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Der Wochenrückblick

Schöner als bei Merkel

Warum Laschet auf der Hut sein muss, und warum Baerbock sich keine Sorgen zu machen braucht

Hans Heckel
24.04.2021

Manchmal sollte man sich einfach eine Woche lang eingraben und danach erst wieder herauskommen, weil man sowieso nichts verpasst. Vor der zweiten Sitzung der CDU-Spitze zur K-Frage sagte Markus Söder genau das Gleiche wie vor der ersten: Er werde das Ergebnis akzeptieren. Tat er dann aber erst mal nicht. Es folgten stattdessen acht wilde Tage, die wir nie vergessen werden. Dafür sind wir dem Franken natürlich ewig dankbar – was für eine Schau!

Was das Ganze sollte, wo doch das Resultat unverändert blieb? Man kann es ja mal versuchen, dachte sich Söder, und verwandelte die CDU für eine gute Woche lang in das Somalia der deutschen Parteienlandschaft.

Kennen Sie Somalia? Das ist ein Land, das zwar eine Regierung hat, und die ist (glaube ich jedenfalls) sogar international anerkannt. Nur in dem Lande selber interessiert sich blöderweise niemand für diese Regierung, die „Macht“ des Präsidenten versickert schon in den ersten Vororten der Hauptstadt. So erging es auch der CDU-Spitze nach der ersten Pro-Laschet-Entscheidung. Statt der Entscheidung der (immerhin demokratisch gewählten) Parteigranden zu folgen, fasste ein Großteil in der CDU den Beschluss bestenfalls als Vorschlag auf – und noch dazu als einen ziemlich schlechten.

Söder droht mit „Diskussionen“

Von Stund an legte jeder los, wie er lustig war. Ministerpräsidenten, Landesvorsitzende und sogar 14 von 18 Landesverbänden der Jungen Union schlugen sich auf die Söder-Seite. Fast wäre alles gekippt. Wie in Ländern von der Sorte Somalia gab am Ende eine kampfkräftige auswärtige Macht den Ausschlag: Erst als Söder selbst sein zähneknirschendes Einverständnis gab, konnte man in der CDU-Zentrale aufatmen.

Jetzt schwören alle dem Laschet ihre treue Gefolgschaft. Wir hoffen aber sehr, dass der Gekürte zwischen den Zeilen lesen kann: Er habe Laschet die „volle Unterstützung zugesagt“, versichert Söder. Es werde aber sicherlich noch „Diskussionen“ geben. Ach ja? Wir haben verstanden. Mit anderen Worten: Er wird seine „volle Unterstützung“ mit kleinen Giftpfeilen würzen.
Auch Angela Merkel freut sich „auf die kommenden Monate unserer Zusammenarbeit“. Die scheidende Kanzlerin hatte Laschet mitten in der heißen Phase des Kandidaten-Kampfes ganz gemein einen mitgegebenen. Und jetzt „freut“ die Frau sich auf die kommenden Monate? Armin, zieh dich warm an! Mal sehen, wann der erste Querschuss aus den eigenen Reihen einschlägt.

Da klatschen die Journalisten

Wir werden es ja erleben. Was wir dagegen verpassen werden, ist die Art, wie die grünlinks dominierten Medien einen Kanzlerkandidaten Söder zur Strecke gebracht hätten. Für den Moment schienen sie ihn ja richtig gern zu haben. Aber das hatte natürlich einen Grund: Der CSU-Chef schien der Rammbock zu sein, der die CDU zerlegt. Doch was macht man mit einem Rammbock, nachdem der Sturm gelungen ist? Man schmeißt ihn in den Graben. Irgendwelche Skandälchen, komische Parteispenden oder was weiß ich hätten sich schon finden lassen. Außerdem hat Söder in seinem Politikerleben so oft so gründlich die Richtung gewechselt – das hätte man ihm ja auch immer und immer wieder unter die Nase reiben können.
Kann man sich nun alles sparen, es ist ja der andere geworden. Nun, den nervt man dann eben mit der bizarren Art seiner Kür und der Frage, ob er überhaupt sicher sei, dass die Union hinter ihm stehe. Läuft alles wie geschmiert.

