Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Günther Ungeheuers Gastauftritte als mehr oder weniger zwielichtige und verdächtige Gestalt adelten Westdeutschlands Krimiserien
Nomen est omen. Günther Ungeheuers neben der Schauspielerei gern auch für Synchronisationen und Hörspiele eingesetztes spöttisch und zynisch klingendes Organ, seine wohlgesetzten, mit ruhiger Stimme und diabolischem Grinsen vorgetragenen Worte konnten den Zuschauer vor ihm erschaudern lassen – wie vor einem Ungeheuer. Es wäre schade um ihn und für uns gewesen, wenn dieser Freund der Natur und schöner, alter Waffen seinen anfänglich angestrebten Beruf, den des Försters, ergriffen hätte. Nichts gegen Förster, aber was wäre (West-)Deutschlands Theaterbesuchern und Fernsehzuschauern verloren gegangen? Auch auf mitteldeutschen Bühnen aufzutreten oder in gesamtdeutschen Fernseh- und Filmproduktionen mitzuwirken war dem gebürtigen Preußen nicht vergönnt. Dieser Schauspieler der Bonner Republik starb keinen Monat vor dem Mauerfall, am 13. Oktober 1989, in Bonn in einem dortigen Krankenhaus an Lymphdrüsenkrebs.
Vor 100 Jahren, am 15. Dezember 1925, kam Ungeheuer in Köln zur Welt. Schon früh faszinierte ihn die Schauspielerei. Er entstammte zwar keiner Künstlerfamilie, aber sein Vater – ein Ingenieur – war tolerant genug, ihn zu fördern, sofern er denn in seiner 1942 begonnenen Ausbildung an der Schauspielschule der Städtischen Bühnen Köln messbare Erfolge erzielte. Und das tat er.
Unterbrochen wurde Ungeheuers berufliche Entwicklung denn auch nicht von seinem Vater, sondern von Vater Staat. Dieser zog ihn zum Kriegsdienst ein. Erst kämpfte er an der Ost-, dann an der Westfront, wo er in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet.
Er hatte das Glück, bereits 1945 wieder entlassen zu werden, und übte bereits wenige Tage darauf wieder seinen Beruf in seiner Geburts- und Heimatstadt aus. Es folgten Engagements in Bonn ab 1946, Trier ab 1951, Münster ab 1952, Oberhausen ab 1954 und Göttingen von 1956 bis 1964. Schließlich wagte er den Schritt in die Ungebundenheit, die Selbstständigkeit. Das ließ ihm eine größere Freiheit bei der Wahl der Rollen und der Dichte der Auftritte. Er spielte in vielen Klassikern mit. Zu seinen Paraderollen gehörte die des Mackie Messer aus der „Dreigroschenoper“.
Nach seinem Leinwanddebüt 1957 in einem Schwank fand er auch in diesem Metier seine Paraderolle als ebenso intelligenter wie durchtriebener Bösewicht. Filme wie „Hunde, wollt ihr ewig leben“, „Fabrik der Offiziere“, „Mensch und Bestie“ sowie schließlich „Polizeirevier Davidswache“ von 1964 und „Ein Mann namens Harry Brent“ von 1968 verschafften ihm den Durchbruch. Danach kam kaum eine gute Krimiserie ohne einen Gastauftritt von ihm als mehr oder weniger zwielichtige und verdächtige Gestalt aus.