Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Dank russischer Militärhilfe hat sich Algerien zu einer militärischen Führungsmacht in Afrika entwickelt
Während die Welt gebannt auf den Irankrieg und die Region rund um den Persischen Golf schaut, entstehen in einigen Teilen der arabischen Welt weitere gefährliche Konfliktpotenziale. So liefern sich Algerien und Marokko vor dem Hintergrund des Streits um den Status der Westsahara, in dem beide Länder strikt gegensätzliche Positionen vertreten, ein zunehmend verbissener werdendes Wettrüsten, in dem die Demokratische Volksrepublik Algerien momentan ganz klar die Nase vorn hat.
Die exzessiven algerischen Waffenkäufe im Ausland stellen allerdings auch eine Reaktion auf den Militäreinsatz des Westens gegen das benachbarte Libyen im Jahre 2011 dar, der Algerien zu einer erheblichen Steigerung seiner Verteidigungsanstrengungen veranlasste. Als aktuell größte Bedrohung werten die Regierung und Militärführung in Algier jedoch die Lieferungen von innovativen Drohnen, Marschflugkörpern und Lenkwaffen aus Israel, Frankreich, den Vereinigten Staaten und auch der eigentlich befreundeten Türkei an die königlich-marokkanischen Streitkräfte.
Die algerischen Experten haben die veränderten Formen der Kriegsführung auf den Schlachtfeldern der Ukraine intensiv studiert und die Gefahren erkannt, die von der neuen Technik in den Händen des feindlichen Nachbarn ausgehen. Daher bauen die Algerier nun entlang der Grenze zu Marokko und im übrigen Land massenhaft Hangars und Bunker, um das eigene Kriegsgerät vor Attacken aus der Luft zu schützen.
Manche der algerischen Waffen kommen dabei aus der Bundesrepublik Deutschland, die unter anderem Radpanzer und Fregatten an den Maghreb-Staat verkaufte – nicht zuletzt, um Algerien energiepolitisch an Europa zu binden. Immerhin bezieht die Europäische Union bereits 14 Prozent ihrer Gasimporte aus dem nordafrikanischen Land, das nach dem Wegfall Russlands zum drittgrößten Gaslieferanten der EU hinter Norwegen und den USA emporwuchs.
Die wichtigste Quelle Algeriens für Rüstungsgüter ist indes immer noch Russland, was eine Folge der langjährigen Sicherheitspartnerschaft zwischen den beiden Ländern darstellt. Aktuell stammen 85 Prozent des Waffenarsenals der Algerier aus Putins Reich. Daher verweigerte Algier bislang jegliche Verurteilung des russischen Vorgehens in der Ukraine, was seitens der USA schon zu Sanktionsdrohungen führte – zumal Algerien im August 2024 auch noch der New Development Bank der um Russland und China gruppierten BRICS-Staaten beitrat.
Afrikas schlagkräftigste Luftwaffe
Andererseits sind Angriffe wie gegen Libyen inzwischen extrem unwahrscheinlich geworden. Denn Algerien verfügt über modernste Luftabwehrsysteme russischer und chinesischer Herkunft beziehungsweise rund 100 Abfangjäger und Jagdbomber der russischen Typen MiG-23 und 29 sowie Su-24 und 30. Doch damit nicht genug: Gegenwärtig läuft auch die Auslieferung des Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeuges Su-57. Hierbei handelt es sich um eine hochmoderne und während der Gefechte in der Ukraine und Syrien erprobte Maschine der 5. Generation, die Algerien als erster Exportkunde Russlands überhaupt erhält. Dadurch besitzt der Maghreb-Staat jetzt die schlagkräftigste Luftwaffe in Afrika – mit handfesten politischen Konsequenzen.
Aufgrund der kontinuierlich gewachsenen militärischen Stärke Algeriens hat die frühere Kolonialmacht Frankreich keine Chance mehr, ihrem Einflussverlust in den Ländern der Sahelzone mit Säbelrasseln entgegenzuwirken. Als Algier den neuen frankreichfeindlichen Regierungen in Niger, Mali und Burkina Faso Schutz zusicherte, musste Paris die Segel streichen. Ansonsten ist Algerien auch ein perfekter strategischer Brückenkopf Moskaus in Nordafrika und am Südrand des Mittelmeeres, der quasi wie ein Stachel im Fleisch der EU und der NATO sitzt.
Deutschland in der Zwickmühle
Gleichzeitig droht die eigene Aufrüstung aber, Algerien zu destabilisieren. Immerhin rangiert die vorgebliche Volksrepublik bei den Militärausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt weltweit schon auf Platz Drei, weil die umgerechnet 25,4 Milliarden US-Dollar des Wehretats von 2025 knapp neun Prozent des BIP entsprachen. 2022 lagen die entsprechenden Werte noch bei neun Milliarden Dollar und vier Prozent.
Vor diesem Hintergrund könnten neue soziale Protestbewegungen entstehen und von den auf der Lauer liegenden Islamisten gekapert werden. Dann besteht die Gefahr, dass sich Algerien zu einer hochgerüsteten Theokratie nach Art des Iran verwandelt, die weiterhin im Bunde mit Russland steht und der EU permanent mit der Unterbrechung der immer überlebenswichtiger werdenden Gaslieferungen droht. Deutschland wiederum säße sogar noch in einer weiteren Zwickmühle, weil es auf die künftige Lieferung von „grünem Wasserstoff“ aus Algerien über die Pipeline South H2 Corridor via Tunesien und Sizilien hofft.
