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Deutschlands Stimme für Leistung und Erfolg: Andreas Buhr, der mit seinem neuen Buch „Bewusst erfolgreich“ die Spitze der „Spiegel“-Bestsellerliste erobert hat
Bild: Andreas BuhrDeutschlands Stimme für Leistung und Erfolg: Andreas Buhr, der mit seinem neuen Buch „Bewusst erfolgreich“ die Spitze der „Spiegel“-Bestsellerliste erobert hat

„Leistung ist keine Zumutung! Sie macht uns stark!“

Unternehmer, Bestsellerautor und Business-Coach Andreas Buhr bringt es im Gespräch mit der PAZ auf den Punkt:

Jens Eichler
20.09.2026

Dieser Mann arbeitet seit Jahrzehnten mit Menschen, die nicht nur können und wollen, sondern die sogar mehr wollen, mehr wagen und deshalb auch mehr leisten. Die Diagnose von Andreas Buhr lautet daher: „Deutschland hat ein Problem mit seiner Haltung zur Leistung.“

Irgendetwas ist schiefgelaufen mit der Leistung in Deutschland. Aus einem Begriff, der einmal für Aufstieg, Wohlstand, Stolz und die Aussicht auf ein besseres Leben stand, ist beinahe etwas Anrüchiges geworden. Wer viel arbeitet, ehrgeizig ist, mehr erreichen möchte oder die berühmte Extrameile geht, gilt schnell als Getriebener. Leistung lohnt sich? Manchmal scheint es fast, als müsse es heute heißen: Leistung macht verdächtig.

Einer, der diese Entwicklung seit Jahren beobachtet, ist Andreas Buhr. Unternehmer, Keynote-Speaker, Trainer, Bestsellerautor – und vor allem jemand, der permanent mit Unternehmern, Führungskräften und Leistungsträgern arbeitet. Buhr kennt Menschen, die Unternehmen gegründet, Karrieren aufgebaut, Rückschläge überwunden und Verantwortung für andere übernommen haben. Und er kennt die andere Seite: Menschen mit Talent und Möglichkeiten, die nichts daraus machen. Seine Überzeugung ist deshalb eindeutig: Wir müssen wieder lernen, Leistung nicht als Zumutung, sondern als Chance zu verstehen.

„Ich glaube, wir Deutschen sind in der Zeit von Kanzlerin Merkel in Trance gewesen“, sagt Buhr. Deutschland habe lange geglaubt, dass es schon irgendwie weiterlaufe. Wohlstand, wirtschaftliche Stärke, funktionierende Infrastruktur, soziale Sicherheit – vieles erschien selbstverständlich. „Wir haben, ohne es zu merken, diese sogenannte Nachkriegsrendite verfrühstückt.“ Das Problem dahinter ist für Buhr größer als politische Entscheidungen. Es geht um Mentalität. Um die Frage, wie eine Gesellschaft über Anstrengung, Erfolg und Scheitern denkt.

Buhr arbeitet viel mit jungen Menschen. Und dort begegnet ihm eine Haltung, über die er sich wundert: der Wunsch nach Entlastung, bevor die eigentliche Belastung überhaupt begonnen hat. Vier-Tage-Woche, Work-Life-Balance, Auszeiten – alles legitime Wünsche. Aber wenn ihm 25-Jährige erklären, sie müssten erst einmal „runterkommen“, antwortet Buhr mit einem Satz, der seine Haltung ziemlich gut zusammenfasst: „Wie wär's, wenn wir erst einmal gemeinsam hochkommen? Dann können wir auch definieren, was runterkommen bedeutet.“

Das ist kein Plädoyer für Selbstausbeutung. Buhr fordert weder, dass jeder Unternehmer werden muss, noch dass jeder Mensch sein Leben der Karriere unterordnet. Er verteidigt vielmehr etwas, das zunehmend aus der Mode zu geraten scheint: das Recht, ehrgeizig zu sein. Denn Leistung, sagt Buhr, tut dem Menschen gut.

