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Es war der größte, aber letztlich auch einzige Triumph der Ureinwohner über die US-Armee – Und dies nur, weil Oglala-Häuptling Crazy Horse eine bewährte Strategie des Preußenoffiziers von Steuben anwandte
Am Nachmittag des 25. Juni 1876 glaubte Oberstleutnant George Armstrong Custer in grenzenloser Selbstüberschätzung, den finalen Schlag gegen ein großes Indianerlager am Little Bighorn River im heutigen US-Bundesstaat Montana führen zu können. Nur wenige Stunden später waren er und über 260 Soldaten des 7. US-Kavallerieregiments tot. Es war die schwerste Niederlage, die die US-Armee jemals gegen die Indianer erlitten hatte. Doch so spektakulär dieser Sieg der Lakota-Sioux, Cheyenne und Arapaho auch war – er markierte zugleich den Beginn ihres endgültigen Niedergangs.
Bis heute ranken sich zahlreiche Legenden um die Schlacht. Oft wird sie als heroischer Triumph einer wild kämpfenden Indianerhorde dargestellt, die eine moderne Armee überrumpelte. Tatsächlich war das Gegenteil der Fall. Der Sieg beruhte vor allem auf einer bemerkenswert wirksamen Taktik, die militärischen Charakter besaß. Es war die des preußischen Generalmajors Friedrich Wilhelm von Steuben, der als „Exerziermeister“ der US-Armee im Unabhängigkeitskrieg gilt. Er verwandelte die anfangs undisziplinierte Miliz in eine schlagkräftige, professionelle Truppe. So wie Oglala-Häuptling Crazy Horse der eigentliche Architekt dieses Erfolges war und weniger der berühmte Sitting Bul, wie oft fälschlicherweise beschrieben.
Der wiederum hatte es geschafft, zahlreiche Sioux- und Cheyenne-Gruppen zu vereinen. Eine diplomatische Meisterleistung. Seine Autorität als spiritueller Führer und seine Fähigkeit, verschiedene Stämme zusammenzubringen, waren von unschätzbarem Wert. Ohne ihn wäre es vermutlich nie zu einer solchen Konzentration indianischer Kräfte gekommen. Aber Sitting Bull war kein Feldherr. Während der Schlacht nahm er nicht die operative Führung wahr. Diese Rolle übernahm dafür Crazy Horse. Der junge Oglala-Häuptling besaß einen außergewöhnlichen Instinkt für Bewegung, Gelände und Kampfführung und war ein stiller Bewunderer der militärischen Taktik, die primär von Steuben der US-Armee antrainiert hatte. Als Custer seine Männer aufteilte und aus mehreren Richtungen angreifen ließ, erkannte Crazy Horse die Schwäche des Gegners. Er setzte auf gezielte Gegenstöße. Die Indianer kämpften nicht als gewohnt wild anrennende Horde Sie bildeten in Preußenmanier bewegliche Gruppen, die sich gegenseitig unterstützten, Infos weitergaben und blitzschnell auf neue Entwicklungen reagierten.
Besonders entscheidend war die Fähigkeit, eine Überlegenheit herzustellen. Während Custer seine Kräfte zersplitterte, konzentrierten die Indianer ihre Krieger immer wieder gegen einzelne Teile des Regiments. Zunächst wurde das Bataillon von Major Reno gestoppt und zurückgeworfen. Anschließend wandten sich Hunderte Reiter gegen die isolierte Truppe Custers. Crazy Horse erkannte zudem, dass Zeit der wichtigste Faktor war. Je schneller ein Teil des Gegners vernichtet wurde, desto mehr Kämpfer konnten gegen den nächsten Abschnitt der US-Armee eingesetzt werden.
Augenzeugen berichteten später, wie Crazy Horse wiederholt Angriffe anführte, Einheiten sammelte und die Kämpfer koordinierte. Seine preußische Taktik: hohe Beweglichkeit, Konzentration der Kräfte und ständiger Druck auf die Schwachstellen des Gegners. Custer dagegen verlor die Initiative. Seine Männer wurden ringsum umschlossen, ihre Feuerlinien brachen zusammen, und schließlich wurde das Bataillon ausgelöscht.
Die Vernichtung Custers war daher kein Zufall und keine bloße Folge zahlenmäßiger Überlegenheit. Sie war das Ergebnis einer taktisch klugen Führung. Während Sitting Bull die politische und spirituelle Grundlage geschaffen hatte, war Crazy Horse der Mann, der den Sieg auf dem Schlachtfeld errang.
Paradoxerweise wurde dieser Triumph für die Indianer aber zur Katastrophe. Die Nachricht von Custers Niederlage löste in den Vereinigten Staaten einen Schock aus. Aus einem Konflikt nahe der nördlichen Grenze wurde plötzlich eine nationale Angelegenheit. Die amerikanische Öffentlichkeit verlangte Vergeltung. Politiker, Militärs und Zeitungen forderten jetzt die endgültige Unterwerfung der Sioux.
Die Regierung reagierte mit einer gewaltigen militärischen Kraftanstrengung. Immer mehr Soldaten wurden in den Westen entsandt. Die Bisonherden, von denen die Prärievölker lebten, wurden systematisch vernichtet. Versorgungswege brachen zusammen, Hunger breitete sich aus. Viele Stämme mussten kapitulieren. Crazy Horse ergab sich 1877 und wurde wenig später von einem Soldaten mit dem Bajonett tödlich verletzt. Sitting Bull floh nach Kanada, kehrte jedoch später zurück und geriet ebenfalls unter die Kontrolle der US-Behörden. Die unabhängige Welt der Sioux existierte nicht mehr.
So bleibt die berühmt-berüchtigte Schlacht am Little Bighorn eine der großen Ironien der Geschichte. Am Little Bighorn gewannen die Indianer die berühmteste Schlacht ihres Lebens – und verloren am Ende alles.