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Eine Revolution in der Gen-Analyse gibt völlig neue Einsichten: Allzu zeitgeistige Erzählungen über unsere Geschichte geraten dadurch ins Wanken – was heftige Reaktionen linker Wissenschaftler provoziert
Mit dem Aufkommen der Radiokarbondatierung gerieten viele bislang als unumstößlich geltende Chronologien ins Wanken. So schrieb der britische Prähistoriker Colin Renfrew schon 1973: „In unseren Lehrbüchern steht vieles zur ... Geschichte, was nicht ganz passt oder zum Teil sogar schlichtweg falsch ist.“ Heute erleben wir eine Neuauflage dieser Glaubwürdigkeitskrise der Geschichtswissenschaft – nunmehr verursacht durch die immer vielfältiger werdenden Möglichkeiten bei der Untersuchung sogenannter Alter DNA (aDNA), also der Reste von Erbgutmolekülen in toten Organismen, die den Siegeszug der Archäogenetik einläuteten.
Dem neuen Forschungszweig verdanken wir mittlerweile die Lösung etlicher Rätsel: Die Etrusker, über deren Herkunft man schon seit Ewigkeiten streitet, stammen neuesten aDNA-Analysen zufolge wohl von der Iberischen Halbinsel und nicht aus Anatolien oder anderswo im Osten. Desgleichen ist nun klar, dass das Reitervolk der Awaren, das 567 n. Chr. wie aus dem Nichts in der Pannonischen Tiefebene auftauchte und weite Teile Südosteuropas annektierte, zuvor in der mongolischen Steppe gelebt hatte und innerhalb nur einer einzigen Generation nach Westen vorgedrungen war. Ebenso fanden Archäogenetiker endlich das wahre Ursprungszentrum des „Schwarzen Todes“, also der verheerenden Pestepidemie ab 1346: Es lag am Fuß des Tienschan-Gebirges in Kirgisien, wo man schon 1338 die ersten Pestleichen begrub.
Die „schwarze Frau“ war blond
Im Übrigen weiß man jetzt aus aDNA-Analysen, dass Christoph Kolumbus jüdische Vorfahren hatte und das legendäre Findelkind Kaspar Hauser doch nicht der entführte leibliche Sohn des Großherzogs Karl Ludwig Friedrich von Baden und dessen Ehefrau Stéphanie de Beauharnais gewesen ist. Dieser Nachweis gelang der prominenten britischen Genetikerin Turi King, die auch die Erbgutreste an dem Stoff der Couch untersuchte, auf der Adolf Hitler am 30. April 1945 Selbstmord beging. Dabei fand King drei Dinge heraus: Zum Ersten hatte der „Führer“ definitiv keine jüdischen Wurzeln, wie oft spekuliert wurde, zum Zweiten gibt es aDNA-Hinweise auf eine manisch-depressive Psychose und zum Dritten litt der Diktator höchstwahrscheinlich unter dem Kallmann-Syndrom, einer genetisch bedingten Entwicklungsstörung der Keimdrüsen.
Wie diese Beispiele zeigen, brachte die Archäogenetik nicht zuletzt die Medizingeschichte voran. So widerlegte sie auch die zählebige Legende, dass das Europa des 15. und 16. Jahrhunderts die Quelle fast aller Infektionskrankheiten gewesen sei, welche die amerikanische Urbevölkerung dezimierten. Der Nachweis alter Bakterien-DNA belegt, dass Tuberkulose, Scharlach, Pocken und ähnliche Plagen schon lange vor der Ankunft der europäischen Eroberer in der Neuen Welt grassierten – wahrscheinlich als Mitbringsel bei der Besiedlung des Doppelkontinents über die Beringstraße vor 15.500 Jahren.
Darüber hinaus räumten die Archäogenetiker noch mit anderen politisch korrekten Ammenmärchen auf. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Fall der „ersten bekannten schwarzen Britin“. 2012 verorteten schottische Wissenschaftler die Herkunftsregion der weiblichen Person aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr., deren Überreste 2012 bei Beachy Head an der englischen Kanalküste gefunden wurden, südlich der Sahara. Andy Walton und William Marsh vom Natural History Museum London bewiesen dann jedoch im vergangenen Jahr durch ihre aDNA-Untersuchungen, dass die Frau aus Südengland stammte und blond gewesen war. Ähnlich brisant fielen die neueren archäogenetische Befunde zum Ursprung der mitteleuropäischen Landwirtschaft und zu den blutigen Folgen vergangener Migrationsvorgänge aus.
