurde beschlossen, auf der Insel Kneiphof einen Skulpturenpark anzulegen. Lange Zeit war jedoch unklar, was genau geplant war. Fünf Jahre später, im Dezember 1989, wurde ein von einer Gruppe Leningrader Künstler entworfenes Konzept für die Entwicklung der Insel veröffentlicht, Zitat: „Die künstlerische Komposition ist der Erinnerung an die untergegangene Stadt Kneiphof gewidmet; sie ist metaphorisch gestaltet und basiert auf den Werken von E.T.A. Hoffmann, der in Königsberg geboren wurde. Sie zeichnet sich durch eine besonders prägnante Gestaltung aus – das Zusammenspiel architektonischer Formen mit den Figuren des deutschen Schriftstellers.“ Die Komposition sollte von Gestalten aus Hoffmanns Werken bevölkert werden – der kleine Zaches, der Sandmann, der Kater Murr, die in einer mystischen Welt leben. Leider wurde dieser Entwurf nie realisiert.
Die Idee, des großen Sohnes der Stadt in Königsberg zu gedenken, blieb jedoch bestehen. Im September 1990 wurde am südöstlichen Ufer des Schlossteiches ein Gedenkstein zu Ehren Hoffmanns enthüllt. Dieser Gedenkstein stellt ein mittelgroßer rosafarbener Felsbrocken dar. Eine an dem Findling angebrachte Gedenktafel weist darauf hin, dass hier 1776 das Geburtshaus des berühmten Königsberger Schriftstellers und Komponisten stand. Die Enthüllung des Gedenksteines hat leider nur vor wenigen Zuschauern stattgefunden. Interessanterweise diente dieser Findling laut dem regionalen Staatsarchiv zuvor als Grundstein für eines der Lenin-Denkmäler in der Stadt.

Der örtliche Denkmalschutzverein hat damals die Initiative ergriffen, auch ein Denkmal für Hoffmann zu errichten. Es wurde sogar an den nächsten Schritt gedacht: den namenlosen Platz am Schlossteich als E.T.A.-Hoffmann-Platz zu benennen und die Grünanlagen des Platzes mit Skulpturen von Figuren aus seinen zeitlosen Werken zu schmücken. Auch diese Initiative wurde nicht verwirklicht.

Die nächste Episode dieser Geschichte spielte sich während der Vorbereitungen zur 750-Jahrfeier von Königsberg ab. Zwei renommierte Bildhauer, Michail Schemjakin und Wjatscheslaw Nasaruk, äußerten den Wunsch, jeweils ein Denkmal für Hoffmann in Königsberg zu entwerfen. Es entstand eine heikle Situation: Wessen Entwurf sollte ausgewählt werden?

Der Platz reicht für mehrere Denkmale

Die Stadtverwaltung präsentierte damals eine elegante Lösung und meinte, in der Stadt gäbe es Platz für zwei Hoffmann-Denkmäler. Die Hoffmann-Skulptur des russischen Künst-lers Nasaruk würde perfekt in den Innenhof der nach ihm benannten Musikschule passen, und ein Werk des russisch-amerikanischen Avantgarde-Künstlers Michail Schemjakin (der übrigens unmittelbar nach dem Krieg mit seinen Eltern in Königsberg lebte) könnte den Platz an der Hufenallee gegenüber dem Tiergarten schmücken. Diese Vorschläge wären durchaus realisierbar, zumal sie keine Ausgaben aus dem Stadthaushalt erforderten. Die Stadt würde lediglich die Raumgestaltung rund um die Denkmäler übernehmen.
Ein weiterer Standort für Schemjakins Skulptur wurde ebenfalls in Betracht gezogen – der Platz, an dem sich derzeit der Hoffmann-Gedenkstein befindet. Sie sollte Teil eines geräumigen Häuserblocks werden, in dessen Zentrum ein Musiktheater geplant war. Dieses Großprojekt blieb aber nur auf dem Papier. Auch die Entwürfe von Schemjakin und Nasaruk wurden bisher nicht verwirklicht. Umstände, die weit von künstlerischen Erwägungen entfernt waren, spielten eine Rolle – vor allem finanzieller Natur, wie es scheint.

Zwischendurch berichteten 2011 mehrere örtliche Medien, dass ein Hoffmann-Denkmal, geschaffen vom jungen Bildhauer und Absolventen der Minsker Kunstakademie Sergej Arischtschenko, neben dem Regionalmuseum für Geschichte und Kunst aufgestellt werden sollte. In der Skulptur strebte der Künstler vor allem eine porträthafte Ähnlichkeit mit Hoffmann an. Er versuchte aber auch, seine Zerrissenheit zwischen der künstlerischen Veranlagung und dem Einerlei als preußischer Beamter zum Ausdruck zu bringen. Es hieß damals, alle notwendigen Dokumente und Mittel für den Guss des Denkmals würden gesammelt. Doch auch hier kam es zu einem Misserfolg.

Eine Büste im Regionalmuseum

Ein kleines Ehrenmal für Hoffmann existiert jedoch in Königsberg – es ist eine Bronzebüste des Schriftstellers mit Abbildungen von Figuren aus seinen Werken auf der Rückseite. Die Büste steht derzeit in dem Regionalmuseum für Geschichte und Kunst. Es wäre jedoch naheliegend, die Büste direkt neben der ehemaligen Stadthalle aufzustellen – schließlich verlief hier die Französische Straße, Hoffmanns Geburtsort. Bislang konnten jedoch noch nicht alle erforderlichen Genehmigungen eingeholt werden.
Schließlich hatte eine Arbeitsgruppe des Regionalrats für Kultur 2023 die Errichtung einer Hoffmann-Skulptur am Brandenburger Tor diskutiert. Die Initiative wurde aber verworfen, man suchte einen anderen Standort für die Figur.

Es handelte sich um ein Bildwerk, das von dem Besitzer einer örtlichen Marzipanmanufaktur in Auftrag gegeben worden war.
Eine E.T.A.-Hoffmann-Allee und ein kleines Denkmal für den Schriftsteller gibt es in Bad Rauschen an der Ostesseküste, einer beschaulichen Stadt mit märchenhafter Atmosphäre von Hoffmanns Novellen. Viele Königsberger sind jedoch überzeugt, dass ein Denkmal für Hoffmann in seiner Geburtsstadt mehr als angebracht wäre. Ein Denkmal für den großen Sohn der Stadt würde mit Sicherheit auch zu einer Touristenattraktion werden.


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