13.10.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Todesrate höher als in den gewalttätigsten Epochen der modernen Gesellschaft: Kampfbereiter Steinzeitkrieger
Bild: ShutterstockTodesrate höher als in den gewalttätigsten Epochen der modernen Gesellschaft: Kampfbereiter Steinzeitkrieger

Es ging immer schon blutig zu

Forscher zerlegen linke Utopie

Marxisten behaupten, am Anfang der Menschheitsgeschichte habe eine friedliche Urgesellschaft gestanden. Funde belegen jedoch: In Wahrheit begleiten Krieg und Gewalt unsere Spezies von Anbeginn

Dr. Wolfgang Kaufmann
20.09.2026

Der Mensch besitzt von Natur aus einen gewissen Hang zur Gewalttätigkeit: Im Durchschnitt resultieren zwei Prozent aller Todesfälle weltweit aus Mord und Totschlag oder Kriegshandlungen. Aber seit wann gibt es überhaupt Kriege? Und hat erst der Mensch den Krieg erfunden? Die britische Primatenforscherin Jane Goodall berichtet über einen vierjährigen „Schimpansenkrieg“ in Tansania, an dessen Ende die Ausrottung der unterlegenen Partei stand. Solche Entdeckungen beantworten aber noch nicht die Frage, ob es die systematische tödliche Gewalt in Form von größeren Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Gruppen schon seit Anbeginn der Existenz des Homo sapiens gegeben hat, oder ob unter den steinzeitlichen Jägern und Sammlern zunächst eher Frieden herrschte.

In dieser Frage stehen sich die Anhänger der Staats- und Gesellschaftstheorie des englischen Philosophen Thomas Hobbes (1588–1679) und diejenigen der Lehren des französischen Aufklärers Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) konträr gegenüber: Die Hobbesianer glauben, dass unsere Spezies grundsätzlich zum „Krieg aller gegen alle“ neige, wenn keine starke Obrigkeit Einhalt gebiete. Dahingegen meinen die Rousseauisten, der Mensch sei „im Urzustand unschuldig“ gewesen und erst durch die Sesshaftigkeit beziehungsweise die Einführung des Privateigentums zum Ende der Steinzeit verdorben worden.

Überfälle und brutale Fehden

Konkret schrieb der niederländische Historiker Rutger Bregman in seinem 2019 erschienenen Buch „Im Grunde gut: Eine neue Geschichte der Menschheit“: „Was passiert, wenn wir eine Gesellschaft untersuchen, die keine Siedlungen, keine Landwirtschaft und keine Pferde hat? ... Sie können es erraten: Krieg ist eine große Seltenheit.“ Das krasse Gegenteil behauptet der kanadische Kognitionswissenschaftler und Experimentalpsychologe Steven Pinker seiner Schrift „Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit“: „In Ermangelung von Regierungen ... neigen Stammesvölker dazu, in Zyklen von Überfällen und Fehden zu fallen, wobei die Todesraten höher liegen als in den gewalttätigsten Epochen der modernen Gesellschaft.“

Betrachtet man die archäologischen Befunde, so neigt sich die Waagschale klar zugunsten von Hobbesianern wie Pinker. Das älteste Beispiel für kriegerische Gewalt beim Homo sapiens ist der Schädel aus der Qafzeh-Höhle in Israel. Er stammt von einer Person, der vor 100.000 Jahren mit einer Steinkeule ins Gesicht geschlagen wurde. Gezielter Gewalt fielen zudem auch die meisten der 61 Menschen zum Opfer, die man vor rund 13.500 Jahren am Jebel Sahaba an der heutigen ägyptisch-sudanesischen Grenze verscharrt hatte. Und die 27 Skelette aus der archäologischen Stätte von Nataruk in Kenia weisen ebenso auf ein Gemetzel oder Kampfgetümmel vor rund 10.000 Jahren hin. Mit Blick auf diese und ähnliche Funde ging der US-amerikanische Ökonom und Verhaltensforscher Samuel Bowles davon aus, dass um die 14 Prozent aller Todesfälle in nichtsesshaften Jäger- und Sammler-Gesellschaften aus zwischenmenschlichen Kampfhandlungen beziehungsweise Kriegen resultierten, obgleich es exzessive Gewalt nur in jeder zweiten Wildbeuter-Kultur gegeben habe.

