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Die Schlesischen Musikfeste 2026 bieten ein melodisches Ereignis – gespickt mit vielen Höhepunkten
Wenn sich vom 14. bis 17. Mai die Städte Görlitz und Breslau in Konzertlandschaften verwandeln, knüpfen die Schlesischen Musikfeste an eine außergewöhnlich lange Tradition an. Seit fast zwei Jahrhunderten spiegeln sie nämlich die musikalische Vielfalt Schlesiens wider – einer Region, deren Kultur stets von Begegnungen geprägt war. Auch in diesem Jahr verbinden die Festtage historische Spielstätten, internationale Ensembles und ein Programm, das bewusst die musikalische Erinnerung Europas wachhält.
Nicht zu vergessen: Die Ursprünge der Schlesischen Musikfeste reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Bereits im Jahr 1876 rief der schlesische Adlige Bolko Graf von Hochberg das erste Festival ins Leben. Es entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden kulturellen Ereignis Niederschlesiens und zog Sänger, Instrumentalisten und Orchester aus vielen Städten an. Besonders Görlitz wurde bald zum Zentrum der Festtradition. Über Jahrzehnte prägten die Musikfeste das kulturelle Selbstverständnis der Region und machten Schlesien zu einem wichtigen Ort europäischer Musikpflege.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer langen Unterbrechung, ehe das Festival in den 1990er Jahren im Zeichen deutsch-polnischer Verständigung wiederbelebt wurde.
Heute verstehen sich die Schlesischen Musikfeste als grenzüberschreitendes Kulturprojekt. Künstler aus Deutschland, Polen und anderen europäischen Ländern treten gemeinsam auf und führen Werke verschiedener Traditionen auf – von barocken Kompositionen bis hin zu romantischer Kammermusik und jüdischer Chorliteratur. Damit knüpfen sie bewusst an die kulturelle Vielfalt Schlesiens an, das über Jahrhunderte auch Schnittstelle zwischen deutschen, böhmischen und jüdischen Einflüssen war.
Kulturelle Vielschichtigkeit
Das Programm in diesem Jahr setzt genau diese Linie fort. Zu den Höhepunkten gehört das Eröffnungskonzert in Breslau, gefolgt von weiteren Aufführungen in bedeutenden historischen Spielstätten der Region. Besonders erwartet wird das Konzert „Harmonie des Friedens“ am 17. Mai im Kulturforum Görlitzer Synagoge mit dem Chor der Synagoge Pestalozzistraße Berlin unter Leitung von Kantor Isidoro Abramowicz. Aber auch die Auftritte renommierter Barockensembles sowie Kammerkonzerte mit Werken von Bach, Chopin oder Weber prägen das diesjährige Festivalprogramm in beiden Städten.
Die Wahl der jeweiligen Veranstaltungsorte ist dabei kein Zufall. Kirchen, Synagogen und historische Konzertsäle werden bewusst als Erinnerungsräume genutzt. Sie verweisen auf die kulturelle Vielschichtigkeit Schlesiens, dessen Musiktradition immer religiöse, nationale und ebenso zugleich soziale Grenzen überschritten hat. Gerade diese außergewöhnliche Verbindung von Musik und historischer Landschaft macht den besonderen Charakter des Festivals aus.
Doch was ist eigentlich „schlesische Musik“? Eine einheitliche Stilrichtung lässt sich hier eigentlich kaum definieren. Vielmehr zeichnet sie sich durch ihre Offenheit aus. Komponisten wie Joseph Elsner, der Lehrer Chopins, verbanden regionale Volksmelodien mit klassischer Formensprache. Gleichzeitig wirkten in Breslau bedeutende Kirchenmusiker, Orchesterleiter und später auch Rundfunkensembles, die das musikalische Leben der Region nachhaltig prägten. Charakteristisch ist daher weniger ein bestimmter Klang als vielmehr die Begegnung unterschiedlicher Traditionen.
Gerade diese wunderbare Vielfalt macht die Schlesischen Musikfeste bis heute einzigartig. Sie sind nicht nur ein Konzertereignis, sondern ein klingendes Erinnerungsprojekt. In einer Zeit neuer politischer Spannungen erinnern sie daran, dass Musik Grenzen überwinden kann. So wird das Festival auch 2026 wieder zu einer Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart – und zwischen den Kulturen Europas.