Iran im Sandwich
Ein atombombensicheres Bündnis
Der Verteidigungspakt zwischen Pakistan und Saudi-Arabien von 2025 könnte auch den Einsatz von Nuklearwaffen beinhalten
Im September vorigen Jahres schlossen Pakistan und Saudi-Arabien einen bilateralen Verteidigungspakt, dessen Schlüsselregelung lautet: „Jede Aggression gegen einen der zwei Signatarstaaten wird als Aggression gegen beide Staaten gewertet.“ Damit schlüpfte Saudi-Arabien quasi unter den nuklearen Schutzschirm der kernwaffenbesitzenden Macht Pakistan.
Dass das Bündnis zwischen den beiden islamischen Staaten, das oft als Kristallisationskern einer „islamischen NATO“ bezeichnet wird, nicht nur auf dem Papier besteht, zeigt die kürzlich vorgenommene Verlegung pakistanischer Kontingente nach Saudi-Arabien. Die Pakistan Air Force stationierte bis zu 18 Mehrzweckkampfflugzeuge des chinesischen Typs Chengdu JF-17 Thunder auf der King Abdulaziz Air Base in Dhahran an der Küste des Persischen Golfes. Dazu kommen rund 13.000 Mann Bodentruppen der pakistanischen Armee.
Das Ganze dient vorgeblich dem Schutz Saudi-Arabiens, dessen Energieinfrastruktur seit Monaten unter iranischem Beschuss steht. Die Präsenz des pakistanischen Militärs in der Golfmonarchie soll dem Mullah-Regime signalisieren, dass eine weitere Eskalation zum Eingreifen Islamabads führen könnte. Und das ist ein starkes Druckmittel gegenüber Teheran. Immerhin hatte Pakistan bereits im Januar 2024 demonstriert, wie entschlossen es auf iranische Attacken reagiert. Den Luftangriffen des Iran auf angebliche Rebellen in der pakistanischen Grenzprovinz Belutschistan folgten verheerende Gegenschläge Pakistans im Rahmen der Operation Marg Bar Sarmachar.
Die Verlegung pakistanischer Truppen nach Saudi-Arabien, für die sich die Regierung in Riad sogleich mit Finanzhilfen an Islamabad in Höhe von mehr als fünf Milliarden US-Dollar revanchierte, stellt allerdings nicht nur eine Drohung an die Adresse des Iran dar, sondern auch an die Indiens: Ein mit arabischem Geld gestärktes Pakistan könnte im Kaschmir-Konflikt wieder aggressiver agieren.
Gleichzeitig betrachten die USA das Ganze mit Argwohn, denn offenkundig verlieren die Saudis gerade das Vertrauen in die Sicherheitsgarantien Washingtons, womit sich ein struktureller Umbruch in der Sicherheitsarchitektur der Region ankündigt, der den Vereinigten Staaten einen erheblichen Bedeutungsverlust bescheren könnte – vor allem wenn die „islamische NATO“ durch den Einbezug weiterer Staaten Realität werden sollte.
Eine Stationierung pakistanischer Atomwaffen auf der Arabischen Halbinsel ist dahingegen nicht zu erwarten, weil Islamabad seine Sprengköpfe niemals außer Landes bringen würde, sondern weiterhin strengstens unter Verschluss hält.
Bomben auf Syrien
Jordanien lässt die Muskeln spielen
Nahezu unbemerkt von der Weltöffentlichkeit hat die Luftwaffe des Königreiches Jordanien nun zum dritten Mal innerhalb eines Jahres Ziele im syrischen Gouvernement as-Suwaida angegriffen, wobei die Bomben jetzt unter anderem Lagerhäuser in der Stadt Urman unweit der Grenze zu Jordanien trafen. Nach Angaben eines Sprechers der jordanischen Streitkräfte wurde auf diese Weise der Waffen- und Drogenhandel im Nachbarland attackiert, der eine Bedrohung der nationalen Sicherheit Jordaniens
darstelle.
Tatsächlich ist nach dem Regimewechsel in Damaskus infolge des Sturzes des Diktators Baschar al-Assad seit Ende 2024 ein Machtvakuum im Süden Syriens entstanden, in dem der Handel mit der extrem gefährlichen synthetischen Droge Captagon stärker denn je floriert. Außerdem schmuggeln lokale Beduinenstämme, die sogenannten Sunnis, Waffen über die Grenze nach Jordanien, wobei der Verdacht besteht, dass sie dies auch und gerade im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat tun, die immer noch in Teilen Syriens operiert.
Nach den Luftschlägen teilte die jordanische Armee mit, sie werde „weiterhin proaktiv, entschlossen und abschreckend auf jede Bedrohung der Sicherheit und Souveränität des Königreiches reagieren“. Die Frage ist allerdings, ob sie dabei nicht erneut in eine mögliche Falle der in Damaskus regierenden Islamisten unter Ahmed al-Scharaa alias Abu Muhammad al-Dschaulani tappt. Kenner der Verhältnisse im syrisch-jordanischen Grenzgebiet gehen davon aus, dass die Jordanier mit falschen Informationen hinters Licht geführt wurden, damit sie statt der Drogen- und Waffenhändler drusische Widerständler attackieren, die den ehemaligen Terroristen an der Spitze Syriens ein Dorn im Auge sind. Sollte sich dies bestätigen, dann droht eine rapide Verschlechterung des ohnehin sehr spannungsgeladenen jordanisch-syrischen Verhältnisses mit allen militärischen und politischen Konsequenzen.