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Preußens berühmteste Königin wurde vor 250 Jahren geboren
Wie weiland die Preußen in der napoleonischen Zeit leben auch heute wir Bundesbürger in bewegten Zeiten, und mit Sorge blicken wir in die Zukunft. Auch wir haben heute eine First Lady. Wir wissen nicht, ob Elke Büdenbender, die Ehefrau des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, von sich behaupten könnte: „Alsdann weiß ich mit Zuverlässigkeit, dass ich meinem Mann von Nutzen bin.“
Sehr wohl wissen wir aber, dass Luise, die Gattin des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III., dieser Überzeugung zu Recht sein konnte. Die mecklenburgische Prinzessin war nicht nur ihrem geliebten Ehemann von Nutzen, sondern auch dessen Staat, der ihr zur neuen Heimat wurde. Mit ihrer Herzlichkeit, ihrem Mitgefühl, ihrer Mütterlichkeit, ihrer Natürlichkeit, ihrer Volksnähe, ihrer Unterstützung ihres zaudernden, überforderten Gatten sowie schließlich ihrer bescheidenen, bürgerlichen und damit fortschrittlichen Lebensführung wurde sie zum Vorbild und zu Preußens Landesmutter schlechthin.
Anlässlich des 250. Geburtstages der Königin Luise von Preußen bringt die Deutsche Post eine Sonderbriefmarke heraus. Die von Jens Müller aus Düsseldorf gestaltete 180-Eurocent-Marke zeigt das Relief Luises, in Weiß gehalten und umgeben von Kornblumen, der Lieblingspflanze der Königin. Die Verwendung der Farbe „Preußisch-Blau“ im Hintergrund verweist auf die Dynastie Hohenzollern.
Dies alles ist nicht nur erfreulich für Philatelisten sowie Freunde und Bewunderer der preußischen Landesmutter in schwerster Zeit. Vielmehr zeigt es, dass auch heute noch der deutsche Staat, der immer noch bei der Post das Sagen hat, es für angebracht hält, an diese außergewöhnliche Frau zu erinnern.
Luise Auguste Wilhelmine Amalie von Mecklenburg-Strelitz – so ihr vollständiger Name – wurde am 10. März 1776 in Hannover geboren. Ihre Eltern waren der Erbprinz Carl von Mecklenburg-Strelitz und die Prinzessin Friederike von Hessen-Darmstadt. Luises Mutter starb nach der Geburt ihres zehnten Kindes 1782. Zwei Jahre später heiratete der Vater Charlotte, die Schwester seiner ersten Gemahlin. Diese starb gerade 20-jährig 1785 im Kindbett. So verloren Luise und ihre Geschwister Charlotte, Therese, Friederike und Georg zuerst und viel zu früh die Mutter und wenige Jahre später die Stiefmutter und Tante. Aus der zweiten Ehe des Vaters überlebte Prinz Karl zu Mecklenburg-Strelitz. Während die Söhne beim Vater aufwuchsen, wurden die Töchter der Großmutter Prinzessin Marie Luise Albertine von Hessen-Darmstadt, genannt Prinzessin George, in Darmstadt zur Erziehung anvertraut.
Ehrung durch die Deutsche Post
Acht Tage nach Luises 17. Geburtstag, am 18. März 1793, hielt der preußische König Friedrich Wilhelm II. bei Prinzessin George um Luise und Friederike für seine Söhne, den 23-jährigen Friedrich Wilhelm und den 20-jährigen Louis, an. Am 22. Dezember des Jahres kamen die Prinzessinnen umjubelt in der geschmückten Stadt Berlin an. Am Heiligabend erfolgte die Trauung von Friedrich Wilhelm mit Luise, zwei Tage später die des Bruders mit Friederike.
Zum 18. Geburtstag erhielt Luise von ihrem Schwiegervater ein königliches Geschenk: das Schloss Oranienburg. 1797 erwarb das Kronprinzenpaar das nahe Potsdam gelegene Gut Paretz, das zu ihrem geschätzten Sommerdomizil werden sollte. In diesem kleinen „preußischen Paradies“ lebte das Paar bis 1805 sparsam, bescheiden, nahezu bürgerlich im Verhältnis zueinander und im Umgang mit seinen Kindern. Luise brachte in 16 Ehejahren zehn Kinder zur Welt, von denen zwei im Kleinkindalter starben, eines tot geboren wurde.
Ein Jahr vor dem Tod seines Vaters, den er nur „den König“ nannte, im Jahr 1796, formulierte Friedrich Wilhelm in einer Denkschrift seine Vorstellungen von den Pflichten eines Königs. Darin heißt es: „Das größte Glück eines Landes besteht zuverlässig in einem fortdauernden Frieden.“
Das Paar ging in den Jahren nach der Thronbesteigung jeweils im Sommerhalbjahr auf Reisen. Der Huldigungsreise durch Ostpreußen (1798) folgte eine nach Franken und Thüringen (1799) und eine nach Schlesien mit der Besteigung der Schneekoppe (1800). Die Reise nach Memel (1802) diente dem Treffen mit Zar Alexander I. Drei weitere Aufenthalte in Memel sollten in den Jahren 1807 bis 1809 folgen. Diese aber – wie auch die Aufenthalte in Königsberg und die Besuchsreise nach St. Petersburg zum Jahreswechsel 1808/09 – waren der Besetzung großer Teile Preußens durch französische Truppen geschuldet.