Annalena Baerbock braucht sich all diese Sorgen nicht zu machen. Die Grüne schwimmt auf einer Woge medialer Zustimmung, da brechen alle Dämme vor Begeisterung. In ihrem ersten TV-Gespräch als Kanzlerkandidatin spendeten die beiden Interviewer am Ende der Sendung sogar Beifall für die Politikerin. So was hatten wir noch nie gesehen. Das muss er sein, der „frische Wind“, den die 40-Jährige mitbringt: Gelangt sie tatsächlich zur Regierungsspitze, werden Pressegespräche mit der Kanzlerin wieder so spannend wie ein Interview des „Neuen Deutschland“ mit einem Angehörigen des SED-Politbüros, wo ja auch die Hagelkörner des kritischen Journalismus nur so niederprasselten auf den armen Befragten.

Was wir in dem Baerbock-Gespräch geboten bekamen, übertraf sogar Anne Wills Merkel-Audienzen. Immerhin hielt Will zum Ende der harmonischen Plauderrunde wenigstens die Hände unten.

Die Verzückten in den Redaktionen werden ihr Bestes geben, um die Grünen-Kandidatin so nett und glatt wie möglich aussehen zu lassen. Wir werden jede Menge Mediengespräche mit Baerbock sehen, die mehr an „Homestorys“ zwischen Tiffany-Lampe und Wintergarten erinnern als an harte Fragerunden. Das deutsche Publikum wird begeistert sein, denn sind wir nicht alle ein bisschen Biedermeier? Das Gejubel geht jetzt schon soweit, dass sie der Kanzler-Aspirantin sogar ausgeprägten „Sachverstand“ attestierten. Ja: Sachverstand! Ihr, die Kobalt nicht von Kobolden unterscheiden konnte und die den Strom „in den Netzen“ speichern will, als könnte man den anhalten wie Wasser im Kanal.

Aber dafür ist sie weiblich und außerdem so betörend „frisch“, wie wir schon erwähnt haben. Und das ist in einem Land, das sonst keine Sorgen hat, ausschlaggebend. Sie wirke im Vergleich zu den alten Kerlen wie Laschet oder dem SPD-Kandidaten Olaf Scholz „unverbraucht“, wie wir lesen konnten. Auch das stimmt aufs Haar: Baerbock hat sich ihre jugendliche Unbedarftheit weder in irgendeinem Regierungsamt noch von richtiger Arbeit, also außerhalb des Politikbetriebs, „verbrauchen“ lassen – so blieb sie so jung wie ein Ei im Nest. Und wer sagt denn, dass Eier nicht fliegen können?

Wie Laschet das Profil „schärft“

Armin Laschet will sich von alldem nicht beeindrucken lassen und als Gegenmittel das „Profil der Union schärfen“. Das wird auch nicht uninteressant. Um ihr Profil zu „schärfen“, müssten die Unionisten ja zunächst einmal eines haben. Laschet wird sich nach eigenen Worten mit vollem Eifer zuallererst auf den „Klimaschutz“ stürzen.

Das ist doch ein Renner! Wenn im Sommer kurz vor der Bundestagswahl Millionen Deutsche wegen der Corona- und Lockdown-Folgen um ihren Arbeitsplatz bangen oder um ihre Altersversorgung, nachdem sie ihre Rücklagen im Lockdown verbraten mussten, dann wird sie nichts heftiger um den Schlaf bringen als Prognosen zur mittleren Tageshöchsttemperatur im Juli des Jahres 2100. Das weiß Armin Laschet jetzt schon, weil er eben „näher bei den Menschen ist“, wie man das so sagt.

So geht Wahlkampf, so schärft man das Profil der Union: Greife dir das Kernthema der Grünen, schreib es ab und wickle es ins graugrüne Packpapier eines billigen Plagiats – und dann wundere dich maßlos, dass keiner hinguckt.



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Kommentare

Tom Schroeder am 04.05.21, 18:41 Uhr

Herr Söder ist, mit Verlaub ... ich möchte J. Fischer nicht weiter zitieren, vielle9icht ist das justiziabel. Aber: Wenn in Amerika die Vorwahlen gelaufen sind, so stehen ausnahmslos ALLE hinter dem Präsidentschaftskandidat der Partei, wenigstens bis nach den Wahlen. Wenn er weiter herumstänkert, wird er die nächste Landtagswahl verlieren, sofern ihn dann die Ex-Abgeordneten der CSU in Bayern bis dahin nach verlorener Bundestagswahl noch im Amt als Vorsitzenden belassen. Es ist gut, dass dieser lediglich auf Kurzstrecke trainierte karrierebewusste Alphamann nicht der Kanzlerkandidat ist. Das wäre sicher in die Hose gegangen, so habe ich noch ein wenig Hoffnung.