Lange wurde der Siegeszug von Ackerbau und Viehzucht in Mitteleuropa ausschließlich durch die Zuwanderung „anatolischer Lehrmeister“ erklärt. Nun erbrachte die Untersuchung des Erbmaterials aus jungsteinzeitlichen Gräbern im Elbe-Saale-Gebiet: Den ersten Bauern aus dem Nahen Osten, die vor 7.500 Jahren eintrafen, folgten alsbald Landwirte aus Nordeuropa und später zudem noch andere Nichtnomaden aus Osteuropa und dem Westen unseres Kontinents.
Zu den westeuropäischen Neusiedlern zählten auch die Träger der Glockenbecherkultur, die im Übergang von der Jungsteinzeit zur Kupferzeit vielfach als brutale Eroberer auftraten und vor 4000 Jahren fast die gesamte Urbevölkerung Britanniens verdrängten, wie aDNA-Profile beweisen. Auf weitere Ausrottungswellen zwischen 2500 und 2000 v. Chr. als Folge des Zustroms fremder Völker stießen die Archäogenetiker bei der Analyse des Genpools der Bevölkerung der Iberischen Halbinsel.
Reaktion: die Nazi-Keule
Die Behauptung, dass es zum Ende der Jungsteinzeit zu keinen größeren menschlichen Wanderungsbewegungen, sondern lediglich zu einer Weiterverbreitung neuer Kulturtechniken quer durch Eurasien gekommen sei, erwies sich somit als falsch. Erbgutlinien, die plötzlich für immer verschwinden oder das bisherige Genmaterial in einer Region komplett ersetzen, sprechen eine unmissverständliche Sprache und zeugen von den tödlichen Gefahren, die aus Massenmigration resultieren können.
Angesichts all dessen wird natürlich Kritik an den oft wenig zeitgeistkonformen Befunden der Archäogenetiker laut. Dabei findet manchmal sogar die Nazi-Keule Verwendung. So meinte der Archäologe Volker Heyd von der University of Bristol, die Fokussierung auf die biologischen Aspekte der Geschichte gemahne an die Vorgehensweise von deutschen Prähistorikern wie Gustaf Kossinna, deren Thesen die nationalsozialistischen Ideologen inspiriert hätten.
Und die Anthropologieprofessorin Ann Horsburgh von der Southern Methodist University in Dallas, USA, klagte über den „molekularen Chauvinismus“ vieler Archäogenetiker, wonach sie an die Ausgräber appellierte, genau zu prüfen, welches Material für DNA-Analysen herausgegeben werden sollte. Das legt den Schluss nahe, dass es manchen Wissenschaftlern lieber wäre, wenn Relikte aus der Vergangenheit, deren Untersuchung die politischen Dogmen von heute erschüttern könnte, für immer in den Tiefen der Magazine verschwänden.
Fact Checker am 25.06.26, 10:05 Uhr
Ein interessanter Ansatz, allerdings verlässt der Text an entscheidenden Stellen den Boden der seriösen Wissenschaft. Die Behauptung, die Genetikerin Turi King habe alte DNA von Adolf Hitlers „Selbstmord-Couch“ isoliert, um Krankheiten nachzuweisen, ist schlichtweg frei erfunden; ein solches verifiziertes Material existiert in der Forschung überhaupt nicht. Ebenso falsch ist die Behauptung, Pocken und Scharlach seien schon 15.500 Jahre vor Kolumbus in Amerika heimisch gewesen – die Paläopathologie belegt eindeutig, dass diese Erreger erst nach 1492 von Europäern eingeschleppt wurden und zum demografischen Kollaps der indigenen Bevölkerung führten. Auch bei den Etruskern greift die These einer Herkunft von der Iberischen Halbinsel zu kurz, da aktuelle Studien aus 2021 eine enge genetische Verwandtschaft mit den italischen Nachbarn und den europäischen Steppenhirten zeigen. Wenn man mit alten Mythen aufräumen will, sollte man die faszinierende Archäogenetik nicht für ideologische Narrative einspannen und durch neue Fehlinformationen ersetzen.
