24.02.2026

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Adventszeit

Terrorschutz macht den Glühwein teuer

Berliner Weihnachtsmärkte unter Druck – Maßnahmen gegen Anschläge treiben die Preise

Hermann Müller
14.12.2025

Das Glas Glühwein für sieben Euro, die Bratwurst zu fünf Euro – hohe Preise verderben vielen Besuchern von Christkindlmärkten in diesem Jahr die Weihnachtslaune. Deutschlandweit haben in diesem Jahr die Preise auf den Weihnachtsmärkten im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich zugelegt. Gerade für Familien mit Kindern kann der Marktbesuch damit zu einem teuren Spaß werden. Immer öfter ist zu hören: „Da geh' ich nicht mehr hin.“

Schausteller und Händler verweisen auf gestiegene Standmieten und höhere Nebenkosten. Die Veranstalter von Christkindlmärkten führen regelmäßig auch die Umlagen für Sicherheitsmaßnahmen an. Einfahrtssperren sollen verhindern, dass sich Anschläge wie der auf den Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz im Dezember 2016 oder der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr wiederholen. Der Terrorschutz hat die Weihnachtsmärkte vielerorts in Hochsicherheitszonen verwandelt, die nicht zu einer romantischen Weihnachtsstimmung passen. Und die Sicherheitsmaßnahmen treiben natürlich auch die Kosten für die Veranstalter kräftig in die Höhe.

Allein die Ausarbeitung eines Sicherheitskonzepts inklusive detaillierter Risikoanalysen und Zufahrtsschutzkonzepte kostet die Marktbetreiber üblicherweise fünfstellige Beträge. Neumünster beziffert die Aufwendungen „für die Erstellung und Umsetzung des Sicherheitskonzepts“ für seinen Weihnachtsmarkt aktuell mit rund 20.000 Euro – die Personalkosten für die Umsetzung sind dabei noch nicht einmal enthalten. Die Organisatoren des „Potsdamer Weihnachtszaubers“ sprechen sogar von Kosten von mehr als einer Viertelmillion Euro, die für Sicherungsmaßnahmen und Terrorschutz in diesem Jahr fällig würden.

Nächster Schlag: Mindestlohn
Damit nicht genug: „Gern vergessen wird, dass auch die Schausteller Geld verdienen müssen“, so ein Gewerbetreibender, der auf einem der zahlreichen Berliner Weihnachtsmärkte einen Stand unterhält. Einige Veranstalter und auch Standbetreiber verweisen bereits auf die schon beschlossene Mindestlohn-Erhöhung, welche die Weihnachtsmarktpreise in den kommenden Jahren wahrscheinlich weiter in die Höhe treiben wird.

Vereinzelt sind in diesem Jahr bereits Weihnachtsmärkte aus Kostengründen abgesagt worden. Bislang sind es vor allem kleinere Veranstaltungen, etwa in Overath bei Köln, die vor hohen Sicherheits- und Energiepreisen kapitulieren.
Ein Blick in die Zukunft der Weihnachtsmärkte liefert möglicherweise einer der fast achtzig Berliner Märkte. Am Spreespeicher unweit der Oberbaumbrücke gibt es einen Weihnachtsmarkt, der von den Besuchern einen Eintrittspreis verlangt. Dafür sind allerdings alle Getränke und Speisen inbegriffen. Geboten werden die typischen Weihnachtsschmankerln wie gebrannte Mandeln, Waffeln und Schokofrüchte, ebenso stehen herzhafte Bratwurst, Grünkohl oder Pilzpfanne auf dem Menü. Je nach Wochentag und Einlasszeit variieren die Preise des Alles-inklusive-Weihnachtsmarkts an der Spree. Die preiswerteste Pauschale fängt bei rund dreißig Euro an. Am Wochenende werden ab 17 Uhr allerdings deutlich höhere Summen aufgerufen. Gäste können auch ein VIP-Ticket kaufen, das den Zutritt zu einem exklusiven VIP-Zelt mit eigener „Glühweinstation“ ermöglicht.

Festlich wie im Biedermeier
Der Weihnachtsmarkt zum Festpreis kommt bei Berlinern und Hauptstadt-Besuchern gut an. Die Eintrittspauschale schreckt offenbar nicht ab: „Wenn man es mit anderen Weihnachtsmärkten vergleicht, gibt man dort mindestens genauso viel aus“, so eine Besucherin. Tatsächlich kostet auf vielen Berliner Märkten ein Becher Glühwein in diesem Jahr bereits bis zu 7,50 Euro. Außer dem Flatrate-Weihnachtsmarkt bietet Berlin in der Adventszeit noch eine ganz besondere Attraktion. Im Nikolaiviertel in Berlin-Mitte verwandelt sich das historische Knoblauchhaus der Stiftung Stadtmuseum Berlin vom Advent bis ins neue Jahr hinein in ein festlich geschmücktes Weihnachtshaus der Biedermeierepoche. Auf den drei Etagen des Berliner Bürgerhauses erhalten Besucher Einblicke in die Weihnachtsbräuche des Bürgertums der preußischen Hauptstadt in der Zeit zwischen dem Ende der Napoleonischen Kriege 1815 und der Revolution von 1848.

Die sorgsam rekonstruierten Wohnräume zeigen, wie hier vor 200 Jahren die Familie Knoblauch lebte und ihr Unternehmen betrieb. Zum Bekanntenkreis der Kaufmannsfamilie gehörten der Architekt Karl Friedrich Schinkel sowie auch die Gelehrten Wilhelm und Alexander von Humboldt. Das Knoblauchhaus unweit von Nikolaikirche und Rotem Rathaus ist eines der wenigen noch erhaltenen Berliner Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert.


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