Michael Holz am 25.04.21, 10:39 Uhr

Nun ja, ich bin kein ausgemachter "Frauenhasser", eigentlich das Gegenteil. Was sich jetzt aber in Deutschland und dem Rest der Welt so "feminin" abspielt, treibt mich direkt in die Schaar derer, die von Frauen in der Politik die Nase voll haben. Die Zeiten von Golda Meir und Margret Thatcher sind vorbei, nun bestimmen "Versager:Innen" die Politik in Berlin, Brüssel und Washington, obwohl Harris nicht versagt hat, im Gegenteil, die war in ihrem Wirken als Generalstaatsanwältin scharf wie eine persische Streitaxt. Die im dekadenten Bundesstaat Kalifornien können es bestätigen.

Gregor Scharf am 25.04.21, 08:37 Uhr

Wenn die Klügeren nachgeben und nicht mehr widersprechen, kommt die Regentschaft der Dummschwätzer, Nichtsnutze, Faulpelze - der "tragenden" und "gestaltenden" Säulen einer Gesellschaft, womit Aufschwung und Fortschritt ungeahnte, moralische sowie wirtschaftliche Tiefen annehmen, bis das Siechtum weithin sichtbar auch den Letzten erreicht, Unwohlsein sich in grüner Färbung über die Gesichter der Geplagten legt, bis der Körper sich davon durch Erbrechen befreit. Nichts ist unendlich, schon gar nicht politisch motivierter Stuss in einer künstlichen Wohlstandsblase. Wer oder was steht hinter all den Namen der politischen Verantwortlichen? Was haben sie bisher geleistet und beigetragen zur Erhaltung der Gesellschaft? An ihren Taten sollt Ihr sie messen, nicht an ihren Worten. Und siehe da, es bleibt nicht mehr viel zu berichten. Wie ein Furz, der für kurze Zeit die Luft verpestet, verduften sie in der Geschichte unseres Volkes, gestern noch von Eitelkeiten getrieben, morgen von den Medien zerlegt, vespottet und vom Volk verachtet. Sie sind es nicht wert, so viele Worte um sie zu machen. Wahre Helden sind die Alltagshelden, die sich tagein und tagaus redlich bemühen und die Lasten tragen, die ihnen die Unnützen und Unfähigen auferlegen, um sich an ihnen zu bereichern und von ihnen ernährt zu werden. Die Zeit für eine echte Revolution und nicht für eine Transformation ist überfällig.

Michael M. am 24.04.21, 09:59 Uhr

Sollte Laschet Kanzler werden, wäre denkbar, dass Friedrich Merz ein gewichtiges Ministeramt übernimmt. Der hat gerade Gendersprache zu Recht als Anmaßung einer kleinen Gruppe von Leuten bezeichnet und überfällige Fragen dazu laut geäußert. Könnte man darin einen Lichtblick sehen, dass Vernunft in die Politik zurückkehrt? Oder wird doch am Ende alles grün überwuchert?

Siegfried Hermann am 24.04.21, 09:17 Uhr

Herr Heckel,
die ganze Zeit beim Frühstück bin ich am überlegen, ob Sie jetzt die Realität abbilden wollen, Sie ernsthaft gewinnbringende Wahlvorschläge machen, oder schlicht diesen dämlichen doofen Haufen eine genüssliche Falle stellen wollen???
Wenn Mörkel eins wirklich gut gemacht hat, dann die CDU und die SPD als Kandidaten für die 5% Hürde zu degenerieren. Hoffnungslose looser.
Die einzigen, die wirklich profitieren könnten wäre die AfD. --Könnten-- deshalb, weil vor allem der Meuthen-Block will gar nicht! Und der Rest darf nicht. Sowatt nennt man gesteuerte und neusprech gebriefte Opposition.
Und
selbst in der heutigen APO (alles was die Tage vor dem Reichstag demonstriert hat und von der "Polizei" grundlos vermöbelt worden ist!) hat die letzte Analyse von Torsten Schulte gezeigt, wie sehr protegierte falsche Fuffziger der IM-Stasi/Gestapo-Klasse in diesen Gewässern unterwegs sind. link: Ballweg.
Aktuell weit und breit nichts zu sehen, was wirklich Opposition und vor allen bewegen kann.
Es könnte aber noch von völlig unerwarteter Seite was kommen.
link: Nürnberger Codex. Damit ist kein Mittelalter gemeint, sondern was in Folge der Nürnberger Prozesse festgelegt worden ist und komplett in Vergessenheit geraten ist.
Mal schaun was kommt!

Chris Benthe am 24.04.21, 07:42 Uhr

Gott, ich werde noch irre an diesem Land. Was ist nur los mit Deutschland, wie konnte es nur dahin kommen ?

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