Warum, erklärt er mit einem einfachen Gedankenexperiment. Man stelle sich vor, man habe sich für den New-York-Marathon angemeldet. Buhr selbst ist ihn dreimal gelaufen. Monatelang trainiert man. Man steht morgens auf, läuft bei Regen und Kälte, quält sich durch lange Trainingseinheiten und setzt sich vielleicht das Ziel, die 42,195 Kilometer in weniger als vier Stunden zu bewältigen. Und dann kommt vor dem Start jemand, überreicht einem die Urkunde und sagt: „Herzlichen Glückwunsch, unter vier Stunden!“ Was wäre diese Urkunde wert? Nichts. „Du kriegst einfach die Urkunde überreicht, ohne angetreten zu sein“, sagt Buhr. Genau darin steckt für ihn der Kern des Leistungsprinzips. Nicht die Urkunde macht stolz, aber der Weg dorthin macht stolz. Wer würde Golf spielen, wenn jeder Schlag ein Hole-in-one wäre? Niemand! „Wenn Menschen Ziele erreichen, sind sie doch glücklich“, sagt Buhr. „Ziele geben Orientierung. Und weil sie verfehlt werden können, haben sie überhaupt erst einen Wert!“ Damit berührt Buhr einen Punkt, der weit über Wirtschaft und Karriere hinausgeht. Leistung bedeutet nämlich immer auch, das Risiko des Scheiterns zu akzeptieren. Wer gewinnen möchte, muss verlieren können. Wer stolz auf etwas sein will, muss zuvor etwas überwinden. „Innerhalb der Komfortzone gibt es kein Glück“, erklärt Buhr. Und dann formuliert er einen seiner stärksten Sätze: „Glück und Erfolge sind nämlich immer Überwindungsprämien.“

Chancengleichheit wird zu oft mit Ergebnisgleichheit verwechselt

Vielleicht liegt genau darin das Missverständnis unserer Zeit. Eine Gesellschaft, die versucht, ihren Menschen möglichst viele Widerstände aus dem Weg zu räumen, kann ihnen so jene Erfahrungen nehmen, an denen die Persönlichkeit wächst. Buhr erinnert sich an Diskussionen beim Kinderfußball. Eltern wollten Tore entfernen, damit es nicht mehr ums Gewinnen und Verlieren gehe. Hauptsache Spaß. Für Buhr ein fundamentaler Irrtum. „Wie kann jemand Spaß haben, wenn es keine Ziele gibt, die ich verfehlen oder erreichen kann? Man spielt ja nicht, um zu verlieren, sondern um zu gewinnen. Und wenn man verliert? Okay, dann ärgert man sich. Trainiert. Tritt wieder an. Vielleicht gewinnt man beim nächsten Mal!“

Das klingt beinahe altmodisch. Tatsächlich ist es eine Schule des Lebens. Denn Sieg und Niederlage gehören zusammen. Wir verstehen Erfolg nur, weil wir auch die Rückschläge kennen. Wir genießen Erholung, weil wir Anstrengung erlebt haben. Wir können auf etwas stolz sein, weil wir wissen, dass wir dafür kämpfen mussten.

„Genau diese Erfahrung erzeugt Selbstwirksamkeit: Ich habe etwas versucht. Ich bin an Grenzen gestoßen, aber habe weitergemacht. Und ich habe es geschafft. Und genau dann bist du stolz auf dich. Das ist doch schön“, sagt Buhr. Natürlich gelingt es nicht immer. Buhr kennt Niederlagen aus eigener Erfahrung und hält nichts davon, sie schönzureden. „Die werden immer häufiger auftreten, als es Gewinne und Siege gibt – jedenfalls in meiner Erfahrung.“ Doch gerade deshalb zählt der Erfolg.