Nachdem Preußen von den Truppen Napoleons in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 vernichtend geschlagen worden war, begannen für das Königspaar wie für ganz Preußen zermürbende Jahre. Königin Luises Bemühen, bei dem Treffen mit Napoleon am 6. Juli 1807 in Tilsit weniger schmerzhafte Friedensbedingungen zu erreichen, ist vielfach sowohl in der Literatur als auch in der Kunst dargestellt worden.
Ihren letzten Geburtstag konnte Königin Luise 1810 wieder in Berlin begehen. Bonaparte stimmte 1809 der Rückkehr des Königspaares zu. Ein von Luise herbeigesehnter Besuch bei ihrem Vater in dessen Sommerresidenz Hohenzieritz endete mit dem Tod der 34-Jährigen. Offiziell starb sie am 19. Juli 1810 an einer Lungenentzündung. Der rasch entstandene Luisen-Mythos machte daraus „an gebrochenem Herzen“.
Friedrich Wilhelm III. überlebte seine geliebte Frau um drei Jahrzehnte. Luise wurde an der Seite ihres Mannes durch Anmut und Schönheit, Natürlichkeit und Volksnähe zur Sympathieträgerin für die Monarchie. Mit ihrer Erscheinung und ihrem Verhalten ist der Kampf Preußens gegen das napoleonische Frankreich eng verknüpft. Königin Luise wurde später zum Symbol für den Wiederaufstieg Preußens.
Möglichkeiten zur Vertiefung
Eine nahezu unüberschaubare Fülle von Literatur existiert über das Leben der „Königin der Herzen“, über die „Königin in schwerer Zeit“. Luise wird darin als Tochter und Enkelin, als Braut und Gattin, als liebevolle Mutter, als Schwester und Freundin, als Fürstin, Königin und Landesmutter, als Christin, Heldin und Dulderin beschrieben, als „die preußische Madonna“.
Für den an Fakten interessierten Leser gibt es die Möglichkeit, sich selbst einen Eindruck von Luises Wesensart und ihrem Denken zu verschaffen – indem er z.B. zu dem 1985 im Deutschen Kunstverlag erschienenen Band „Luise von Preußen. Briefe und Aufzeichnungen 1786–1810“ greift. Als Biographie ist nach wie vor zu empfehlen das bei Piper München 1989 erschienene Werk von Heinz Ohff „Ein Stern in Wetterwolken. Königin Luise von Preußen“. Karin Feuerstein-Praßer zitiert in ihrem 2008 erstmals erschienenem Buch „Die preußischen Königinnen“ eine Maxime der Königin Luise: „Wir müssen durch. Sorgen wir nur dafür, dass wir mit jedem Tag reifer und besser werden.“
Das 20. Jahrhundert bringt Luise auf die Filmleinwand, gespielt u.a. von Henny Porten, Ruth Leuwerik und Luise Bähr. Erst mit den 1970er Jahren, mit einer differenzierteren Bewertung der preußischen Geschichte, ändert sich der Blick auf Luise. Sie wird heute als eine interessante Persönlichkeit der deutschen Geschichte betrachtet – ohne Verklärung.
Eine Neuerscheinung ist „Königin Luise. Leben und Mythos“ aus dem Berliner Bebra-Verlag. Der Verfasser ist der frühere Kastellan des Schlosses Charlottenburg Rudolf G. Scharmann, der bereits mit dem Werk „Preußische Prinzessinnen. Leben in Schlössern und Gärten der Romantik“ seine umfassenden Kenntnisse zu dieser Geschichtsepoche unter Beweis gestellt hat.
Wer jedoch statt über Luise zu lesen, lieber an Orte ihres Lebens und Wirkens reisen möchte, z.B. nach Mecklenburg (Hohenzieritz), Brandenburg (Paretz) und Berlin (Charlottenburg und Pfaueninsel), kann dies im Juli unter der Leitung von Jörg Memmer durch Teilnahme an einem Angebot der Akademie Sankelmark (www.sankelmark.de/programm/zum-250-geburtstag-koenigin-luise-von-preussen-1776-1810).
Kommen wir zum Abschluss zurück zum Anfang: Elke Büdenbender. Würde es uns besser ergehen, wenn der Bundespräsident (oder der Bundeskanzler) eine Ehefrau wie Luise hätte? Skepsis erscheint angebracht. Denn erst eine spezielle Kombination ermöglichte Luises segensreiches Wirken. Preußen war damals eine absolutistische Erbmonarchie. Und der Monarch war einerseits sehr mächtig, aber andererseits unsicher, entscheidungsschwach, zaudernd, gewissenhaft sowie last but not least leicht beeinflussbar. Ein solcher beeinflussbarer Mann würde in der Bundesrepublik kaum zu derart viel Macht gelangen.
Bliebe die Frage, ob Luise wenn schon nicht als Ehefrau so vielleicht als Politikerin zu Einfluss und Macht gelingen könnte. Auch hier ist Skepsis angebracht. Die preußische Madonna, die Königin der Herzen war sanftmütig, mitfühlend und verantwortungsbewusst. In der Bundesrepublik bringen es hingegen eher Politikerinnen zu Einfluss wie Bärbel Bas, Nancy Faeser oder Angela Merkel.