24.02.2026

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Historie

Sie prägten Heringsdorf

Drei Denkmale erinnern an bedeutende Persönlichkeiten der Entwicklung des Seebades

Heinrich Karstaed und Erwin Rosenthal
05.01.2026

Es sind ihrer drei, die Denkmale in Heringsdorf, die heute an historische, mit der Geschichte des Ortes verbundene Persönlichkeiten erinnern. Da ist zum einen das nahe der Heringsdorfer Kirche im Jahr 1999 eingeweihte zweite Denkmal für Georg Bernhard von Bülow (1768–1854). Er hatte seinerzeit der Kirchengemeinde Heringsdorf ein Grundstück überlassen, auf dem die Gemeinde ihre Kirche errichtete. Das dankbare Heringsdorf ließ nach seinem Tod in der Nähe des Gotteshauses einen Gedenkstein für den „Gründer von Heringsdorf“ errichten. Dieser war 1965 zerstört worden.

Von Bülow war königlicher Oberforstmeister, später Rittergutsbesitzer, Mitglied des Provinziallandtags der Provinz Pommern sowie Direktor der Ritterschaftlichen Privatbank in Pommern. Gemeinsam mit seinem Bruder hatte er im Jahr 1817 das Rittergut Gothen mit den dazugehörigen Orten Neuhof, Neukrug und Ahlbeck adligen Anteils für insgesamt 45.000 Taler erworben. Die „Vossische Zeitung“ hatte das Areal sehr treffend beschrieben: „Es war ein verwilderter Buchen- und Kiefernwald auf den nordöstlichen Strandhöhen von der Insel Usedom, untersprenkelt von ärmlichen Fischerhütten, zwei armen Dörfern, im trockenen Dünensande gelegen, und einem Vorwerk am großen Gothenschen Binnensee. Nie war da ein Tourist hingekommen, kaum ein Reisender am Strande vorübergefahren, von einer schönen Gegend wusste kein Mensch.“

Innerhalb weniger Jahre ließen die Brüder Bülow in ihren Wäldern, die bis zur Ostseeküste reichten, Bauholz im Wert von 100.000 Talern schlagen. Die Auslichtung des „Urwaldes“ machte die Schönheit der Usedomer Ostseeküste erst so recht sichtbar. Gleichzeitig war Bauland für zahlreiche Fischer und Büdner geschaffen worden.

Nahe dem Ort Neukrug entstand nun eine zunächst namenlose Fischerkolonie. Den Namen Heringsdorf erhielt sie im Jahr 1820 durch die Söhne des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III., die Prinzen Carl und Wilhelm.

Swinemünde, der Nachbarort Heringsdorfs, war bereits 1824 Seebad geworden. Ein Jahr später ließ von Bülow auf dem 34 Meter hohen Kulm mit dem Weißen Schloss das erste Gästehaus des Seebades Heringsdorf errichten. Etwas später entstand in der Nähe eine Villenkolonie, die mit Neukrug vereinigt wurde. Im gleichen Jahr begann sukzessive der Badebetrieb in Heringsdorf. Einen Höhepunkt des Heringsdorfer Fremdenverkehrs war der Aufenthalt der preußischen Kronprinzessin Victoria mit ihren Kindern im Weißen Schloss, dem sich ihr Gatte, der Kronprinz und spätere Kaiser Friedrich anschloss.

Im Nachruf für den Rittergutsbesitzer hatte die „Vossische Zeitung“ formuliert: „So ist Heringsdorf freilich nicht des verstorbenen Oberforstmeisters Werk, aber seine Schöpfung, und er hat den Wüsten und Haiden, wie dem Walde und Wasser für die Cultur und seinen Vortheil viel für die ganz unfruchtbare Insel entlockt.“

Das Wappentier der Bülows, deren Vorfahren zum mecklenburgischen Uradel zählten, ist der Pirol, seinerzeit in Mecklenburg auch „Vogel Bülow“ genannt. Einer der bekanntesten deutschen Humoristen, Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, hatte als Künstlernamen das französische Wort für den Pirol gewählt: Loriot.

Das zweite Denkmal befindet sich im Zentrum der Heringsdorfer Promenade. Es ist dem Kommerzienrat Hugo Delbrück (1825–1900) gewidmet, der Heringsdorf zum „Nizza des Nordens“, zu einem Weltbad machte. Gemeinsam mit seinem Bruder hatte Delbrück im Jahre 1871 vom Rittergutbesitzer von Bülow mehrere hundert Hektar Land erworben. Ein Jahr später gründeten die Brüder die Commandit Aktiengesellschaft Heringsdorf. Unter ihrer Regie wurden die pompöse Kaiser-Wilhelm-Brücke, ein Kurhaus sowie ein Elektrizitätswerk erbaut. Der Ort erhielt eine Wasserleitung und befestigte Straßen. Zudem schuf man im Wald 15 Tennisplätze auf denen auch internationale Turniere stattfanden, sowie eine Pferderennbahn. Als Dominante des Seebades entstand von 1871 bis 1903 in verschiedenen Bauabschnitten das Hotel „Atlantic“, das in den 1920er Jahren unter dem Namen „Kaiserhof Atlantic“ unter anderem vom Berliner Unternehmen Kempinski geführt wurde und später den Status eines offiziellen Kurhauses erhielt.

Und Loriot lässt grüßen
All das trug wesentlich dazu bei, dass die Zahl der Sommergäste von 2000 im Jahr 1870 auf 9600 im Jahr 1899 anstieg. Das Ostseebad Heringsdorf war zum Modebad reicher Kaufleute, Industrieller, Adliger und Prominenter von Theater und Film geworden.

Mit der 41 Meter hohen Bismarckwarte auf dem Präsidentenberg erhielt der Ort etwas später ein weiteres Wahrzeichen, und nachdem man im Jahr 1927 in einer Tiefe von 400 Metern eine radiumhaltige Solquelle erschlossen hatte, wurde Heringsdorf zum See-, Sol- und Moorbad.

Das dritte Denkmal ist eine Büste Kaiser Wilhelms I. auf einem Sockel stehend. Es ziert den Vorgarten der Villa Miramar. Die Büste war von H. Pohlmann aus Berling entworfen und offensichtlich in Braunschweig gegossen worden und gelangte als Stiftung nach Heringsdorf. Das Denkmal ist 2,70 Meter hoch, was die 27 Regierungsjahre Wilhelm I. symbolisiert.

Da sich die Gemeinde Heringsdorf gegen eine Aufstellung des Denkmals auf Gemeindeland ausgesprochen hatte, wich man auf das private Anwesen aus. In Heringsdorf liebte man seinen Kaiser (Wilhelm II.) und wollte diesen nicht durch einen anderen ersetzt sehen.

Zwar hatte der erste deutsche Kaiser schon als junger Prinz im Jahr 1820 mit seinem Vater, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und seinen Geschwistern, zum ersten Mal Heringsdorf besucht, es war jedoch sein Enkel, dessen Teebesuche bei der Konsulin Staudt nicht nur in Heringsdorf Aufsehen erregten. Anlass für die Besuche Wilhelms II. waren die alljährlich stattfindenden Flottenmanöver, die sogenannten Kaisertage in Swinemünde. Der Kaiser kam gewöhnlich an Bord der Jacht „Hohenzollern“ dort an und blieb einige Tage. Nach Heringsdorf reiste er in den Jahren von 1909 bis 1912 im offenen Cabrio an.

Die Geschichte der Villa spiegelt die Zeitgeschichte des Ortes sehr treffend wider. Sie gehörte in der NS-Zeit zunächst dem Leibarzt Adolf Hitlers, Theodor Morell. Während des Krieges wurde sie Außenstelle des Swinemünder Lazaretts, und nach 1945 war sie jahrelang Sanatorium für Offiziere der Roten Armee. In der DDR fungierte die Villa unter dem Namen „Wilhelm Pieck“ als Betriebserholungsheim der Interflug. Heute werden dort Ferienwohnungen angeboten.


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