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Ein Bauer stieß gleich mehrfach in der Nähe von Klein Tromp auf wertvolle römische Münzen – doch wie kamen die dorthin?
Die Dankwarts waren Freibauern, die ihre Äcker rund um das Dorf Klein Tromp im ostpreußischen Kreis Braunsberg schon seit der Zeit des Deutschen Ordens bearbeiteten. Dabei klaubten sie auf einem Hügel unweit der Landstraße nach Groß Tromp, wo heute inzwischen eine Radaranlage der polnischen Streitkräfte steht, ab und an einzelne Goldmünzen aus der Erde. Das war der Grund, warum die Anhöhe den Namen Goldberg erhielt.
Am 22. Juni 1822 pflügte Jakob Dankwart hier mal wieder ein Feld um, wobei er in der Ackerfurche plötzlich auf einen ganzen Hort von Goldmünzen stieß. Da der Bauer sich an die geltenden Gesetze hielt, meldete er seinen Fund den Behörden, die wiederum veranlassten, dass die 97 Geldstücke nach Königsberg gebracht wurden. Dort untersuchte der Universitätsprofessor Johannes Voigt den Fundkomplex, worüber er dann im Jahr 1823 einen ausführlichen Bericht vorlegte. Und dessen Inhalt ließ gewaltig aufhorchen: Bei den Münzen handelte es sich bis auf eine Ausnahme um römische Solidi aus der Zeit zwischen 364 und 455 n. Chr.
Jahresgehalt gefunden
Der Solidus war eine rund 4,5 Gramm schwere Goldmünze, die im Jahre 309 von Konstantin dem Großen eingeführt und zuerst in Augusta Trevorum (Trier) hergestellt wurde. Später kamen dann noch Prägungen aus Städten wie Rom, Konstantinopel, Ravenna, Sirmium, Nikomedia, Thessaloniki und Aquileia hinzu, von denen jeweils auch mehrere zum Hort von Klein Tromp gehörten. Außerdem stellte Voigt fest, dass die Münzen die Abbilder der ost- oder weströmischen Kaiser Arcadius, Honorius, Constans II., Theodosius II., Johannes und Valentinianus III. sowie der kaiserlichen Schwestern beziehungsweise Gemahlinnen Galla Placidia, Aelia Eudoxia, Grata Honoria und Aelia Pulcheria zeigten. Aufgrund ihres hohen Feingoldgehaltes und ihrer teilweisen Seltenheit bei gleichzeitig exzellenter Erhaltung – für derartige Münzen zahlen Sammler heute fünfstellige Summen – hatten die Solidi schon 1823 einen beträchtlichen Gesamtwert von 500 Preußischen Talern. Zum Vergleich: Ein Taler entsprach damals in etwa dem
Wochenlohn eines Arbeiters.
Die besagten 97 Prägungen aus Klein Tromp, bei denen es sich um den größten Fund römischer Goldmünzen im gesamten Baltikum handelte, wurden auf Weisung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. am 8. April 1823 nach Berlin geschickt.
Danach regelte eine weitere königliche Kabinettsorder vom 28. April 1823 die Aufteilung des Fundes: Ein Großteil der Solidi ging an das Königliche Münzkabinett, das heute Teil der Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin ist, in denen noch immer 62 der Stücke liegen. Weitere zwölf Exemplare erhielt das Münzkabinett der Universität Königsberg. Aus diesem verschwanden die Solidi im Verlaufe des Zweiten Weltkriegs – allerdings tauchten drei der Prägungen 2003 als „herrenloses Kunstgut“ an der Georg-August-Universität Göttingen auf. Darüber hinaus ordnete Friedrich Wilhelm III. an, dass der ehrliche Finder und Grundstückseigentümer Jakob Dankwart sechs Münzen überreicht bekam.
Diese Belohnung spielte wohl eine Rolle, als 1838 erneut 43 römische Solidi aus dem 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. auf dem Goldberg an die Oberfläche gepflügt wurden. Wiederum gab Dankwart, der dann 1844 im Alter von 74 Jahren starb, die Münzen an die Behörden weiter, wobei die Quellen aber keine Informationen darüber enthalten, ob Friedrich Wilhelm III. dem Bauern erneut einen Anteil an dem Fund zubilligte. Auf jeden Fall ging die Mehrheit der Stücke wieder an die Münzkabinette in Berlin und Königsberg.
Drei Fund-Theorien
Während Alter und Herkunft der Goldprägungen schon kurz nach ihrer Auffindung zweifelsfrei festgestellt werden konnten, ist unklar, auf welchem Wege sie nach Ostpreußen gelangten. Hierzu gibt es drei Theorien. Die ersten beiden besagen, dass aus dem Orient zurückgekehrte Ritter des Deutschen Ordens oder Fernhändler die Münzen an die Ostsee gebracht hätten. Dies ist jedoch recht unwahrscheinlich, weil ihr ausnahmslos hervorragender Erhaltungszustand darauf hindeutet, dass sie nicht durch zahllose Hände gewandert und erst einige Jahrhunderte nach der Prägung in die Erde geraten waren. Dahingegen mutet die letzte Theorie, die Johannes Voigt bereits am 21. Februar 1823 in einem Brief an den preußischen König selbst formulierte, wesentlich plausibler an.
Um 519 n. Chr. verfasste der spätantike römische Gelehrte Cassiodor im Auftrag von Theoderich dem Großen, der von 493 bis 526 als Herrscher der Ostgoten regierte, eine „Geschichte der Goten“. Darin schilderte er, wie eine Gruppe der Ästier, die im Baltikum siedelten, an den Hof des Königs in Ravenna kam und dem Monarchen eine größere Menge Bernstein zum Geschenk machte. Dies soll Theoderich ebenso begeistert haben wie der Umstand, dass sein Ruf augenscheinlich „bis an die Grenzen der Erde“ reichte. Deshalb revanchierte er sich bei den Ästiern mit wertvollen Gegengaben. Und angesichts der damaligen Bräuche gehörten dazu laut Voigt auch römische Goldmünzen, welche die Ostgoten im Laufe ihrer Eroberungszüge erbeutet hatten.