Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Wie der Deutsche Orden als Werkzeug Gottes die Heiden besiegte und mit versierter Kriegskunst das Land zivilisierte
Am 6. Juli im Jahr 1324 wurde der aus Hessen stammende Kleriker Werner von Orseln zum 17. Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der vom Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem gegründete Staat, der an der südlichen Ostseeküste, der von Pommerellen über das heutige Ostpreußen bis nach Livland reichte, in einer prekären Lage. Er stand im Krieg mit dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen – zwei Mächten, die sich gerade anschickten, eine Allianz zu schmieden. Darüber hinaus galt es, die Existenz des Ordensstaates gegenüber Kritikern und Neidern in der christlichen Welt zu rechtfertigen. Also beauftragte der Hochmeister den Ordensbruder Petrus de Dusburgk mit der Abfassung einer Schrift namens „Chronicon terrae Prussiae“, welche die bisherigen Leistungen des Deutschen Ordens bei der Eroberung des Prußenlandes ins rechte Licht rücken und die Ordensgemeinschaft zudem motivieren sollte, in ihrem religiösen und weltlichen Kampf fortzufahren.
Der Chronist, der später meist nur „Peter von Dusburg“ genannt wurde, stammte nicht – wie vielfach angenommen – aus Duisburg am Rhein, sondern aus Doesburg an der Ijssel in der niederländischen Provinz Gelderland. Möglicherweise war der Geistliche Kanoniker in Marienwerder, Ragnit oder Königsberg gewesen. Auf jeden Fall muss er einen recht engen Kontakt zum Ordenshochmeister und Zugang zu allerlei schriftlichen Quellen und Zeitzeugen aus dem Orden gehabt haben.
Die mehrere hundert Seiten umfassende Chronik war 1326 fertig und ging dann direkt an von Orseln zur Begutachtung. Im Prolog seines Werkes verwies von Dusburg darauf, dass die Ordensleute bei der Eroberung des Prußenlandes als „Werkzeuge Gottes“ fungiert hätten und ihre Erfolge im Kampf und bei der Bekehrung der „Heiden“ ein Beweis für die „Gnade des Herrn“ seien. Dem schlossen sich vier Hauptteile an.
Gegen die Heiden, für den Papst
Der erste trug den Titel „Gründungsgeschichte des Deutschen Ordens“ und war von dem Bemühen geprägt, die Legitimation des Ordens und seiner Herrschaft aus dem harmonischen Zusammenwirken von Papst und Kaiser zu erklären, das es allerdings so nie gegeben hatte. Im zweiten Teil über den „Einzug der Deutschordensbrüder ins Preußenland“ versuchte der Chronist die Notwendigkeit des Kampfes gegen die „heidnischen“ Prußen dadurch zu rechtfertigen, dass sie angeblich den Frieden mit den Christen immer wieder auf hinterhältigste Weise gebrochen hätten.
Anschließend folgte der dritte und mit Abstand längste Teil mit 362 Kapiteln zum Thema „Kriegerische Eroberung und Behauptung des Ordens im Preußenland“. Die Spanne der hier beschriebenen Geschehnisse reichte von der Gründung der Burg Thorn im Jahre 1231 bis zum Herrschaftsantritt des Klerikers von Orseln. Dabei untergliederte von Dusburg den ausführlichen Text, indem er die Kämpfe gegen die einzelnen Prußenstämme nacheinander behandelte.
Aus all dem ergibt sich, dass sein Werk gewiss nicht nur zum beschaulichen Vortrag vor den Ordensbrüdern bestimmt war, wie vielfach behauptet wird, sondern ebenso eine vom Geist der Kreuzzüge beseelte bildliche Schilderung der angeblich glorreichen Militärgeschichte des Ordens darstellte, mit der sämtliche Unterstützer desselben beeindruckt werden sollten. Dabei ging der Chronist recht einseitig vor, indem er den Gottesstreitern des Ordens im Gegensatz zu den Prußen alles Recht der Welt zubilligte, den Gegner ohne Gnade niederzumetzeln. Skrupel über das Vorgehen der Ordensritter sucht man in der Schrift daher vergeblich.
Unerwähnte gute Werke
Während von Dusburg unablässig den kriegerischen Geist der Ordensleute beschwor, verlor er kaum ein Wort über deren bemerkenswerte zivilisatorische Leistungen, zu denen der Aufbau einer funktionierenden Verwaltung, die systematische Entwicklung von Dörfern und Städten sowie die erfolgreiche Förderung von Handel, Gewerbe und Verkehr gehörten. Ferner blieb der größere politische Kontext unberücksichtigt, in dem der Ordensstaat agierte.
Dieses Manko sollte zwar durch den vierten Teil „Marginalien mit Daten zur Geschichte von Päpsten und Kaisern“ behoben werden, allerdings besaß von Dusburg zu wenig Kenntnisse auf diesem Gebiet, um hier etwas historisch Brauchbares vorzulegen.
Ein verschwundenes Original
Später erweiterte der Ordensbruder seine Chronik um eine weitere Beschreibung für die Zeit von 1324 bis 1330. Anlass hierzu bot ihm wohl der Mord an seinem Auftraggeber von Orseln am 18. November 1330 durch Johann von Endorf, der sich von dem Hochmeister ungerecht behandelt fühlte und ihn daher umbrachte. Die ursprüngliche, in Latein abgefasste Handschrift ist inzwischen verschollen. Von ihr existieren nur noch eine von Nikolaus von Jeroschin besorgte deutsche Übersetzung mit dem Titel „Di Kronike von Pruzinlant“ von 1335 sowie Kopien aus dem 15. Jahrhundert, die auch die Basis für die erste Druckausgabe von 1679 bildeten. Später erschienen dann noch zahlreiche kritische Editionen, wie zuletzt die von Jarosław Wenta und Sławomir Wyszomirski aus dem Jahre 2007.