Kersti Wolnow am 23.06.26, 18:01 Uhr
sitra achra
Danke, wer glaubt den derzeitigen Institutionen, zumal die zu DNS in DNA amerikanisieren? Überall? In der Schule hatte ich noch die richtige Bezeichnung, aber das wurde verschoben wie alles. Die Amis. die Kultursieger mit Mc Donald und DNA haben alles im Griff von den Wissenschaften (die keine mehr sind) bis zur Ideologie der Gleichheit (es gibt keine Völker). Schreckliche satanische Ideologie!!!
sitra achra am 17.06.26, 15:57 Uhr
@Kersti Wolnow
Liebe Kerstin, Ihnen kann geholfen werden, wenn Sie ihre genetische Herkunft bestimmen wollen. Der Ihnen vererbte Haplocode lässt sich von diversen Anbietern bestimmen, sowohl die väterlich dominante wie die matriarchale Linie. Stiftung Warentest hat gegen Bezahlung diverse Anbieter getestet. Viel Erfolg bei der Abstammungssuche!
Gregor Scharf am 16.06.26, 14:32 Uhr
Dass der GRÖFAZ nicht alle Tassen im Schrank hatte, bedarf wohl keiner wissenschaftlichen Analyse, die Richtigstellung seiner Herkunft schon, zumal der russische Aussenminister Lawrow vor gar nicht all zu langer Zeit darauf hinwies, dass Hitler angeblich jüdischer Abstammung sei. Guten Tag Herr Lawrow, dumm gelaufen.
Die gesamte Geschichtsverklärung unserer Tage passt absolut nicht zu den Geschichtswissenschaften bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. In den Büchern von damals steht etwas anderes. Es deckt sich mit dem, was oben geschrieben steht.
Geschichtsfälschung dient immer den Machthabern zur Steuerung, Verdummung, Verängstigung, Vernichtung und Ausbeutung ganzer Völker und Kulturen. Sie sichert deren Einkünfte und Position. Nur im Inneren der Völker, in den Genen, stecken die alten Überlieferungen und Herkünfte. Die Gefühle, die kulturelle Lebensweise, die Prägungen und Erfahrungen mit anderen Völkern lassen sich nicht wegreden oder gar verbieten. Ein Germane bleibt ein Germane und eine Nubier bleibt ein solcher. Das passt natürlich nicht ins Konzept der Gleichmacherei. Die Felle schwimmen davon, die Lügen zerplatzen wie Seifenblasen und bald sind sie die Gejagten. Kein Wunder also, dass sie keifen, warnen, verfolgen und die Gesetze verbiegen. Wissenschaft lässt sich nicht belügen. Und manche Wissenschaftler sind eben nicht käuflich und erstellen Gefälligkeitsgutachten. Das Kartenhaus der bolschewistischen Ära und die Nazi-Legenden wanken mehr und mehr, ein Traum für Freiheitsliebende.
Kersti Wolnow am 16.06.26, 11:39 Uhr
Was für ein großartiger Artikel, in dem alte Mythen zurechtgeschoben werden. Ich hatte vor Jahren eine Reportage über eine über 1000 jährige Sumpfleiche in Dänemark gesehen, in der die Obduktion ergeben hatte, daß es ein 17 jähriges Mädchen aus dem Schwarzwald war, das das 3. Mal in Dänemark war, wohl eine Händlerin. Seitdem beschäftigt mich die Frage, warum es keinen Industriezweig gibt, durch den man feststellen lassen kann, woher man abstammt. Für mich wäre das insofern interessant, weil ich mütterlicherseits aus Ostpreußen von Landwirten und väterlicherseits von vogtländischen Handwerkern abstamme. Welchem germanischen Stamm ich entstamme, könnte festgestellt werden. Aber das ist wohl politisch nicht erwünscht in einer Zeit, wo wir alle gleich zu sein haben.
Nicht einmal zu meiner Schulzeit habe ich an die Darwinsche Lehre geglaubt und daß des Menschen Wiege in Afrika stand. Wer hat ein Interesse an diesen Verfälschungen aller Art bis zur heutigen Klimareligion?
sitra achra am 15.06.26, 17:06 Uhr
Kein Gen ist illegal!
Michael Lamberts am 14.06.26, 20:38 Uhr
Guter Artikel! Ich lese Ihre Online-Ausgabe immer wieder gern.