Eine funktionierende Leistungsgesellschaft muss für Buhr allerdings zwei Dinge gleichzeitig können: Menschen unterstützen, die Hilfe benötigen – und diejenigen fordern und fördern, die besonders leistungsfähig und leistungswillig sind. Aus der Schulzeit seiner Kinder kennt er das Problem. Schüler mit Lern- oder Sprachproblemen bekamen zusätzliche Unterstützung. Buhr selbst engagierte sich, half Kindern beim Lesen und war Fußballtrainer. Förderung der Schwächeren hält er ausdrücklich für richtig. Was ihn störte, war etwas anderes: Während mit den Schwächeren gearbeitet wurde, hatten diejenigen, die den Stoff bereits beherrschten, oft frei. „Und das kann es nicht sein“, sagt Buhr. „Ich kann nicht die Schwachen fördern und für die Starken nichts tun.“ Seine Formel lautet deshalb: Fördern und Fordern. „Gleichzeitig müssen die starken Leistungswilligen gefordert werden. Das sind nämlich die, die den Karren ziehen – auch für die Schwächeren.“ Der Satz dürfte Widerspruch hervorrufen. Buhr spricht ihn trotzdem aus. Denn aus seiner Sicht begeht Deutschland einen entscheidenden Fehler, wenn es Chancengleichheit mit Ergebnisgleichheit verwechselt.

Menschen sind unterschiedlich, besitzen verschiedene Talente, Interessen, Ziele – und einen unterschiedlich ausgeprägten Ehrgeiz. Der in Düsseldorf lebende Unternehmer hat als Businesscoach hochbegabte Menschen erlebt, denen alle Türen offenstanden und die trotzdem weit hinter ihren Möglichkeiten blieben. „Die hatten den Ehrgeiz nicht“, sagt er. „Die sind ewige Talente geblieben.“

Irgendwann habe er aber auch verstanden: Manche Menschen wollen schlicht nicht mehr. Und auch das akzeptiert er. „Solange sie nicht anderen auf der Tasche liegen oder anderen schaden, ist es doch auch okay. Muss doch jeder selber wissen.“ Genau diese Differenzierung ist wichtig. Ein Ja zur Leistung bedeutet nicht, dass jeder Spitzenleistung erbringen muss. Aber wer leisten will, sollte dürfen. „Ich möchte ein klares Plädoyer aussprechen für diejenigen, die Lust haben auf Leistung“, sagt Buhr. Für diese Menschen müssten Wege geöffnet, Anreize geschaffen und Hindernisse beseitigt werden. Denn Leistung ist nicht nur Privatsache. Sie ist das wirtschaftliche Fundament des Sozialstaates.

Buhr erklärt es mit einem Beispiel. Man müsse sich Deutschland einmal als „Deutschland AG“. In einem Unternehmen kann auf Dauer nur verteilt werden, was zuvor erwirtschaftet wurde. Einnahmen müssen entstehen, bevor Ausgaben finanziert werden können. Für ihn gilt das im Kern auch für die soziale Marktwirtschaft: „Wenn ich vorn Geld verdiene und nach Abzug der Kosten Geld übrig habe, kann ich hinten was verteilen.“ Wird vorne zu wenig erwirtschaftet, gerät hinten die Verteilung unter Druck. Diese einfache Rechnung gewinnt angesichts der demografischen Entwicklung an Bedeutung. Die Menschen leben länger, gleichzeitig rücken weniger Junge nach. Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung müssen so von einer kleiner werdenden Zahl Erwerbstätiger finanziert werden. Wer den Sozialstaat erhalten will, darf über die Leistungsfähigkeit seiner wirtschaftlichen Basis nicht schweigen. Deshalb fordert Buhr: „Zurück zum Leistungsprinzip. Leistungsträger unterstützen.“ Deutschland brauche nicht weniger Solidarität, sondern mehr wirtschaftliche Kraft, um Solidarität weiter finanzieren zu können.