Gleichzeitig sehen die Hobbesianer eine Zunahme von Umfang und Intensität der Kriege vor rund 10.000 Jahren, also mit Beginn der Jungsteinzeit. Die Ursachen hierfür scheinen auch klar: Eine höhere Bevölkerungsdichte und wachsende soziale Komplexität durch den Übergang zur Sesshaftigkeit und die Anhäufung von Besitztümern bei Individuen oder Gruppen. Dadurch wurde der Krieg nun immer mehr zur allgemeingültigen Norm, vor allem als dann in der Bronzezeit auch noch Waffen aus Metall zum Einsatz kamen, so wie in der Schlacht im Tollensetal im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Diese Entwicklung erreichte ihren ersten Höhepunkt, als entlang des Nils und in Mesopotamien Stadtstaaten und kleinere Königreiche entstanden. So tobte um 3500 v. Chr. ein heftiger Krieg zwischen den Bewohnern des Tell Hamoukar in Nordostsyrien und dem Heer Uruks.

Auch lange Phasen des Friedens

Allerdings gab es stets auch Phasen, in denen in räumlich begrenzten Gebieten rund um den Globus über einen teilweise recht langen Zeitraum Frieden herrschte oder nur relativ kleine Konflikte auf kriegerische Weise ausgetragen wurden. Diese friedlichen Intermezzi hatten ganz unterschiedliche Gründe. So vereinbarten die Hauptmächte des Nahen Ostens, also das Ägypten der Pharaonen, das Assyrische Reich in Mesopotamien und das Reich der Hethiter, welches sich über Anatolien, Nordsyrien und Teile der Levante erstreckte, zwischen etwa 1400 und 1200 v. Chr. mehrmals ausgedehnte Waffenruhen. Grund war, dass die „Großen Könige“ einander als ebenbürtig respektierten, was die Möglichkeit eröffnete, territoriale und andere Differenzen durch formelle Verträge beizulegen.

Ein anderes Beispiel ist das von 387 bis 501 n. Chr. währende „Lange Fünfte Jahrhundert“ in der gemeinsamen Geschichte des antiken Römischen Reiches und des Großreiches der persischen Dynastie der Sassaniden. Die beiden Reiche hatten sich zuvor bis aufs Messer bekämpft – so starb der römische Kaiser Valerian in persischer Gefangenschaft, nachdem er 260 als Verlierer aus der Schlacht von Edessa hervorgegangen war. Im 5. Jahrhundert standen beide Supermächte dann aber mit dem Rücken zur Wand, weil sie von anderen Feinden bedroht wurden: Die Römer von den Westgoten, Vandalen und Hunnen und die Perser von den Hephthaliten aus Zentralasien. Daraus erwuchs eine zeitweise „Bruderschaft“ zwischen Rom beziehungsweise Byzanz und Ktesiphon.

Und in China wiederum existierten zwischen 1000 und 1200 fünf Dynastien nebeneinander, was dennoch zu keinem großen Gemetzel führte, weil die großen reichen Dynastien ihre aggressiven kleineren Konkurrenten mit regelmäßigen Schutzgeldzahlungen ruhigstellten.

Ebenso herrschte von etwa 1450 bis 1777 ein langer Frieden unter den ehemals verfeindeten irokesischen Nationen Mohawk, Oneida, Onondaga, Cayuga, Tuscarora und Seneca in Nordamerika. Dieser kam auf Initiative des „Himmlischen Boten“ und heutigen Nationalhelden der Irokesen, Deganawidah, zustande und endete erst im Zuge des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentare

sitra achra am 22.09.26, 18:29 Uhr

Wie man bei I.Schafarewitsch (Der Todestrieb in der Geschichte) lesen kann, war Marx kein Wissenschaftler.Die meisten seiner Ausführungen, s.DasKapital, sind unwissenschaftlich und entspringen realitätsfernen Wunschvorstellungen.
Seine Adepten faseln von sozialer Gerechtigkeit, ewigem Weltfrieden und prophezeien wider besseres Wissen den neuen Menschen, der höchstwahrscheinlich der alte Adam sein wird. Auf den Weg dahin sollen alle Menschen, die dem Sozialismus im Weg stehen, ausgerottet werden.
Eine konfliktfreie sozialistische Schlafmützenwelt wird es also nicht geben. Wir müssen darauf gefasst sein, dass periodisch gewalttätige Auseinandersetzungen auftreten.
Jedoch haben wir es in der Hand, durch rationales Verhalten apokalyptische Exzesse zu vermeiden.

Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS