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Die immer komplexer werdenden Industrienationen benötigen immer komplexer werdende Roboter
Wir Menschen sind Mängelwesen. Im Vergleich zu hochtechnisierten Systemen fehlt es uns an nötiger Präzision, an Zuverlässigkeit, Effizienz und Leistung. Kein Wunder, dass mit der beginnenden Industrialisierung der Mensch immer kritischer gesehen wurde. Die an der TU Darmstadt lehrende Technikhistorikerin Martina Heßler hat dazu ein Buch geschrieben, wobei sie das Thema vom frühen 19. Jahrhundert in die Gegenwart fortführt mit nachdenklichen, wenn auch nicht unbedingt pessimistischen Folgerungen. Sie verwendet dafür den antiken Mythos von Sisyphos. Jenen König von Korinth hatten die Götter wegen eines Frevels in die Unterwelt verbannt, wo er einen Felsblock auf einen Berg wälzen musste, von dessen Spitze er immer wieder in die Tiefe rollte.
Für die Autorin ist dies ein anschauliches Beispiel für die heutige Situation: Der nach wie vor fehlerhafte Mensch muss von Maschinen unterstützt, ja möglichst vollständig ersetzt werden. Die heutigen immer komplexer werdenden Industrienationen verlangen aber auch immer komplexere Maschinen, die wiederum, da sie störanfällig sind, zu ihrer Wartung noch komplexere Systeme verlangen, und so immer weiter. Nie bleibt der Stein des Sisyphos oben.
Es ist nahezu ein Credo unter Ingenieuren und Technikern, dass das Mängelwesen Mensch den Anforderungen des technischen Zeitalters nicht gewachsen ist. Heßler listet teilweise haarsträubende Urteile auf, die oft genug in der Forderung gipfelten, den Menschen ganz aus der industriellen Fertigung herauszuhalten. Der Siegeszug von Computern, Robotern und „moralischen Maschinen“ wie dem Lügendetektor seien auch unter diesem Gesichtspunkt zu verstehen.
Um 1980 kippte die Stimmung für kurze Zeit, als böse Computerfehler mit zum Teil schlimmen Folgen für Betroffene plötzlich Maschinen zu „Bösewichtern“ machten. Aber mit dem Aufkommen der KI schwappt erneut eine Optimismuswelle über die Welt; dabei, so Heßler, werden menschliche Fehler nicht mit KI ausgeräumt: „KI konfrontiert Menschen mit ihren schlechten Eigenschaften, während sie doch hofften, die KI würde sie von diesen befreien.“
Immer wieder umkreist die Autorin die Beziehung Mensch-Maschine und diskutiert das Problem einer möglichen Unbeherrschtheit einer übertechnisierten Welt. Aber auch da wird schon Abhilfe überlegt: Der Medienmogul und Trump-Freund Elon Musk meinte, um mit der KI mitzuhalten, müsse den Menschen ein Chip ins Gehirn implantiert werden. Daran werde in seinen Firmen auch schon gearbeitet.