Auf das Positive hinweisen

Doch wie bringt man eine Gesellschaft wieder dazu, Lust auf Leistung zu entwickeln? Für Buhr beginnt das mit Vorbildern und Geschichten. Deutschland rede zu viel darüber, was nicht funktioniert, und zu wenig über das, was gelingt. „Wir müssen die Leistungen, die erbracht werden, die Ergebnisse, die erbracht werden, besser kommunizieren. Warum nicht viel häufiger Unternehmer, Gründer, Handwerker, Wissenschaftler, Führungskräfte, Verkäufer oder Mitarbeiter zeigen, die etwas Besonderes leisten? Warum nicht erzählen, wie ein Betrieb entstanden ist, wie Menschen Arbeitsplätze geschaffen, Erfindungen gemacht, Krisen überwunden oder Unternehmen gerettet haben?“

Geschichten prägen das gesellschaftliche Klima. Wer permanent hört, was alles nicht geht, beginnt irgendwann selbst daran zu glauben. Wer dagegen erlebt, was Menschen möglich machen können, bekommt eine andere Vorstellung von der Zukunft. „Das Umfeld prägt enorm“, erklärt Buhr. „Es ist wichtig, dass man sich immer wieder und so oft wie möglich mit Leuten umgibt, die einen mitziehen.“

Das Gegenteil funktioniert ebenso. Wer ausschließlich Menschen um sich hat, die klagen, lamentieren und jede Veränderung für unmöglich erklären, wird irgendwann Teil dieses Denkens. Leistungsbereitschaft entsteht deshalb durch Vorbilder, Erwartungen, Ziele und das Gefühl, dass sich Anstrengung lohnt. Und sie entsteht durch Training. „Wer übt und trainiert, wird besser. Jeder Profi trainiert.“ Kein Fußballverein stellt nach einer Meisterschaft das Training ein. Kein Musiker hört nach einem gelungenen Konzert auf zu üben. Kein Spitzensportler sagt nach einem Sieg: Jetzt kann ich es, nun brauche ich nichts mehr zu tun. Warum sollte ausgerechnet für Beruf und Wirtschaft etwas anderes gelten?

Gelassenheit bei Niederlagen

Wer besser führen will, muss Führung trainieren. Wer besser verkaufen will, muss Verkauf üben. Wer besser kommunizieren möchte, muss an seiner Kommunikation arbeiten. Talent ist ein Anfang. Leistung entsteht aber erst durch Übung, Disziplin und Wiederholung. Vielleicht braucht Deutschland deshalb weniger Diskussionen darüber, wie wir Anstrengung vermeiden können – und wieder mehr darüber, was wir erreichen wollen. Mehr Lust auf Ziele. Mehr Lust auf Wettbewerb. Mehr Respekt vor Ehrgeiz. Mehr Anerkennung für diejenigen, die Verantwortung übernehmen. Und auch mehr Gelassenheit gegenüber Niederlagen. Denn wer niemals verliert, hat wahrscheinlich nie besonders viel riskiert.

Andreas Buhr jedenfalls glaubt nicht, dass es für eine neue Leistungskultur zu spät ist. Im Gegenteil. Menschen könnten ihre Haltung jederzeit verändern. Unternehmen könnten Leistung wieder sichtbarer machen. Schulen könnten Schwächere fördern und gleichzeitig Starke fordern. Die Politik könnte eine positivere Geschichte dieses Landes erzählen. Und jeder Einzelne kann sich morgens entscheiden, ob er Zuschauer bleiben oder antreten möchte. Denn am Ende ist Leistung viel mehr als Arbeit. Sie ist die Erfahrung, etwas aus eigener Kraft geschafft zu haben. Und irgendwann zu wissen: Niemand hat mir diese Urkunde geschenkt. Ich habe sie mir verdient.

• Andreas Buhr zählt zu Deutschlands renommierten Unternehmern, Keynote-Speakern und Business-Trainern. Seit Jahrzehnten begleitet er Unternehmer, Führungskräfte und Leistungsträger. Als „Spiegel“-Bestsellerautor und Experte für Führung, Vertrieb und unternehmerischen Erfolg steht er für Leistungsbereitschaft, Eigenverantwortung und den Mut, ambitionierte Ziele zu verfolgen.


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